Ein Hund mit Kreuzbandriss, ein Pferd mit Kolik, eine Katze mit FORL: Wird der tierische Part der Familie krank, ist das auch für die menschlichen Partner ein Notfall. Fakt ist: Tiere sind mittlerweile Familienmitglieder. In 43 Prozent der deutschen Haushalte lebt mindestens ein Tier, nach Zahlen vom Industrieverband Heimtierbedarf und dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands sind es 33,4 Millionen Tiere, darunter 15,7 Millionen Katzen und zehn Millionen Hunde. Eine aktuelle Studie der Uelzener unter mehr als 1.000 Hunde- und Katzenhaltern zeigt, was das bedeutet: Neun von zehn würden für eine teure Behandlung auf eine geplante Reise verzichten, und 86 Prozent stellen die eigenen Bedürfnisse nicht über die ihres Vierbeiners.
Bei der Absicherung sind sie hingegen zurückhaltender. Nach Nordlight Research legen 35 Prozent der Halter, die keine Tierversicherung abschließen wollen, lieber Geld zurück (2022: 24 Prozent). Einige zweifeln, ob der Versicherer im Schadenfall überhaupt zahlt. Hinzu kommt, dass eine Tierkrankenversicherung - mal abgesehen von einer Tier-OP-Versicherung - je nach Leistungsumfang zu den teuersten privaten Sachversicherungen im Haushalt zählen kann, wie Vema-Vorstand Dr. Johannes Neder betont.
Der Markt wächst trotzdem. Nach GDV-Zahlen waren 2019 rund 845.000 Haustiere krankenversichert, 2024 mehr als zwei Millionen, die Bruttobeiträge stiegen von 173 auf 720 Millionen Euro. Den Anstoß gab die Ende 2022 novellierte Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). In der Folge wurden die Behandlungen deutlich teurer, die Beiträge wuchsen 2023 und 2024 um jeweils rund 40 Prozent, und der Anteil umfassender Tarife stieg von knapp 22 auf fast 40 Prozent. Nach Vema mussten 2024 alle Anbieter die Beiträge deutlich anheben. Ob die neuen Kalkulationen halten, muss sich zeigen.
Auf einen Kostentreiber haben die Versicherer kaum Einfluss. Angelika Jäckel, Leiterin des Geschäftsfeldes Privatkunden Komposit der BarmeniaGothaer, sagt: „Im Tiergesundheitsmarkt beobachten wir eine zunehmende Industrialisierung, weil sich an Tierkliniken Finanzinvestoren beteiligen beziehungsweise diese aufkaufen und dadurch Klinikverbünde entstehen.“
Bei Kolik-Operationen an Pferden werden nach ihrer Darstellung bis zu 60.000 Euro fällig, bei komplizierten Eingriffen an Hund oder Katze oft 20.000 bis 30.000 Euro. Wer sein Tier als Familienmitglied sieht, fragt bei solchen Summen laut Jäckel meist nicht, ob behandelt wird, sondern wie umfassend. Damit rückt die Vertragsstabilität in den Vordergrund.
Manche Versicherer kündigen zum Ablauf oder nach einem Schaden, für den Halter eines kranken Tieres der Worst Case. Einige Anbieter verzichten deshalb auf ihre Kündigungsrechte. Jäckel, deren Haus diesen Weg geht, verweist auf die PKV: „Sicherheit durch Verlässlichkeit und langfristige Versicherbarkeit.“ Die Rechnung dahinter erklärt sie so: „Kalkulatorisch basiert das auf unserem großen Bestand und dem Solidarprinzip, wie wir es aus der privaten Krankenversicherung kennen.“
Für die Vermittler bleibt das Segment ein Feld mit Herausforderungen. Formal ist die Tierversicherung zwar eine Sachversicherung, im Alltag verhält sie sich wie eine Krankenversicherung, mit Wartezeiten, Gesundheitsprüfung und Höchstentschädigungen. Jäckel kennt das Problem: „Viele Vermittler erleben einen Dschungel aus Bedingungen und Ausschlüssen und empfinden die Beratung als zu komplex“. Wer da mithalten will, sollte Kündigungsschutz, Selbstbehalte und Wartezeiten nicht nur kennen, sondern auch verständlich erklären können. Sonst macht es ein anderer.
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