Die BarmeniaGothaer gehört seit Jahren zu den führenden Versicherern im Tierversicherungsmarkt. Was hat das Unternehmen bewogen, das Produktkonzept jetzt grundlegend neu aufzustellen?
Jäckel: Seit 2016 sind wir mit unserer Operationskostenversicherung für Hunde und Katzen sehr erfolgreich am Markt. In den vergangenen Jahren haben wir unser Angebot konsequent erweitert und um die Tierkrankenversicherung für Hunde und Katzen sowie die Pferde-Operationskostenversicherung ergänzt. Dabei haben wir unsere Produkte kontinuierlich weiterentwickelt und an veränderte Marktbedingungen angepasst.
Insbesondere die Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und die damit verbundenen deutlichen Kostensteigerungen haben die gesamte Branche vor große Herausforderungen gestellt. Unser Fokus lag zunächst darauf, die Produkte nachhaltig und wirtschaftlich aufzustellen, damit wir unseren Kundinnen und Kunden auch langfristig verlässlichen Versicherungsschutz bieten können. Gleichzeitig sehen wir, dass Tierhalter heute immer häufiger mit sehr hohen Tierarztkosten konfrontiert werden. Hinzu kommt, dass manche Marktteilnehmer auf diese Entwicklung mit Maßnahmen reagieren, die für Kunden schwer nachvollziehbar sind, beispielsweise durch Kündigungen zum Ablauf oder nach Schadenfällen. Für die betroffenen Tierhalter bedeutet das oft eine erhebliche Belastung, weil sie dann mit hohen Kosten und ihrem geliebten Familienmitglied allein dastehen.
Genau deshalb haben wir unser Produktkonzept jetzt grundsätzlich weiterentwickelt. Dabei konnten wir auf die Erfahrungen aus nahezu zehn Jahren Tierversicherung zurückgreifen. Unser Ziel war es, Tierhaltern ein Höchstmaß an Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten. Kernstück des neuen Konzepts ist daher der weitgehende Verzicht auf Kündigungsrechte: Bereits ab Vertragsbeginn verzichten wir auf das Kündigungsrecht nach einem Schadenfall.. Zudem verzichten wir in der Hunde- und Katzenversicherung nach 24 Monaten sowie in der Pferde-OP-Versicherung unter bestimmten Voraussetzungen ab dem 7. Versicherungsjahr auf das ordentliche Kündigungsrecht und unterstreichen damit unseren Anspruch, für Hunde-, Katzen- und Pferdehalter ein dauerhaft verlässlicher Partner zu sein.
Damit gehen wir einen Schritt, der in der Tierversicherung bislang außergewöhnlich ist und eher an die langfristige Partnerschaft aus der privaten Krankenversicherung erinnert.
Unser Anspruch ist klar: Wer sein Tier bei uns versichert, soll sich darauf verlassen können, auch in schwierigen Situationen einen starken und dauerhaft verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben.
Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier hat sich grundlegend gewandelt. Hunde und Katzen sind Familienmitglieder, es gibt emotionale Bindungen, gleiches gilt für Pferde. Wie schlägt sich dieses veränderte Tierbild in der Nachfrage nach Tierversicherungen nieder? Und wie hat sich der Absatz bei BarmeniaGothaer in den vergangenen Jahren entwickelt?
Jäckel: Wir beobachten seit Jahren einen klaren Trend: Hunde, Katzen und auch Pferde werden heute von vielen Menschen als vollwertige Familienmitglieder angesehen. Entsprechend hoch ist die emotionale Bindung. Wenn ein Tier erkrankt oder operiert werden muss, steht für die Halter nicht die Frage im Vordergrund, ob eine Behandlung durchgeführt wird, sondern wie sie die bestmögliche medizinische Versorgung sicherstellen können.
Gleichzeitig sind die Tierarztkosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Viele Tierhalter erkennen deshalb zunehmend, welches finanzielle Risiko mit einer Erkrankung oder Operation verbunden sein kann. Entsprechend wächst das Interesse an einer verlässlichen Absicherung.
Diese Entwicklung sehen wir auch sehr deutlich in unseren Beständen. Unsere Tierversicherung verzeichnet seit rund zehn Jahren ein kontinuierliches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr. Die Sparte hat sich für die BarmeniaGothaer inzwischen zu einem der wichtigsten Wachstumsfelder entwickelt. Das bestätigt uns darin, dass Tierversicherungen längst kein Nischenprodukt mehr sind, sondern für viele Tierhalter ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Vorsorge geworden sind.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei, dass wir das Kundenerlebnis konsequent mitdenken. Von schlanken Abschlussprozessen über digitale Services bis hin zu einer schnellen Schadenbearbeitung schaffen wir ein Angebot, das sowohl bei Endkundinnen und Endkunden als auch bei Vermittlerinnen und Vermittlern auf hohe Akzeptanz stößt. Ergänzende Leistungen wie Telemedizin oder unser KI-gestützter Tierarzt-Chat tragen zusätzlich dazu bei, dass unsere Kunden weit über den eigentlichen Versicherungsumfang hinaus unterstützt werden.
Am Ende zeigt sich der Erfolg vor allem in der hohen Kundenzufriedenheit und einer starken Kundenbindung. Das sind aus unserer Sicht entscheidende Voraussetzungen, um sich in einem dynamischen und stark wachsenden Marktumfeld nachhaltig zu behaupten.
Tierversicherungen sind formal Sachversicherungen, inhaltlich aber kaum von einer Krankenversicherung zu unterscheiden: Wartezeiten, Gesundheitsprüfung, Jahreshöchstentschädigungen, Leistungsausschlüsse. Viele Vermittler scheuen genau deshalb das Segment. Was tut die BarmeniaGothaer, um diese Hemmschwelle zu senken?
Jäckel: Wir stellen fest, dass die Vielfalt der Tarifangebote am Markt in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Neben etablierten Anbietern sind zahlreiche neue Marktteilnehmer hinzugekommen. Gleichzeitig sehen Vermittler einen immer größeren Dschungel aus Bedingungen, Wartezeiten, Leistungsausschlüssen, Gesundheitsfragen und Tarifvarianten. Das führt nicht selten dazu, dass die Beratung als zu komplex wahrgenommen wird.
Genau deshalb haben wir bei der Entwicklung unseres neuen Produktkonzepts besonderen Wert auf Verständlichkeit, Transparenz und Verlässlichkeit gelegt. Unser Anspruch war es, keine Mogelpackungen anzubieten, sondern einen Versicherungsschutz, bei dem Vermittler und Kunden klar erkennen können, welche Leistungen sie erhalten und worauf sie sich verlassen können.
Sowohl unsere Operationskostenversicherung als auch die Bausteine für Zahnbehandlungen und ambulante Leistungen bieten einen qualitativ hochwertigen und umfassenden Versicherungsschutz. Gleichzeitig haben wir darauf geachtet, die Bedingungen verständlich zu formulieren und auf unnötige Komplexität zu verzichten. Versteckte Einschränkungen oder überraschende Ausschlüsse passen nicht zu unserem Qualitätsanspruch.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kalkulierbarkeit für den Kunden. Über die Wahl eines Jahres-Selbstbehalts von beispielsweise 250 oder 500 Euro können Tierhalter ihre Beiträge aktiv beeinflussen und gleichzeitig von einem leistungsstarken Versicherungsschutz profitieren. Der Vorteil: Die maximale Eigenbeteiligung bleibt überschaubar und planbar, während gleichzeitig das finanzielle Risiko hoher Tierarztkosten abgesichert wird.
Unser Ziel ist es, Vermittlern die Beratung so einfach wie möglich zu machen. Sie sollen sich darauf konzentrieren können, den Bedarf ihrer Kundinnen und Kunden zu erkennen, anstatt sich durch komplizierte Leistungsdetails kämpfen zu müssen. Gerade deshalb setzen wir auf klare Produkte, verständliche Bedingungen und hochwertige Leistungen, die sich leicht erklären lassen.
Vor dem Hintergrund der Komplextität. Welche konkreten Vertriebsmittel, Tools und Schulungsangebote stellt die BarmeniaGothaer ihren Partnern zur Verfügung?
Jäckel: Wir wollen den Vermittlerinnen und Vermittlern die Beratung und den Abschluss von Tierversicherungen so einfach wie möglich machen. Deshalb stellen wir umfangreiche digitale Vertriebs- und Servicelösungen zur Verfügung, die den gesamten Prozess von der Kundenansprache bis zur Schadenregulierung unterstützen.
Ein besonders erfolgreiches Instrument sind unsere Online-Abschlussstrecken beziehungsweise Endkundenrechner. Diese können Vermittler individuell als iFrame-Lösung in ihre eigene Homepage integrieren. Dadurch erhalten sie eine professionelle digitale Abschlussstrecke, die sie beispielsweise über Social-Media-Kampagnen oder andere Online-Marketing-Maßnahmen aktiv nutzen können. Die Resonanz darauf ist ausgesprochen positiv. Tatsächlich haben wir über diese digitalen Abschlussmöglichkeiten in den vergangenen Jahren einen Großteil unserer Neuabschlüsse generiert.
Darüber hinaus legen wir großen Wert auf ein positives Kundenerlebnis nach dem Abschluss. Über unsere App können Kundinnen und Kunden Rechnungen einfach digital einreichen. In vielen Fällen erfolgt die Bearbeitung so schnell, dass die Erstattung bereits am selben oder am nächsten Werktag auf dem Konto eingeht. Gerade in einer emotional geprägten Sparte wie der Tierversicherung ist das ein wichtiger Faktor für die Kundenzufriedenheit.
Ergänzt wird das Angebot durch digitale Mehrwertservices wie die Telemedizin oder unseren KI-gestützten Tierarzt-Chat. Tierhalter erhalten dadurch schnell und unkompliziert Unterstützung bei Fragen rund um die Gesundheit ihres Tieres und das unabhängig davon, ob es gerade um einen Schadenfall geht oder nicht.
Unser Ziel ist es, sowohl Vermittlern als auch Tierhaltern einen modernen, einfachen und serviceorientierten Zugang zur Tierversicherung zu bieten. Denn ein gutes Produkt allein reicht heute nicht mehr aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus leistungsstarkem Versicherungsschutz, digitalen Services und einer unkomplizierten Kundenreise.
Unser Anspruch „Wir unterstützen unsere Vertriebspartner nicht nur mit einem leistungsstarken Produkt, sondern mit einem durchgängig digitalen Vertriebs- und Servicekonzept, das von der Kundengewinnung bis zur Schadenregulierung reicht.“
Dr. Christian Prachar, Tierarzt und Produktmanager bei der BarmeniaGothaer, hatte im Interview mit Cash. bereits 2025 vor einem strukturellen Dilemma gewarnt: Tarife mit angemessenem Leistungsumfang zu bezahlbaren Beiträgen anzubieten, die für den Anbieter noch auskömmlich sind, werde immer schwieriger. Wie ist der BarmeniaGothaer das mit dem neuen Konzept gelungen?
Jäckel: Die Barmenia und heute die BarmeniaGothaer sind insbesondere aus der privaten Krankenversicherung für leistungsstarke Tarife bekannt. Diese DNA haben wir auch bei der Tierkrankenversicherung eingebracht.Ziel ist es, Tierhaltern einen umfassenden Versicherungsschutz zu bieten und gleichzeitig möglichst zu vermeiden, dass sie im Leistungsfall feststellen, dass bestimmte erwartete Leistungen gar nicht versichert sind.
Um den Spagat zwischen hoher Leistung und bezahlbaren Beiträgen zu schaffen, bieten wir unsere Tarife optional auch mit einem Jahresselbstbehalt an. Kundinnen und Kunden können beispielsweise einen Selbstbehalt von 250 oder 500 Euro wählen und dadurch ihre laufende Prämie reduzieren. Der Vorteil liegt in der hohen Kalkulierbarkeit: Der Kunde weiß von Anfang an genau, welchen Betrag er im Jahr maximal selbst tragen muss und kann diesen entsprechend einplanen.
Gleichzeitig ist uns wichtig, Wahlfreiheit zu bieten. Deshalb stehen unsere Tarife nicht nur mit Selbstbehalt, sondern auch ohne Selbstbeteiligung zur Verfügung. So kann jeder Tierhalter selbst entscheiden, ob er lieber eine niedrigere Prämie mit kalkulierbarem Eigenanteil oder einen Versicherungsschutz ohne eigenes Kostenrisiko bevorzugt. Alles darüber hinaus übernehmen wir im Rahmen des vereinbarten Versicherungsschutzes.
„Unser Ansatz lautet: lieber ein klar kalkulierbarer Selbstbehalt als überraschende Leistungslücken.“
Tierkliniken rechnen heute zunehmend an der Obergrenze der Erstattungsfähigkeit ab. Wie schlägt sich das im Schadenverlauf nieder? Und zieht die BarmeniaGothaer daraus Konsequenzen für Deckungssummen oder Selbstbeteiligungen?
Jäckel: Tatsächlich beobachten wir eine zunehmende Industrialisierung im Tiergesundheitsmarkt. Insbesondere im Bereich der Tierkliniken sehen wir vermehrt größere Klinikverbünde und Tierketten, an denen sich Finanzinvestoren beteiligen oder die von Investoren getragen werden. Das ist zunächst keine Wertung, verändert aber die Marktstrukturen. Wo Investitionen getätigt werden, besteht naturgemäß auch die Erwartung, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und Erträge zu erwirtschaften.
Gleichzeitig beobachten wir in der gesamten Branche steigende Rechnungsbeträge und eine zunehmend konsequente Ausschöpfung bestehender Erstattungsmöglichkeiten. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, diese Entwicklung allein auf veränderte Eigentümerstrukturen zurückzuführen. Auch höhere Personalkosten, steigende Mieten, Investitionen in moderne Medizintechnik sowie der medizinische Fortschritt tragen dazu bei.
Für uns als Versicherer zeigt sich diese Entwicklung in steigenden Schadenaufwendungen. Ähnlich wie in der privaten Krankenversicherung für Menschen können wir die Rechnungsstellung der Leistungserbringer nicht beeinflussen. Wir erstatten die vereinbarten Leistungen auf Basis der eingereichten Rechnungen und beobachten die Entwicklung der Schadendurchschnitte sowie der Abrechnungspraxis sehr genau.
Dauerhaft steigende Leistungsausgaben müssen langfristig in der Kalkulation berücksichtigt werden. Die Herausforderung besteht darin, hohen Versicherungsschutz und bezahlbare Beiträge in Einklang zu bringen. Deshalb setzen wir aktuell auf transparente Tarifmodelle mit Wahlmöglichkeiten, beispielsweise über optionale Selbstbehalte. So können Kundinnen und Kunden selbst entscheiden, welchen Teil des Risikos sie übernehmen möchten.
Wir sehen die zunehmende Professionalisierung und Konsolidierung im Markt durchaus als einen Faktor für steigende Kosten. Gleichzeitig profitieren Tierhalter heute von medizinischen Möglichkeiten, die es vor einigen Jahren noch gar nicht gab. Die Herausforderung besteht darin, diese Entwicklung langfristig finanzierbar zu halten.
Das Zurückbehaltungsrecht des Tierarztes, also ein Tier als Pfand einzubehalten, ist rechtlich möglich und hat in der Praxis bereits zu Versteigerungen geführt. Gibt es Fälle, die sie als Versicherer selbst erlebt haben?
Jäckel: Solche Fälle kommen leider vor, auch wenn sie nach unserer Wahrnehmung noch immer die Ausnahme darstellen. In den uns bekannten Konstellationen wird zwischen dem Tierhalter und der Tierarztpraxis beziehungsweise Tierklinik häufig eine Vereinbarung getroffen, die ein Zurückbehaltungsrecht bis zur Begleichung der offenen Rechnung vorsieht.
Für die betroffenen Tierhalter ist das oft eine enorme emotionale und finanzielle Belastung. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, welche Kosten die moderne Tiermedizin heute verursachen kann. Wir sehen in unserem Bestand beispielsweise Kolikoperationen bei Pferden, deren Gesamtkosten einschließlich Nachbehandlung im Einzelfall bereits 60.000 Euro erreicht haben. Aber auch bei Hunden und Katzen können komplizierte Operationen mit Voruntersuchungen, Bildgebung wie MRT, stationären Aufenthalten und Nachbehandlungen schnell Rechnungen von 20.000 bis 30.000 Euro verursachen.
Vor diesem Hintergrund wird nachvollziehbar, warum es in Einzelfällen zu Zahlungsschwierigkeiten kommen kann. Ob nach einem vereinbarten Zurückbehaltungsrecht tatsächlich weitere rechtliche Schritte oder sogar Versteigerungen erfolgen, können wir als Versicherer allerdings nicht beurteilen, da uns hierzu keine Informationen vorliegen.
Aus unserer Sicht zeigen solche Fälle vor allem, welche finanziellen Dimensionen die Tiermedizin inzwischen erreicht hat. Eine frühzeitige Absicherung kann dazu beitragen, dass medizinische Entscheidungen für das Tier nicht von der Frage abhängig werden, ob eine unerwartet hohe Rechnung kurzfristig bezahlt werden kann.
„Die moderne Tiermedizin ermöglicht heute Behandlungen auf einem Niveau, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Gleichzeitig erreichen die Kosten in Einzelfällen Größenordnungen, die viele Tierhalter ohne Versicherungsschutz vor erhebliche Herausforderungen stellen können.“
Kernstück des neuen Konzepts ist der Verzicht auf das Kündigungsrecht: ab Vertragsbeginn nach Schaden, nach 24 Monaten auch ordentlich. Das ist eine weitreichende Zusage. Wie ist das kalkulatorisch abgesichert?
Jäckel: Der Verzicht auf das Kündigungsrecht ist eine ganz bewusste Entscheidung. Uns war es wichtig, unseren Kundinnen und Kunden die Sicherheit zu geben, einen verlässlichen Partner an ihrer Seite zu haben. In der privaten Krankenversicherung für Menschen ist es selbstverständlich, dass der Versicherer einem erkrankten Versicherten nicht einfach kündigen kann. Diesen Gedanken haben wir auf die Tierkrankenversicherung übertragen.
Kalkulatorisch können wir diesen Schritt deshalb gehen, weil wir mittlerweile über einen sehr großen Bestand verfügen und Risiken nach dem Solidarprinzip auf viele Versicherte verteilen können. Gerade dafür ist Versicherung da: Die Gemeinschaft trägt die Kosten einzelner schwerer oder langwieriger Krankheitsverläufe mit.
Uns ist wichtig zu betonen, dass wir nicht den Weg gehen wollen, leistungsintensive Tiere aus dem Bestand zu drängen. Statt einer Kündigung behalten wir uns lediglich in der Tierkrankenversicherung (das gilt nicht für die reine Operationskostenversicherung) vor, in Einzelfällen ein Weiterführungsangebot mit einem vereinbarten Selbstbehalt zu unterbreiten. Dieser kann maximal 1.000 Euro pro Jahr betragen.
Das bedeutet für unsere Kundinnen und Kunden: Die schwerwiegendste Konsequenz ist nicht der Verlust des Versicherungsschutzes, sondern gegebenenfalls die Vereinbarung eines kalkulierbaren Selbstbehalts. Der Versicherungsschutz bleibt erhalten und das Tier bleibt weiterhin versichert. Unser Ziel ist es, kranke Tiere nicht aus dem Bestand zu verabschieden, sondern gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden langfristige Lösungen zu finden. Der Verzicht auf das Kündigungsrecht ist dafür ein klares Bekenntnis zu Partnerschaft und Verlässlichkeit.“
Das Optionsrecht erlaubt den Upgrade ohne neue Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeit. Es muss aber bei Abschluss gewählt werden, und das nur bis zum zweiten Lebensjahr des Tiers. Warum diese enge Zeitschiene?
Jäckel: Das Optionsrecht ist für uns ein wichtiger Baustein, um Kunden langfristig Sicherheit und Flexibilität zu bieten. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Tierhalter bei Vertragsabschluss das tatsächliche Kostenrisiko noch gar nicht einschätzen können. Häufig wird zunächst eine reine OP-Versicherung gewählt, weil das unmittelbare Risiko einer Operation greifbar erscheint. Erst mit zunehmender Erfahrung erkennen viele Kunden, welche Kosten auch durch Erkrankungen, Diagnostik, stationäre Behandlungen oder Nachsorge entstehen können.
Deshalb haben wir das Optionsrecht als eine Art Sicherheitsnetz oder Airbag konzipiert. Kunden, die sich früh für uns entscheiden, können ihren Versicherungsschutz zu einem späteren, klar definierten Zeitpunkt, nämlich zur nach Hauptfälligkeit des dritten Geburtstags ihres Tieres, auf einen umfangreicheren Tarif erweitern. Und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten.
Dahinter steht derselbe Gedanke, den man auch aus der menschlichen Krankenversicherung kennt: Der Gesundheitszustand wird gewissermaßen eingefroren. Der Kunde sichert sich frühzeitig die Möglichkeit, seinen Versicherungsschutz später an veränderte Bedürfnisse anzupassen, selbst wenn sich der Gesundheitszustand des Tieres bis dahin verändert hat.
Die Begrenzung auf den Abschluss bis zum zweiten Lebensjahr des Tieres ist dabei bewusst gewählt. Wir möchten Tierhalter motivieren, sich frühzeitig mit dem Thema Absicherung zu beschäftigen. Gleichzeitig belohnen wir Kunden, die sich bereits in jungen Jahren ihres Tieres für die BarmeniaGothaer entscheiden, mit dieser besonderen Flexibilität.
„Mit dem Optionsrecht geben wir unseren Kunden die Möglichkeit, heute eine Entscheidung zu treffen, ohne alle Risiken von morgen bereits kennen zu müssen. Wer sich früh für uns entscheidet, sichert sich die Chance, seinen Versicherungsschutz später ohne neue Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.“
Die Absicherung von Pferden unterscheidet sich in vielen Aspekten von der Hunde- oder Katzenversicherung. Pferdehalter haben häufig Kontakt zu spezialisierten Tierkliniken, die medizinischen Eingriffe sind komplex und die Operationskosten können schnell noch höhere Summen erreichen. Welche besonderen Anforderungen haben Sie bei der Entwicklung der neuen Pferde-Operationskostenversicherung berücksichtigt und wie hebt sich der Tarif dadurch vom Wettbewerb ab?
Jäckel: Die Anforderungen in der Pferdeversicherung unterscheiden sich deutlich von denen bei Hunden und Katzen. Gerade bei Pferden erreichen Operations- und Behandlungskosten nicht selten fünfstellige Beträge. Deshalb war es uns wichtig, einen leistungsstarken und zugleich flexibel gestaltbaren Versicherungsschutz anzubieten.
Bei der Entwicklung unserer neuen Pferde-Operationskostenversicherung haben wir bewusst verschiedene Bausteine zusammengestellt, damit Kundinnen und Kunden den Schutz an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Im Grundschutz erstatten wir den zweifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) sowie in unserer PremiumPlus Linie darüberhinaus im Notfall den vierfachen GOT-Satz, sowie die Notdienstgebühr. Wer einen erweiterten Schutz wünscht, kann über unseren Zusatzbaustein Care Plus für beide OP-Varianten den kompletten GOT-Rahmen absichern und dazu auch noch beispielweise unbegrenzte Unterbringungskosten im Rahmen des versicherten Nachbehandlungszeitraumes vereinbaren.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Wahl der Jahreshöchstentschädigung. Kunden können zwischen 15.000 Euro, 30.000 Euro, 60.000 Euro oder einer unbegrenzten Deckung für Operationskosten wählen. Damit kann jeder Pferdehalter den Versicherungsschutz passend zu seinem individuellen Sicherheitsbedürfnis gestalten.
Persönlich würde ich aufgrund der heutigen Kostenentwicklung insbesondere bei komplizierten Operationen und längeren Klinikaufenthalten die unbegrenzte Deckung empfehlen. Wir sehen in der Praxis immer wieder Fälle, in denen sich die Kosten schnell auf hohe fünfstellige Beträge summieren können. Gerade dann zeigt sich der Wert eines umfassenden Versicherungsschutzes.
Darüber hinaus haben wir unser Angebot um einen optionalen Zahnbaustein erweitert. Die moderne Pferdemedizin umfasst längst nicht mehr nur klassische Operationen. Auch die Zahngesundheit spielt für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit eines Pferdes eine wichtige Rolle. Diesem Bedarf tragen wir mit einem eigenständigen Zusatzschutz Rechnung.
„Unser Ziel war es, den Pferdehaltern keine starre Lösung vorzuschreiben, sondern ihnen die Wahl zu lassen: von einer soliden Absicherung bis hin zu einem nahezu grenzenlosen Schutz bei Operationskosten. So kann jeder Kunde das für ihn passende Sicherheitsniveau wählen.“
Auf der DKM tritt BarmeniaGothaer unter der Klammer „Sicherheit für alles, was für Ihre Kunden und Kundinnen wichtig ist“ auf. Was bedeutet das konkret für die Produktstrategie?
Jäckel: Der Leitgedanke „Sicherheit für alles, was für Ihre Kund:innen wichtig ist“ beschreibt sehr gut unseren Anspruch als BarmeniaGothaer. Wir wollen nicht nur einzelne Risiken absichern, sondern langfristig ein verlässlicher Partner für Kundinnen, Kunden und Vermittler sein. Konkret bedeutet das für unsere Produktstrategie zunächst Verlässlichkeit. Mit Innovationen wie dem weitgehenden Verzicht auf das Kündigungsrecht oder dem Optionsrecht schaffen wir Sicherheit und langfristige Planbarkeit. Unser Anspruch ist es, Kunden auch dann zur Seite zu stehen, wenn Leistungen tatsächlich in Anspruch genommen werden. Der zweite wichtige Baustein ist Flexibilität. Jeder Kunde hat unterschiedliche Bedürfnisse und ein unterschiedliches Sicherheitsbedürfnis. Deshalb setzen wir auf modulare Produktkonzepte mit individuell wählbaren Leistungen, Selbstbehalten und Jahreshöchstentschädigungen. So kann sich jeder den Versicherungsschutz zusammenstellen, der zu seiner persönlichen Situation passt. Drittens stehen Service und Kundenerlebnis im Mittelpunkt. Ein guter Tarif allein reicht heute nicht mehr aus. Schnelle und unkomplizierte Rechnungseinreichungen, digitale Services über unsere App, einfache und vermittlerfreundliche Abschlussstrecken, Telemedizin-Angebote und unser KI-gestützter Chat-Service sorgen dafür, dass Versicherung im Alltag einfach funktioniert. Am Ende geht es darum, Sicherheit erlebbar zu machen. Dafür verbinden wir leistungsstarke Produkte, hohe Servicequalität und moderne digitale Lösungen. Das spiegelt sich auch in der hohen Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden wider. „Unsere Botschaft auf der DKM ist einfach: Wir wollen ein verlässlicher Partner für Kundinnen, Kunden und Vermittler sein. Mit leistungsstarken Produkten, modularen Lösungen, exzellentem Service und der Sicherheit, dass wir auch im Leistungsfall an der Seite unserer Kunden stehen.“
Dieser Artikel ist Teil des EXKLUSIV Tierversicherungen. Alle Artikel des EXKLUSIV finden Sie hier.














