Fed-Zinssitzung: Kevin Warsh darf nicht den Rest der Glaubwürdigkeit der US-Notenbank verspielen

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Dr. Jens Bies, Abteilungsleiter Kapitalmarktresearch & Asset Management RentenFX bei der Helaba Invest:

Erwartungen an die bevorstehende Zinsentscheidung: „Wir erwarten, dass die Fed den Leitzins um 25 Basispunkte anhebt. Ausschlaggebend dafür sind der erneut angezogene Energiepreisdruck sowie die seit Monaten hartnäckige PCE-Inflation. Sollte die Fed im September noch pausieren, halten wir eine Zinserhöhung im Oktober für nahezu gewiss. Die Fed dürfte ihre Wachstumsprognosen angesichts der resilienten US-Konjunktur anheben. Im aktualisierten Dot Plot rechnen wir mit dem Signal für 50 Basispunkte an Anhebungen im 2. Halbjahr 2026, gefolgt von einer längeren Phase unveränderter Zinsen („higher for longer“). Der anstehende Zinsschritt (oder ein finaler Nachschlag im Oktober/Dezember) dürfte das Ende des Zyklus markieren. Die gestiegenen Langfristrenditen entfalten bereits spürbare Bremswirkungen auf den US-Immobilienmarkt und den Konsum. Ab frühestens Mitte 2027 rechnen wir aufgrund einer Wachstumsabkühlung sogar wieder mit Zinssenkungen der US-Fed.“

Auswirkungen auf die Kapitalmärkte: „Der Zinsschritt um 25 Basispunkte ist an den Märkten größtenteils eingepreist. Im Fokus steht, ob Chair Warsh Signale für weitere Anhebungen sendet oder einen datenabhängigen Ansatz betont – von einer Forward Guidance gehen wir allerdings nicht aus. Da der Markt einen restriktiveren Pfad bereits eingepreist hat, ist das Reaktionspotenzial bei Anleihen asymmetrisch. Bleiben extrem hawkishe Signale aus, könnten Zinsschritte teilweise wieder ausgepreist werden und US-Treasuries sich von erhöhten Niveaus erholen. Am Aktienmarkt stützt das robuste US-Wachstum die Gewinnerwartungen, während die gestiegenen Zinsen einen dämpfenden Druck auf die Aktienbewertungen ausüben. Wir erwarten zunächst eine verhaltene Aktienmarktreaktion mit tendenziell defensiver Ausrichtung auf sektoraler Ebene.“

Auswirkungen auf die Portfolios der Helaba Invest: „Bei unseren Rentenportfolios nutzen wir den kürzlichen Renditeanstieg zum langsamen Einstieg in eine verlängerte Duration. Da mittlerweile vom Markt über drei Zinserhöhungen eingepreist sind, sehen wir speziell am kurzen Ende Potenzial und v.a. ein gutes Chance-/Risikoverhältnis. Das lange Ende wird erst wieder interessant, wenn sich das Wachstum tendenziell abkühlt. Bei unseren Aktienportfolios erfordert der erwartete Zinsschritt keine fundamentale Neuausrichtung. Wir bevorzugen weiterhin qualitäts- und substanzstarke Titel mit hoher Preissetzungsmacht und solider Bilanzstruktur. Im Rahmen unserer Multi Asset-Portfolios behalten wir eine moderat offensive Grundausrichtung bei und bevorzugen Aktien aus den USA gegenüber Europa.“

Dr. Jens Bies (Foto: Helaba Invest)

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