Das Risikobewusstsein ist ungebrochen: 95 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass Unwetterschäden jedes Haus treffen können. Das zeigt eine repräsentative Studie der R+V Versicherung vom Juni 2026 – die zweite Auflage nach 2024. Vor zwei Jahren war die Zustimmung übrigens exakt gleich hoch. Fakt ist auch: Fünf Jahre nach dem Tief „Bernd“, das vor allem das Ahrtal und die Eifel verwüstete, über 180 Menschen das Leben kostete und Tausende Häuser und Betriebe zerstörte, ist die Katastrophe im kollektiven Gedächtnis verankert.
Doch das Bewusstsein schlägt sich nicht mehr in gleichem Maße in Handlungsbereitschaft nieder. Nur noch 44 Prozent der Befragten sind bereit, selbst Geld für Schutzmaßnahmen auszugeben. 2024 war es noch mehr als die Hälfte. Der Rückgang von 11 Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren ist bemerkenswert, zumal er in eine Phase fällt, in der keine vergleichbaren Extremwetterereignisse Deutschland getroffen haben.
„Nach zwei Jahren ohne größere Unwetterereignisse in Deutschland tritt das Bedrohungsgefühl im Alltag zurück – es scheint für die Menschen ein eher abstraktes Risiko geworden zu sein“, sagt Nils Reich, Komposit-Vorstand der R+V Versicherung. „Wir müssen uns aber vergegenwärtigen: Mit dem Klimawandel steigt die Gefahr von extremen Wetterlagen. Heftige Unwetter wird es in Zukunft wahrscheinlich häufiger geben.“
1,6 Milliarden Euro: Provinzial zieht Bilanz
Dass ein einziges Ereignis die Branche bis an ihre Grenzen bringen kann, belegen die Zahlen der Provinzial. Konzernweit wurden durch „Bernd“ rund 42.000 Schäden registriert, das Gesamtvolumen liegt bei etwa 1,6 Milliarden Euro – das größte Einzelereignis der 350-jährigen Unternehmensgeschichte. Rund 44,5 Prozent des Schadenaufwands entfielen allein auf den Landkreis Ahrweiler. Bis Ende 2022 hatte die Provinzial rund 904 Millionen Euro ausgezahlt.
„‚Bernd‘ war für uns mehr als ein außergewöhnliches Naturereignis – es war ein tiefgreifender Einschnitt. In Anbetracht des Leides, das die Flut über viele Menschen gebracht hat, tritt alles Wirtschaftliche zurück. Sie hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Regionen sind – und wie wichtig es ist, dass wir als öffentlicher Versicherer in solchen Momenten verlässlich an der Seite der Menschen stehen“, sagt Dr. Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender des Provinzial Konzerns. „Die Flut hat gezeigt, dass ein einziges Ereignis ein ansonsten stabiles Schadenjahr komplett drehen kann – und dass Ereignisse mit hohen Einzelschäden künftig ein fester Bestandteil dieser Betrachtung sein müssen.“
Zum Vergleich: Der Orkan „Kyrill“ verursachte 2007 rund 380 Millionen Euro Schaden bei etwa 410.000 Fällen. Bei „Bernd“ war das Volumen mit 1,6 Milliarden Euro bei deutlich weniger Fällen etwa viermal höher. Zudem war die Regulierung laut Provinzial ungleich komplexer, weil statt reparierbarer Sturmschäden Totalschäden und der Wiederaufbau ganzer Ortschaften im Mittelpunkt standen.
Bevölkerung fordert staatliche Lösungen
Wo die private Vorsorgebereitschaft nachlässt, wächst der Ruf nach dem Staat: Fast 80 Prozent der Befragten fordern laut R+V-Studie mehr Investitionen in den Hochwasserschutz durch Bund, Länder und Kommunen. Annähernd zwei Drittel plädieren für verbindliche Vorgaben zum unwetterangepassten Bauen und Sanieren, 58 Prozent sprechen sich für einen konsequenten Baustopp in hochwassergefährdeten Gebieten aus. „Der Aufbau zerstörter Infrastruktur nach einem Extremwetter kann für die öffentliche Hand deutlich teurer werden“, sagt R+V-Vorstand Reich. „Der Staat trägt Verantwortung für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger.“
Auf Seiten der Versicherungswirtschaft setzt die Provinzial auf eine Opt-Out-Lösung: Elementarschutz soll bei Neuabschlüssen von Wohngebäude- und Hausratversicherungen grundsätzlich eingeschlossen sein und aktiv abgewählt werden müssen: eine Position, die der Konzern gemeinsam mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vertritt. Viele Betroffene hatten vor „Bernd“ keine Elementardeckung, weil sie das Risiko nicht kannten. „Dauerhaft bezahlbaren Schutz gibt es nur, wenn Versicherung, Prävention und staatliche Verantwortung zusammen gedacht werden“, sagt Sabine Krummenerl, Vorständin Komposit im Provinzial Konzern.
2022 haben die öffentlichen Versicherer einen gemeinsamen Naturkatastrophen-Schadenpool eingerichtet, der bei extremen, regional begrenzten Ereignissen Lasten bundesweit verteilen soll. Zum fünften Jahrestag der Flut veröffentlicht die Provinzial zudem eine Kurz-Dokumentation, die Betroffene, einen Geschäftsstellenleiter aus dem Ahrtal und einen Großschaden-Spezialisten begleitet. Der Film ist abrufbar unter: https://www.provinzial-konzern.de/newsroom/topthemen/Aktuelles_Top-Thema_Bernd.html













