Frasers steht bei Hugo Boss kurz vor der Mehrheit – kommt jetzt der Machtkampf?

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Fraser Group greift nach Hugo Boss
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Frasers strebt bei Hugo Boss die Mehrheit an. Was weitere Aktienkäufe und der wachsende Einfluss für Anleger bedeuten.

Frasers will seine Beteiligung an Hugo Boss von 47,89 auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Für die Aktie könnte das zunächst zusätzlichen Kaufdruck bedeuten. Auf eine neue Offerte mit deutlichem Aufschlag sollten Anleger jedoch nicht setzen. Entscheidend wird, was Frasers mit der Mehrheit vorhat.

Im Übernahmepoker um Hugo Boss beginnt die nächste Runde. Die britische Frasers Group hat angekündigt, ihren Anteil am Metzinger Modekonzern weiter erhöhen zu wollen. Ziel ist eine Beteiligung von mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals und der Stimmrechte. Derzeit hält Frasers 33,05 Millionen Hugo-Boss-Aktien und damit 47,89 Prozent.

Damit fehlen dem Konzern hinter dem britischen Unternehmer Mike Ashley nur gut zwei Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit. An der Börse sorgte die Nachricht für Bewegung. Die Hugo-Boss-Aktie stieg am Dienstagmorgen auf Tradegate zeitweise über 39 Euro und damit auf den höchsten Stand seit Juni. Das inzwischen ausgelaufene Übernahmeangebot von Frasers hatte bei 38 Euro je Aktie gelegen. Das bisherige Jahreshoch beträgt 40,52 Euro.

Frasers hatte am 10. Juni überraschend ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot angekündigt. Die gebotenen 38 Euro entsprachen damals einem Aufschlag von rund vier Prozent auf den vorherigen Schlusskurs von 36,46 Euro. Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss lehnten die Offerte einstimmig ab. Der Preis spiegele weder den eigenständigen Wert noch das künftige Wertschöpfungspotenzial angemessen wider.

Frasers fehlen nur noch gut zwei Prozentpunkte

Trotz der Ablehnung brachte das Angebot Frasers seinem Ziel deutlich näher. Bis zum Ende der zusätzlichen Annahmefrist am 13. August wurden weitere rund 12,16 Millionen Aktien beziehungsweise 17,62 Prozent des Kapitals angedient. Dadurch stieg der direkte Anteil auf 47,89 Prozent.

Wer nun auf eine zweite Offerte mit kräftigem Preisaufschlag spekuliert, könnte allerdings enttäuscht werden. Frasers hat lediglich angekündigt, weitere Aktien erwerben zu wollen. Wann, in welchem Umfang und zu welchem Preis dies geschieht, bleibt offen. Auch das Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle garantiert der Konzern nicht.

Die Ausgangslage unterscheidet sich damit vom Juni. Das öffentliche Angebot ermöglichte Frasers, seine Beteiligung über die übernahmerechtlich wichtige Schwelle von 30 Prozent hinaus auszubauen. Schon während des Verfahrens hatte der Konzern klargestellt, den Angebotspreis von 38 Euro nicht erhöhen zu wollen.

Höheres Angebot erscheint wenig wahrscheinlich

Da nur noch vergleichsweise wenige Aktien zur absoluten Mehrheit fehlen, dürfte es für Frasers wirtschaftlich attraktiver sein, zusätzliche Papiere über den Markt oder andere Transaktionen zu erwerben. Ein neues Angebot mit höherem Preis an sämtliche verbliebenen Aktionäre wäre dagegen deutlich kostspieliger.

Hinzu kommen weitere Finanzinstrumente mit Bezug auf Hugo Boss. Nach jüngsten Angaben sind Frasers zusätzlich 29,72 Prozent über Instrumente wie Optionen zuzurechnen, deren Laufzeiten teilweise bis Ende 2029 reichen.

Die jüngste Mitteilung enthält zudem politischen Sprengstoff für die Führung des Modekonzerns. Frasers überprüft seine Unterstützung für Aufsichtsratschef Stephan Sturm. Sollte der Großaktionär Sturm künftig nicht mehr unterstützen, will er dies öffentlich bekannt geben.

Mehrheit könnte Einfluss auf Hugo Boss deutlich erhöhen

Mit mehr als 50 Prozent der Stimmrechte könnte Frasers seinen Einfluss auf die Kontrollgremien und damit mittelbar auf die strategische Ausrichtung von Hugo Boss erheblich ausweiten. Neben Frasers halten die von der italienischen Unternehmerfamilie Marzotto kontrollierten Gesellschaften PFC und Zignago zusammen rund 14 Prozent. Etwa 38 Prozent befinden sich im Streubesitz.

Für bereits investierte Anleger besteht zunächst kein unmittelbarer Handlungszwang. Weitere Käufe durch Frasers könnten den Kurs stützen. Wer allerdings ausschließlich auf ein neues Übernahmeangebot deutlich oberhalb von 38 Euro setzt, sollte seine Erwartungen dämpfen. Die Aktie notiert bereits über dem ausgelaufenen Angebotspreis, eine höhere Offerte ist nicht angekündigt.

Für Anleger, die unabhängig von der Übernahmespekulation an eine operative Erholung von Hugo Boss glauben, rückt dagegen die Strategie „CLAIM 5 TOUCHDOWN“ in den Vordergrund. Wer während des Übernahmepokers eingestiegen ist und bereits Gewinne erzielt hat, kann angesichts der unsicheren zusätzlichen Übernahmeprämie auch Teilgewinne absichern. Erreicht Frasers die Mehrheit, könnte der durch weitere Aktienkäufe erzeugte Kurstreiber zunächst an Bedeutung verlieren.


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