Zalando steigert Umsatz und Handelsvolumen im zweiten Quartal um mehr als 20 Prozent – und wird an der Börse dennoch abgestraft. Die Aktie des Online-Modehändlers brach am Dienstag zeitweise um rund 18 Prozent ein. Anleger stören sich vor allem am schwachen Wachstum aus eigener Kraft, sinkenden Margen im Kerngeschäft und einem vorsichtigeren Jahresausblick.
Auf den ersten Blick können sich die Zahlen sehen lassen: Das Bruttowarenvolumen, kurz GMV, erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 20,7 Prozent auf 4,92 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz legte um 20,8 Prozent auf 3,42 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 10,4 Prozent auf 204,8 Millionen Euro.
Für die Börse reichte das jedoch nicht. Die Zalando-Aktie verlor zeitweise rund 18 Prozent und steuerte damit zwischenzeitlich auf den größten Tagesverlust ihrer Börsengeschichte zu. Zuvor hatte das Papier seit der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal allerdings rund 40 Prozent zugelegt. Entsprechend hoch waren die Erwartungen – und entsprechend groß fiel die Enttäuschung aus.
Erwartungen verfehlt
Sowohl Umsatz als auch Ergebnis blieben hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen zurück. Erwartet worden waren rund 3,50 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes operatives Ergebnis von etwa 215 Millionen Euro.
J.P. Morgan sprach von einem schwächeren Zwischenbericht als erwartet. Analysten der Deutschen Bank verwiesen insbesondere auf die verhaltene Entwicklung im Geschäft mit Privatkunden und die Sorgen vor einem schwächeren Konsumumfeld.
Zalando-Finanzchefin Anna Dimitrova bestätigte die Kaufzurückhaltung. Die Kunden seien weiterhin vorsichtig und preisbewusst, erklärte sie in einer Telefonkonferenz.
About You lässt das Wachstum größer erscheinen
Der wichtigste Grund für die negative Börsenreaktion liegt jedoch in der Übernahme von About You. Die Zahlen des Hamburger Modehändlers fließen inzwischen in die Zalando-Bilanz ein und sorgen dadurch für hohe ausgewiesene Wachstumsraten.
Werden die Vorjahreswerte so berechnet, als hätte About You bereits damals zum Konzern gehört, fällt das Bild deutlich schwächer aus. Auf dieser vergleichbaren Pro-forma-Basis stieg das Bruttowarenvolumen lediglich um 4,4 Prozent. Beim Umsatz blieb sogar nur ein Wachstum von 1,1 Prozent übrig.
Damit wird deutlich: Ein erheblicher Teil des gemeldeten Wachstums stammt nicht aus einer stärkeren Nachfrage, sondern aus der Konsolidierung des übernommenen Wettbewerbers.
| Kennzahl im zweiten Quartal 2026 | Ergebnis | Veränderung |
|---|---|---|
| Bruttowarenvolumen | 4,92 Mrd. Euro | +20,7 % |
| Umsatz | 3,42 Mrd. Euro | +20,8 % |
| Bereinigtes EBIT | 204,8 Mio. Euro | +10,4 % |
| Bereinigte EBIT-Marge | 6,0 % | Vorjahr: 6,5 % |
| Aktive Kunden | 62,5 Mio. | +18,3 % |
| Umsatzwachstum pro forma | – | +1,1 % |
| GMV-Wachstum pro forma | – | +4,4 % |
Margendruck im Kerngeschäft
Auch die Profitabilität des Privatkundengeschäfts bereitete den Anlegern Sorgen. In der B2C-Sparte ging das bereinigte EBIT um 5,5 Prozent auf 164,1 Millionen Euro zurück. Die entsprechende Marge sank von 6,7 auf 5,3 Prozent.
Auf Konzernebene verringerte sich die bereinigte EBIT-Marge von 6,5 auf 6,0 Prozent. Neben dem zurückhaltenden Konsum belasteten insbesondere die Kosten für die Integration von About You das Ergebnis.
Positiv entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Firmenkunden. Der B2B-Umsatz stieg um 27,6 Prozent auf 334,7 Millionen Euro. Das bereinigte Segmentergebnis sprang von 11,4 auf 40,7 Millionen Euro. Wachstumstreiber waren unter anderem die Logistikplattform ZEOS sowie die von About You eingebrachte E-Commerce-Software SCAYLE.
Zalando dämpft die Erwartungen
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte die konkretisierte Jahresprognose. Zalando erwartet beim Bruttowarenvolumen und beim Umsatz nun Ergebnisse in der unteren Hälfte der bisherigen Wachstumsspanne von zwölf bis 17 Prozent.
Die Prognose für das bereinigte EBIT wurde auf 680 bis 720 Millionen Euro eingeengt. Zuvor hatte Zalando eine Spanne von 660 bis 740 Millionen Euro genannt. Rechnerisch liegt der neue Mittelpunkt zwar auf dem Niveau der alten Prognose. Dennoch wertet der Markt die stärkere Eingrenzung zusammen mit den schwachen Quartalsdaten als Signal, dass im laufenden Jahr kaum noch Spielraum für positive Überraschungen besteht.
Das Unternehmen betont dagegen, die Anpassung spiegele lediglich die Entwicklung des ersten Halbjahres wider. Die Erwartungen für die verbleibenden Monate hätten sich nicht verändert.
KI und Firmenkundengeschäft als Hoffnungsträger
Zalando setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz, um Produktbilder und Beschreibungen zu erstellen, Kunden beim Einkauf zu unterstützen und Abläufe in den Logistikzentren zu automatisieren. Nach Angaben von Co-Chef Robert Gentz macht sich der Einsatz der Technologie bereits positiv bemerkbar.
Anleger dürften nun genau beobachten, ob diese Effizienzgewinne den Margendruck im Kerngeschäft ausgleichen können. Zudem muss Zalando zeigen, dass aus der Übernahme von About You nicht nur zusätzliches Volumen, sondern auch dauerhaft höheres organisches Wachstum und die angekündigten Synergien entstehen.
Der Kurssturz ist deshalb weniger eine Reaktion auf schlechte absolute Zahlen als auf die Qualität des Wachstums. Nach der vorausgegangenen Kursrally hatten Anleger auf eine stärkere operative Dynamik gesetzt. Diese Erwartungen konnte Zalando im zweiten Quartal nicht erfüllen.













