Drei Wachstumsquartale in Folge zeigen eine Stabilisierung, das Plus von 0,2 Prozent im zweiten Quartal aber auch, wie schwach die Dynamik weiterhin ist. Hoffnung macht vor allem die Industrie, die trotz der anhaltenden Debatte über eine mögliche Deindustrialisierung zuletzt Erholungssignale sendete. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stiegen im Juni um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Exporte legten dagegen um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, die Industrieproduktion nur um 0,2 Prozent. Die bessere Auftragslage hat sich damit bislang nur begrenzt in der Produktion niedergeschlagen.
Der private Konsum bleibt schwach. Die Einzelhandelsumsätze fielen im Juni um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gleichzeitig stiegen die Nominallöhne im ersten Quartal um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Entscheidend wird sein, ob die höheren Einkommen zukünftig zu steigenden Konsumausgaben führen. Auch der Arbeitsmarkt bleibt ein Schwachpunkt. Die Arbeitslosenquote stieg im Juli auf 6,4 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften verhalten. Die jüngsten Konjunkturdaten vermitteln eine Momentaufnahme der aktuellen Lage, sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da viele Indikatoren auf Monatsdaten basieren und entsprechend stark schwanken können.
Strukturelle Probleme
Neben geopolitischen Risiken bremsen strukturelle Probleme die deutsche Wirtschaft. Hohe Bürokratie und Regulierung erschweren Investitionen, während hohe Energiekosten vor allem energieintensive Branchen belasten. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Fachkräftemangel, da zunehmend Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Hinzu kommt ein langjähriger Investitionsstau bei der Infrastruktur. Diese Faktoren können Investitionen verzögern oder an attraktivere Standorte im Ausland verlagern. Eine konjunkturelle Erholung allein löst diese Probleme nicht. Ohne strukturelle Verbesserungen dürfte deshalb auch das langfristige Wachstumspotenzial begrenzt bleiben.
ZEW und Einkaufsmanagerindizes
Am Dienstag stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen an. Der Index lag im Juli bei 26,3 Punkten und misst die Erwartungen von Finanzmarktexperten für die kommenden sechs Monate. Ein weiterer Anstieg würde den wachsenden Konjunkturoptimismus bestätigen. Entscheidend wird sein, ob sich der wachsende Optimismus zunehmend auch in einer besseren Einschätzung der aktuellen Lage widerspiegelt. Am Freitag folgen die Einkaufsmanagerindizes. Der Manufacturing PMI lag im Juli mit 52,2 Punkten über der Wachstumsschwelle von 50, während der Services PMI mit 49,8 Punkten knapp darunter blieb. Entscheidend wird sein, ob im August auch der Dienstleistungsindex über 50 zurückkehrt und die Erholung damit breiter wird.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger sind Frühindikatoren besonders relevant, weil Aktien häufig vor der Realwirtschaft auf eine Konjunkturwende reagieren. Steigende ZEW-Erwartungen und beide PMIs über 50 wären daher ein positives Signal und könnten vor allem zyklische deutsche Aktien stützen. Enttäuschende Daten würden dagegen Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung wecken. Entscheidend bleibt die Breite. Für einen nachhaltigen Aufschwung müssten neben der Industrie auch Dienstleistungen, Konsum und Arbeitsmarkt nachziehen.
Autor Maimilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.














