RWE will in diesem Jahr mehr investieren als bislang geplant. Unter Berücksichtigung der Amprion-Transaktion rechnet der Dax-Konzern nun mit Nettoinvestitionen von neun bis elf Milliarden Euro. Zuvor waren sechs bis acht Milliarden Euro vorgesehen. RWE hatte im Juni angekündigt, sich die Mehrheit am Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber zu sichern.
Auch die längerfristigen Investitionspläne steigen: Bis 2031 will RWE insgesamt 42 Milliarden Euro netto investieren. Bislang waren 35 Milliarden Euro vorgesehen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die RWE-Aktie legte gegen Mittag rund zwei Prozent zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus mehr als 25 Prozent.
Zusätzlich stellte der Konzern mögliche kurzfristige Geschäftsabschlüsse mit Standorten für Rechenzentren in Aussicht. Bei zwei Grundstücken rücke eine Einigung näher. Insgesamt entwickelt RWE nach eigenen Angaben rund zehn entsprechende Standorte. Bereits im vergangenen November hatte der Konzern ein Rechenzentrumsprojekt an einem ehemaligen Kohlekraftwerk in Großbritannien verkauft.
Rechenzentren und Gaskraftwerke im Fokus
Ehemalige Kraftwerksstandorte sind für Rechenzentren vor allem wegen ihrer leistungsfähigen Stromnetzanschlüsse interessant. Hinzu kommen große Industrieflächen sowie teilweise vorhandene Kühlsysteme und Verkehrsanbindungen. RWE-Chef Markus Krebber berichtet von einer starken Nachfrage. Zu möglichen kurzfristigen Abschlüssen nennt er mit Verweis auf den Wettbewerb keine Details, zeigt sich aber sehr optimistisch.
Weitere Investitionsmöglichkeiten sieht RWE bei neuen Gaskraftwerken in Deutschland mit einer Leistung von mehr als drei Gigawatt. Hinzu kommen mehr als 6,5 Gigawatt bestehender Gaskraftwerke, die für Auktionen im geplanten Kapazitätsmarkt infrage kommen. In den Niederlanden sieht RWE Potenzial bei gut 3,5 Gigawatt. Bei der nächsten britischen Ausschreibung für Offshore-Windenergie geht es für den Konzern um mindestens 2,5 Gigawatt.
Die bereits Ende Juli veröffentlichten vorläufigen Halbjahreszahlen bestätigte RWE. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf gut drei Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis erhöhte sich um fast 60 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Bereits rund zwei Wochen zuvor hatte RWE die Ergebnisziele für 2026 und 2027 angehoben.
Analysten sehen zusätzliches Potenzial
Goldman-Sachs-Analyst Alberto Gandolfi sieht im endgültigen Halbjahresbericht zwar keine neuen Zahlen, aber weitere Wachstumsmöglichkeiten. „Er sät aber die Saat für eine weitere Wachstumsbeschleunigung“, so der Experte. Als möglichen Impuls nennt er unter anderem die geplante Beteiligung von RWE an Ausschreibungen für neue deutsche Gaskraftwerke.
Auch Jefferies-Analyst Ahmed Farman sieht Aufwärtspotenzial bei Gaskraftwerken und möglichen Verkäufen von Rechenzentrumsstandorten. Zudem basieren die Jahresziele von RWE noch auf den Rohstoffpreisen vom 30. Juni. Das aktuelle Marktumfeld könnte daher zusätzlichen Spielraum bieten. Finanzchef Michael Müller bestätigt diese Möglichkeit in der Analystenkonferenz.
Für 2026 erwartet RWE derzeit einen bereinigten operativen Gewinn von 5,75 bis 6,35 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 1,95 und 2,45 Milliarden Euro liegen. Für 2027 rechnet der Konzern mit einem operativen Gewinn von 6,7 bis 7,3 Milliarden Euro und einem bereinigten Nettoergebnis von 2,2 bis 2,7 Milliarden Euro.















