Ich selbst fühle mich gerade mitten im Urknall der deutschen Altersvorsorge: Wie aus dem Nichts das Standarddepot zu uns kam! Hammer! Was wird aus dem Nichts in Sachen bAV über uns kommen? Sozialpartnermodell als staatliches Obltigatorium? Oder zwingt Merz die widerspenstigen Geschäftsführer von KMU endlich dazu, mir zuzuhören? Hop oder top?
Die Digitals drehen durch, die anderen am Rad. Und die Kunden? „Ehrlicherweise nein, das ist total an mir vorbei gegangen“, antwortet mir heute die 35jährge HR-Verantwortliche eines meiner Lieblingskunden. „Nein, da spricht hier auch keiner drüber.“ Wann immer ich seit der Geburt des AVD mit Mitarbeitern gesprochen habe, war ich es, die das Wort AVD als Erste in den Mund genommen hat.
Kunden warten auf Beratung – ohne es zu wissen
Auch wenn die Digitals (uns) glauben (machen wollen), unsere Kunden warteten mit gierigen Mäulern nur darauf, an ihrem Tisch das Altersvorsorgedepot zu schnappen, aktuelle Umfragen zeigen: Das Altersvorsorgedepot ist noch keineswegs Allgemeinwissen. Je nach Erhebung haben erst rund 36 bis 58 Prozent davon gehört – die belastbarsten jüngeren Werte liegen eher bei vier von zehn.
„Es gibt keinen Handlungsbedarf“ – lässt der Adler seit Mai per Brieftaube seinen Riesterkunden ausrichten. Und ich? Diskutiere beim German Equal Pension Symposium am 13. Oktober in Berlin mit Euch. Warum? 51 Prozent der 18-29jährigen führen ein ETF-Depot bei einem Neobroker und 70 Prozent sehen das als ihre Altersvorsorge an. Ob das langfristig trägt – insbesondere bei starken Börsenschwankungen oder im Hinblick auf fehlende Absicherungskomponenten?
Deutlich anders stellt sich die Situation bei der Altersgruppe der 35- bis Mitte-40-Jährigen dar. Die in der Rushhour des Lebens Kinder, Müllbeutel und Karriere jonglieren? Altersvorsorge tritt hier oft in den Hintergrund – obwohl in dieser Lebensphase häufig entscheidende Weichen gestellt werden. Für Berater liegt hier ein Segment, das von digitalen Anbietern bislang kaum systematisch erschlossen wird. Wir müssen darüber sprechen. Welche Beratungsansätze in diesen Lebensphasen funktionieren und welche Lösungen dabei tragfähig sind.
Autorin Cordula Vis-Paulus ist Maklerin mit dem Schwerpunkten bAV und Altersvorsorge und Organisatorin des German Equal Pension Symposiums.













