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Globale Anleihen: Warum Diversifizierung wieder mehr Renditechancen eröffnet

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Andrew Balls (links) und Pramol Dhawan
Foto: Pimco
Andrew Balls (links) und Pramol Dhawan, beide Pimco

Hohe Ausgangsrenditen und die zunehmende Fragmentierung der globalen Handelsbeziehungen verändern das Umfeld für Anleiheinvestoren. Wer Portfolios aktiv über Regionen, Sektoren und Währungen hinweg diversifiziert, ist in diesem Umfeld bestens aufgestellt, um langfristig attraktive und nachhaltige Renditen zu erzielen.

Die Erholung der globalen Anleiherenditen zu Beginn der 2020er Jahre hat die Grundlage für Erträge geschaffen, die Anleiheinvestoren allein durch ein breit diversifiziertes Engagement am Markt erzielen können. Die Ausgangsrenditen – die historisch betrachtet eng mit den Renditeerwartungen für die kommenden fünf Jahre korrelieren – liegen inzwischen wieder auf einem Niveau, das über weite Teile des vergangenen Jahrzehnts nicht erreicht wurde. Damit rücken bei Anleihen wieder verstärkt die attraktiven Renditechancen in den Vordergrund und ergänzen ihre Funktion als defensiver Portfoliobaustein.

Doch die Rendite ist nur der Ausgangspunkt. Entscheidend ist heute die Frage, wie das Anleiheexposure ausgestaltet sein sollte. Zunehmend spricht vieles für eine globale Anleiheallokation, die sowohl Industrie- als auch Schwellenländer einbezieht.


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Da die geopolitische Fragmentierung den globalen Handel, politische Rahmenbedingungen und Kapitalflüsse tiefgreifend verändert, nimmt die Divergenz zwischen Ländern und Märkten zu. Infolgedessen driften Wachstum, Inflation und Zinssätze regional immer stärker auseinander. Diese makroökonomische Streuung erweitert das Anlageuniversum für aktive Investoren, die durch länder-, währungs- und kreditmarktspezifische Positionierungen eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt erzielen können.

Das Ergebnis ist eine seltene Kombination aus einer soliden globalen Basis attraktiver Ausgangsrenditen, die das Ertragspotenzial des Gesamtmarktes (Beta) stützt, und günstigen Rahmenbedingungen für zusätzlichen Mehrertrag durch aktive Anlageentscheidungen (Alpha).

Warum „Global Beta“ ein attraktives Beta ist

Eine Allokation von Anleihen, die sich ausschließlich auf traditionelle Segmente der Industrieländer konzentriert – etwa Investment-Grade-Anleihen, Hochzinsanleihen oder verbriefte Vermögenswerte –, kann das Renditepotenzial begrenzen, da sie das verfügbare Anlagespektrum einschränkt.

Eine wirklich globale Anlagestrategie geht darüber hinaus. Durch Investitionen in Industrie- und Schwellenländer können die attraktiveren Ausgangsrenditen verschiedener Märkte gezielt genutzt werden. Die Einbeziehung von Staatsanleihen und lokalen Zinsmärkten aus beiden Marktregionen erweitert das Anlageuniversum, erhöht das Renditepotenzial und kann zugleich die Widerstandsfähigkeit des Portfolios in unterschiedlichen makroökonomischen Marktphasen sowie dessen Risiko-Rendite-Profil verbessern.

Der Grund dafür liegt in der breiten Diversifizierung. Anleihen aus den Industrie- und Schwellenländern werden in der Regel von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst – etwa von abweichenden Zinszyklen, fiskalpolitischen Entwicklungen oder Währungsdynamiken. Allein das breitere Anlageuniversum eröffnet zusätzliche Renditechancen, da es den Zugang zu Risikoprämien ermöglicht, die einer enger gefassten Allokation strukturell verschlossen bleiben, und zugleich zur Diversifizierung und Risikominderung beiträgt.

Gerade im aktuellen Umfeld verdienen Schwellenländeranleihen wieder mehr Aufmerksamkeit. Ihre Bilanzen waren bislang vergleichsweise konservativ und sie erscheinen fiskalisch solide aufgestellt. Die Inflation in den Schwellenländern liegt – selbst ohne Berücksichtigung Chinas – inzwischen erstmals in der Geschichte unter der Inflationsrate der USA. Gleichzeitig liegen die realen (inflationsbereinigten) Renditen im Vergleich zu den Industrieländern weiterhin auf einem hohen Niveau.

Portfolios ohne Engagement in lokalen Schwellenländeranleihen verzichten damit auf einen erheblichen Teil des globalen Anleiheuniversums – und das zu einem Zeitpunkt, an dem deren Diversifikationsvorteile besonders attraktiv erscheinen.

Ein makroökonomischer Blick: KI, Energie und strukturelle Diversifizierung

Das Argument für die globale Allokation von Anleihen beruht im Kern auf Diversifizierung. Was sich derzeit verändert, ist die zunehmende strukturelle Streuung zwischen Ländern und Märkten vor dem Hintergrund anhaltender Unterschiede bei Wachstum, Inflation und Kapitalströmen.

Die Weltwirtschaft wird aktuell entlang zweier zentraler struktureller Kräfte neu geordnet: Gegenwind durch die Neuausrichtung der Energiemärkte und Rückenwind durch KI-getriebene Investitionen. Entscheidend ist, dass diese Kräfte asymmetrisch wirken und sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern Gewinner und Verlierer hervorbringen.

In den Industrieländern profitieren die USA von ihrer starken Position im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) sowie ihrer relativen Energieunabhängigkeit. Europa, das Vereinigte Königreich und Japan sind hingegen mit der umgekehrten Kombination konfrontiert. In den Schwellenländern ist die Heterogenität ebenfalls ausgeprägt: Südkorea und Taiwan zählen trotz ihrer Energieabhängigkeit zu den Gewinnern der KI-Entwicklung. Brasilien und die Golfstaaten profitieren von ihrem Rohstoffexposure, während andere Länder in beiden Bereichen mit Problemen zu kämpfen haben.   

In diesem Umfeld kann eine globale Allokation eine Outperformance erzielen. Wenn alle Märkte von denselben Faktoren gleichermaßen betroffen sind, gibt es weniger Möglichkeiten zur Differenzierung. Sind diese Einflussfaktoren jedoch asymmetrisch verteilt – wie derzeit –, kann die Breite des Anlageuniversums zu einem wesentlichen Renditetreiber werden.

Alpha statt Beta: Die Relevanz aktiver Mandate in einem divergenten Marktumfeld

Eben jene makroökonomischen Treiber vergrößern die Performancedivergenz zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien. Uneinheitliche geldpolitische Ansätze, länderspezifische fiskalische Entwicklungen sowie strukturelle Risiken im Zuge der KI- und Energietransformation führen zu einer deutlich höheren Streuung an den Zins-, Anleihe- und Devisenmärkten. Aus den so entstehenden Ineffizienzen resultiert ein beträchtlicher Mehrwert für aktive Manager: Sie können sich über Zinszyklen hinweg positionieren und globale Relative-Value-Vorteile entlang von Zinsstrukturkurven und Währungen systematisch erschließen.

Angesichts fortschreitender Fragmentierung und Unsicherheit stoßen passive Indexanlagen bei der Bewältigung regionaler Divergenzen an ihre Grenzen. Aktive Strategien hingegen erlauben eine flexible Steuerung über Länder, Sektoren und Anlageinstrumente hinweg. Dabei geht es weniger um taktische, kurzfristige Positionierungen als vielmehr um strategische, langfristige Chancen. In einem von strukturellen Unterschieden definierten Umfeld schafft die Kombination aus Komplexitätsprämie, diszipliniertem Handeln bei sich verändernden Credit Spreads und dem Vorhalten strategischer Liquidität die Basis für eine dauerhafte Outperformance.

Die Autoren: Andrew Balls, Global CIO Fixed Income, und Pramol Dhawan, Head of Emerging Markets Portfolio Manager, beide PIMCO


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