Herr Behr, Sie haben als Physiker früh das Potenzial von Edelmetallen erkannt – was hat Sie damals überzeugt, daraus ein Geschäftsmodell zu machen?
Herbert Behr: Ich habe früh erkannt, dass Edelmetalle nicht nur aus physikalischer Sicht spannend sind, sondern auch wirtschaftlich großes Potenzial bieten. Besonders überzeugt hat mich die Möglichkeit, ein greifbares und haptisches Produkt zu vertreiben, das jeder kennt und versteht. Edelmetalle sind weltweit anerkannt, wertbeständig und im Grunde für viele Menschen zugänglich. Genau diese Kombination aus physischem Wert und emotionaler Wahrnehmung hat mich dazu bewegt, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln.
Der Goldpreis hat in den letzten Jahren neue Rekorde erreicht. Sie rechnen bis Ende 2026 mit 4.500 bis 6000 Dollar je Feinunze – worauf stützt sich diese Prognose?
Herbert Behr: An den grundlegenden Rahmenbedingungen für Gold hat sich nichts geändert: Steigende Staatsverschuldungen, anhaltende geopolitische Krisen, der Wertverlust vieler Währungen sowie das zunehmende Bedürfnis nach Sicherheit werden den Goldpreis auch künftig nachhaltig stützen.
Viele Anleger steigen erst ein, wenn die Preise bereits hoch sind. Lohnt sich ein Goldinvestment auf dem aktuellen Niveau überhaupt noch?
Herbert Behr: Gold zu kaufen lohnt sich immer. Als älteste Währung der Welt hat Gold alle Krisen überdauert und gilt als bester Inflationsschutz. In den vergangenen 25 Jahren erzielte es eine herausragende Wertentwicklung, und ein Höchstpreis ist noch lange nicht erreicht. Mein Motto lautet: „Der Besitz von Gold ist entscheidend, nicht der aktuelle Preis.“ Nur wer Gold besitzt, kann die vielfältigen Vorteile dieses wertbeständigen Edelmetalls voll ausschöpfen.
Sie empfehlen, 20 bis 30 Prozent der Rücklagen in Edelmetalle zu investieren. Wie kommen Sie auf diese Quote – und für wen gilt sie nicht?
Herbert Behr: Vor einigen Jahren wurde noch eine Goldquote von 5 bis 10 Prozent des Vermögens empfohlen. Damals herrschten jedoch stabile Zeiten mit verlässlichen Währungen, einer robusten Wirtschaft und einer gefestigten Gesellschaft. Die Rahmenbedingungen haben sich inzwischen grundlegend verändert: Wir erleben zunehmend instabile Zeiten, volatile Währungen sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheiten. In einem solchen Umfeld ist es ratsam, verstärkt auf Sicherheit und Werterhalt zu setzen. Heute empfehlen Experten – und auch ich – grundsätzlich, etwa 20 bis 30 % des Vermögens in Edelmetalle zu investieren. Diese Empfehlung gilt unabhängig vom Anlegertyp.
Welche Rolle spielen Silber, Platin und Palladium in Ihrem Portfolio im Vergleich zum „Klassiker“ Gold?
Herbert Behr: Silber spielt bei uns eine bedeutende Rolle. Als monetäres Edelmetall, ähnlich wie Gold, gewinnt Silber insbesondere durch den stetig steigenden industriellen Verbrauch an Bedeutung. Dieser wachsende Bedarf wird zukünftig maßgeblich den Preis beeinflussen, da die Nachfrage das Angebot bereits jetzt übersteigt. Auch die Nachfrage nach Platin nimmt bei uns kontinuierlich zu, da Platin in zahlreichen neuen Technologien, vor allem im Kontext der Energiewende, immer wichtiger wird. Insbesondere in der Wasserstofftechnologie wird Platin eine zentrale Rolle einnehmen. Palladium hingegen steht derzeit weniger im Fokus, da es abgesehen von seiner Anwendung in Autokatalysatoren kaum bedeutende Einsatzgebiete gibt.
Warum gewinnen Technologiemetalle für Wirtschaft und Anleger zunehmend an Bedeutung – und nach welchen Kriterien wählen Sie die Metalle für Ihr Portfolio aus?
Herbert Behr: Diese Metalle spielen eine zentrale Rolle in modernen Technologien – insbesondere im Bereich Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung. Ohne sie wären viele Anwendungen des täglichen Lebens, wie Smartphones, schnelles Internet oder energieeffiziente LED-Beleuchtung, nicht möglich. Gleichzeitig sind sie in einer Vielzahl weiterer industrieller Anwendungen unverzichtbar.
Allerdings kommt es bei einigen dieser Rohstoffe immer wieder zu Engpässen und Lieferproblemen, wodurch nicht alle Metalle dauerhaft und in ausreichender Menge verfügbar sind. Vor diesem Hintergrund haben wir unser Portfolio entsprechend angepasst und gezielt Metalle aufgenommen, bei denen eine verlässliche und langfristige Verfügbarkeit besser gegeben ist – darunter insbesondere Tellur und Antimon.
Seltene Erden gelten als strategische Rohstoffe im Konflikt zwischen China und dem Westen. Wie wirken sich Exportbeschränkungen und geopolitische Spannungen auf Ihr Geschäft aus?
Herbert Behr: Diese geopolitischen Spannungen beeinflussen unser Geschäftsmodell maßgeblich. Einschränkungen im internationalen Rohstoffhandel sowie veränderte Exportbedingungen können dazu führen, dass bestimmte Metalle zeitweise nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind. In solchen Fällen passen wir unser Angebot flexibel und bedarfsgerecht an.
Die Dauer solcher Beschränkungen ist häufig schwer vorhersehbar. Insgesamt verdeutlicht sich jedoch, wie stark die Verfügbarkeit strategischer Rohstoffe von politischen Entwicklungen und globalen Rahmenbedingungen abhängt.
Anders als Gold haben Technologiemetalle keinen börsentäglichen Referenzpreis. Wie entsteht bei Ihnen die Preisbildung – und wie können Anleger die Fairness nachvollziehen?
Herbert Behr: Unsere Preise sind Großhandelspreise, die sich aus Angebot und Nachfrage in der Industrie ergeben. Wir erhalten regelmäßig die Ankaufs- und Verkaufspreise des Großhändlers für jedes Metall, welche transparent auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Ein weiterer Vorteil des Verzichts auf Börsenpreise besteht darin, dass diese Märkte nicht durch Wertpapiergeschäfte manipuliert werden können, wie es beispielsweise bei Gold und Silber der Fall ist.
Wie funktioniert der Wiederverkauf konkret: Wie schnell und zu welchen Konditionen kommen Anleger wieder aus einem Investment in Seltene Erden heraus?
Herbert Behr: Wir kaufen die Ware des Kunden grundsätzlich selbst an und bieten einen transparenten Rücknahmepreis, der jederzeit über die Golden Gates Web App eingesehen und nachverfolgt werden kann. Die Auszahlung des Ankaufspreises erfolgt innerhalb von 3 bis 5 Bankarbeitstagen.
Ihr „Green Economy“-Sparplan setzt auf Neodym, Praseodym und Platingruppenmetalle, wie Iridium, Ruthenium und Rhodium. Welche Rolle spielt die Energiewende – E-Mobilität, Windkraft – für Ihre Produktauswahl?
Herbert Behr: Die Energiewende ist der Haupttreiber für unsere Produktauswahl, da die genannten Metalle die technologischen Bausteine für diesen globalen Strukturwandel sind.
Neodym und Praseodym sind essenziell für die Hochleistungs-Dauermagnete, die in den Elektromotoren von E-Fahrzeugen und den Generatoren moderner Windkraftanlagen verbaut werden. Ohne sie ist die Effizienz dieser Antriebe kaum denkbar.
Iridium, Ruthenium und Rhodium wiederum sind unverzichtbare Katalysatoren für die Wasserstoffwirtschaft (insbesondere bei der Elektrolyse) sowie für die Abgasreinigung und industrielle Prozesse.
Unsere Auswahl basiert also nicht nur auf Trends, sondern auch auf der fundamentalen physischen Unverzichtbarkeit dieser Rohstoffe für die Schlüsseltechnologien von morgen.
Herr Behr junior, Sie vertreten die nächste Generation im Unternehmen. Wo setzen Sie andere Akzente als Ihr Vater?
Constantin Behr: Es geht mir nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern das solide Fundament, das mein Vater aufgebaut hat, zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Mein Vater hat das Unternehmen mit starkem Unternehmergeist und Fokus auf Vertrieb großgemacht.
Ich lege meinen Schwerpunkt verstärkt auf die Weiterentwicklung und Optimierung unserer Prozesse. Durch die Digitalisierung und die Einführung moderner, flexibler Arbeitsstrukturen erhöhen wir unsere Agilität, um auch in einem dynamischen Marktumfeld schnell und effizient reagieren zu können. Als Unternehmen möchten wir die technologischen Chancen unserer Zeit gezielt dort nutzen, wo sie für uns einen nachhaltigen Mehrwert schaffen.
Ihre Sparpläne starten bei 25 Euro monatlich. Wie wichtig ist Ihnen die Demokratisierung von Sachwert-Investments – und rechnet sich das für Sie?
Constantin Behr: Die Demokratisierung von Sachwerten ist für uns kein Marketing-Slogan, sondern ein echtes Anliegen. Historisch waren Sachwerte wie Technologiemetalle nur Großanlegern vorbehalten. Wir finden: Jeder sollte die Chance haben, sein Vermögen inflationsgeschützt aufzubauen – und das fängt eben bei 25 Euro an.
Und ja, natürlich rechnet sich das auch für uns. Die Digitalisierung unserer Prozesse erlaubt es uns heute, Kleinstbeträge extrem effizient und kostengünstig zu verwalten. Am Ende macht es für uns die Masse: Wenn wir Tausenden Menschen den Einstieg ermöglichen, ist das eine klassische Win-Win-Situation für beide Seiten.
Golden Gates ist in sieben Ländern aktiv, von Deutschland bis Litauen. Wie unterscheiden sich die Anlegerbedürfnisse in diesen Märkten, und wohin geht die Expansion?
Constantin Behr: Die Kernmotivation ist überall ähnlich: Menschen wollen ihr Vermögen vor Inflation und Krisen schützen. Aber wie sie das tun, unterscheidet sich stark. In Deutschland oder Österreich sehen wir ein extrem tiefes, traditionelles Vertrauen in physisches Gold – da steht die klassische Absicherung im Vordergrund. In Ländern wie Litauen oder anderen baltischen Märkten ist die Bevölkerung oft viel digitaler affin. Dort treffen unsere flexiblen Online-Sparpläne auf Kunden und Interessenten, die moderne, unkomplizierte Lösungen suchen und auch sehr offen für innovative Produkte wie Technologiemetalle sind. Was die Expansion betrifft: Wir sind aktuell bereits in vielen europäischen Ländern aktiv. Unser Fokus liegt jetzt ganz klar darauf, unsere Präsenz in den bestehenden Märkten weiter zu vertiefen und das digitale Angebot europaweit zu vereinheitlichen. Die nächsten Schritte werden strategisch geplant, um einen einheitlichen und einfachen Zugang zu physischen Edelmetallen auch in weiteren europäischen Ländern anzubieten.
Wie sind die Metalle Ihrer Kunden gelagert und versichert – und was passiert mit den Beständen, falls es Golden Gates eines Tages nicht mehr gäbe?
Constantin Behr: Die Sicherheit der Bestände unserer Kunden hat oberste Priorität. Alle Metalle werden physisch in Hochsicherheitslagern – unter anderem in Deutschland und der Schweiz – aufbewahrt, die strengsten Sicherheitsstandards entsprechen und selbstverständlich vollumfänglich gegen Diebstahl und Elementarschäden versichert sind. Und für den Fall der Fälle gilt eine unumstößliche rechtliche Regelung: Die eingelagerten Metalle sind zu jedem Zeitpunkt das persönliche Eigentum des Kunden und sind strikt von der Bilanz der Golden Gates getrennt. Sollte es unser Unternehmen eines Tages nicht mehr geben, fallen die Bestände niemals in eine Insolvenzmasse. Das Anlage Metall gehört rechtlich und physisch allein dem Kunden und bleibt zu 100 Prozent geschützt.
Wo sehen Sie Golden Gates in zehn Jahren: eher als klassischer Edelmetallhändler oder als breiter Anbieter strategischer Rohstoff-Investments – und welche Produkte fehlen noch im Sortiment?
Constantin Behr: In zehn Jahren sehe ich Golden Gates ganz klar als den führenden europäischen und voll digitalisierten Anbieter für strategische Rohstoff-Investments. Der klassische Edelmetallhandel mit Gold und Silber bleibt unser stabiles Fundament und die Basis für viele Kunden. Aber die Zukunft liegt in der Breite: Technologiemetalle und Seltene Erden sind die Treiber des 21. Jahrhunderts – und genau hier haben wir uns frühzeitig positioniert.
Was unser Sortiment betrifft: Wir decken bereits heute eine enorme Tiefe von Gold über Platinmetalle bis hin zu kritischen Industriemetallen ab. Lücken sehen wir weniger bei den Rohstoffen selbst als vielmehr in der Flexibilität der Anlageformen.
Wir konzentrieren uns verstärkt auf den Ausbau unserer vollständig digitalen Produktlösungen. Dazu gehören beispielsweise Baukasten-Modelle, mit denen Kunden die Gewichtung von klassischen Edelmetallen und strategischen Anlagemetallen – wie Technologiemetallen und Seltenen Erden – per Klick individuell und entsprechend ihrer Risikobereitschaft festlegen können.
Interview: Frank O. Milewski, Cash.














