Krankenkassen-Fusionen: Warum der Spareffekt ausbleibt

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Daten und Experten sehen kaum Einsparpotenzial durch Krankenkassen-Fusionen und widersprechen der politischen Debatte.

Weniger gesetzliche Krankenkassen sollen Milliarden an Verwaltungskosten sparen – so lautet eine verbreitete politische Forderung. Doch aktuelle Auswertungen und die Einschätzung einer Expertenkommission zeichnen ein anderes Bild. Die Daten werfen neue Fragen zur Debatte auf.

Die Forderung nach einer geringeren Zahl gesetzlicher Krankenkassen gehört seit Jahren zu den Konstanten der gesundheitspolitischen Diskussion. Dahinter steht die Annahme, dass Fusionen die Verwaltungskosten deutlich senken und damit Milliardenbeträge einsparen könnten. Zuletzt griff auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann diese Argumentation auf.

Thomas Adolph, Geschäftsführer des unabhängigen Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de, hält diese Annahme jedoch für nicht haltbar. „Die Behauptung, dass sich durch weniger Krankenkassen Millionen- bis Milliardenbeträge einsparen lassen, ist schlicht falsch – und sie wird auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger“, sagt er.

Seine Einschätzung stützt sich auf eine umfangreiche Datenbasis. Seit mehr als 25 Jahren erfasst das Portal die Kennzahlen sämtlicher gesetzlicher Krankenkassen und deckt nach eigenen Angaben heute mehr als 99 Prozent aller gesetzlich Versicherten in Deutschland ab.

Verwaltungskosten machen nur kleinen Anteil aus

Mit seiner Kritik steht Adolph nicht allein. Auch die Finanzkommission Gesundheit kommt in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die Verwaltungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen lediglich rund vier Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Ein nennenswertes Einsparpotenzial durch eine geringere Zahl an Krankenkassen sieht die Kommission ausdrücklich nicht.

Als Beispiel verweist sie auf Österreich. Dort stiegen die Verwaltungskosten nach der Zusammenlegung mehrerer Krankenkassen zu einer Einheitskasse innerhalb weniger Jahre um 25 Prozent.

„Keine einzige Krankenkasse kann es sich leisten, Gelder für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat zu verschwenden. Dafür ist der Wettbewerb zwischen den Kassen viel zu hart“, sagt Adolph. „Wer behauptet, Fusionen würden automatisch Milliarden sparen, kennt die Realität unseres Gesundheitssystems nicht.“

Auswertungen sprechen gegen Größenvorteile

Nach Angaben von gesetzlichekrankenkassen.de liegen die durchschnittlichen Verwaltungskosten der 16 größten gesetzlichen Krankenkassen bei 185,66 Euro je Versicherter. Mittelgroße Krankenkassen kommen dagegen auf durchschnittlich 162,65 Euro und arbeiten damit mehr als 13 Prozent günstiger. Selbst die kleinsten Krankenkassen liegen im Durchschnitt nur leicht darüber und weiterhin unter dem Niveau der Großkassen.

Zugleich hat sich die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen in den vergangenen Jahrzehnten bereits deutlich reduziert. Waren es 1993 noch 1.221 Kassen, existieren heute nur noch 93. Hätten Fusionen automatisch zu niedrigeren Verwaltungskosten geführt, müsste sich dieser Effekt nach Ansicht der Autoren inzwischen deutlich zeigen. Die aktuellen Daten belegten jedoch das Gegenteil.

„Wer behauptet, Größe allein mache ein Gesundheitssystem effizienter, ignoriert schlicht die Realität“, sagt Adolph. „Seit Jahren dreht sich die politische Debatte um die Anzahl der Krankenkassen. Vielleicht sollten wir endlich darüber sprechen, warum die Kosten im Gesundheitswesen tatsächlich immer weiter steigen. Politik ersetzt an dieser Stelle Daten und Fakten durch Narrative und Bauchgefühl. Das können wir uns nicht länger leisten!“


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