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Krebsimpfstoff beflügelt Moderna – was der Erfolg für Anleger bedeutet

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mRNA-Durchbruch im Biotech-Labor
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Modernas Phase-3-Erfolg stärkt mRNA-Krebstherapien und eröffnet neue Chancen für Pharmaunternehmen und Anleger.

Moderna und Merck erzielen den ersten positiven Phase-3-Erfolg einer personalisierten mRNA-Krebstherapie. Die Nachricht treibt die Moderna-Aktie zeitweise um mehr als 100 Prozent nach oben. Für Pharmaunternehmen und Anleger könnte sich ein neuer Markt öffnen – doch wichtige Fragen sind noch ungeklärt.

Moderna und Merck melden einen Meilenstein in der Krebsmedizin: Die personalisierte mRNA-Therapie Intismeran Autogene hat in Kombination mit Mercks Immuntherapie Keytruda eine entscheidende Phase-3-Studie bei schwarzem Hautkrebs erfolgreich abgeschlossen. Es handelt sich nach Angaben der Unternehmen um den ersten positiven Phase-3-Befund für eine individualisierte Neoantigen-Therapie und eine mRNA-basierte Krebsbehandlung.

Die Nachricht löste bei der Moderna-Aktie eine außergewöhnlich starke Reaktion aus. Vorbörslich stieg der Kurs zeitweise um mehr als 100 Prozent, bevor Gewinnmitnahmen einen Teil des Anstiegs wieder aufzehrten. Auch die Merck-Aktie legte zu, allerdings deutlich schwächer.

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An der Studie INTerpath-001 nahmen 1.137 Patienten mit vollständig entferntem Hautkrebs der Stadien IIB bis IV teil. Die Kombination verbesserte sowohl das rückfallfreie Überleben als auch die Zeit ohne Fernmetastasen statistisch signifikant und klinisch relevant gegenüber Keytruda allein. Neue Sicherheitssignale traten laut den Unternehmen nicht auf. Konkrete Wirksamkeitsdaten sollen auf einem medizinischen Fachkongress vorgestellt werden. Die Studie läuft weiter, um unter anderem das Gesamtüberleben zu untersuchen.

Therapie wird für jeden Patienten hergestellt

Intismeran Autogene, auch als V940 oder mRNA-4157 bezeichnet, ist kein Impfstoff von der Stange. Nach der operativen Entfernung des Tumors wird dessen genetisches Profil analysiert. Auf dieser Grundlage entsteht für jeden Patienten eine eigene mRNA-Sequenz, die für bis zu 34 charakteristische Tumormerkmale kodiert.

Die Therapie soll das Immunsystem darauf trainieren, verbliebene Krebszellen anhand dieser Merkmale zu erkennen und zu bekämpfen. Keytruda unterstützt diesen Prozess, indem das Medikament eine molekulare Bremse des Immunsystems löst. In der Studie erhielten die Patienten bis zu neun Dosen Intismeran und Keytruda über einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr.

Der Phase-3-Erfolg bestätigt damit erstmals in einer großen zulassungsrelevanten Studie, dass sich mRNA nicht nur gegen Infektionskrankheiten einsetzen lässt. Moderna und Merck wollen die Ergebnisse nun mit den Zulassungsbehörden besprechen. Eine Zulassung ist damit jedoch noch nicht erteilt.

Rückenwind für Biotech und Pharma

Für die Biotechbranche liefert das Ergebnis einen wichtigen Nachweis für die industrielle Nutzbarkeit personalisierter Medikamente. Die mRNA-Plattform ermöglicht es, einen Wirkstoff vergleichsweise schnell digital zu entwerfen und an die Mutationen eines Tumors anzupassen. Davon könnten neben mRNA-Entwicklern auch Anbieter von Tumordiagnostik, Genomsequenzierung, Bioinformatik und spezialisierter Produktion profitieren.

Zugleich steigt der Druck auf große Pharmakonzerne, ihre Krebsportfolios um individualisierte Behandlungen zu erweitern. Besonders interessant ist die Verbindung mit etablierten Immuntherapien. Für Merck könnte Intismeran die Bedeutung von Keytruda verlängern und ausbauen. Moderna erhält dagegen die Chance, seine Abhängigkeit vom Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen zu verringern.

Für Moderna ist der Erfolg strategisch besonders bedeutsam. Nach dem Einbruch des Covid-Impfstoffgeschäfts muss der Konzern beweisen, dass seine mRNA-Technologie auch jenseits von Corona kommerziell tragfähig ist. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel, die Impfung könnte abhängig vom Ausgang der behördlichen Prüfung bereits 2027 zugelassen werden.

Die Technologie muss ihre Wirkung allerdings noch bei weiteren Krebsarten beweisen. Das Entwicklungsprogramm umfasst neun Phase-2- und Phase-3-Studien, unter anderem zu Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs. Ein Erfolg in verbreiteten Tumorarten würde das wirtschaftliche Potenzial deutlich vergrößern; ein Scheitern würde zeigen, dass sich die Ergebnisse bei Melanomen nicht ohne Weiteres übertragen lassen.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Für Moderna verändert der Studienerfolg die Wahrnehmung der Pipeline. Das Unternehmen kann erstmals einen späten klinischen Erfolg seiner mRNA-Onkologieplattform vorweisen. Damit steigt grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit künftiger Umsätze außerhalb des Impfstoffgeschäfts. Die heftige Kursreaktion zeigt jedoch auch, wie stark Hoffnungen bereits kurzfristig eingepreist werden.

Für eine belastbare Bewertung fehlen noch zentrale Angaben. Dazu zählen das genaue Ausmaß des Behandlungsvorteils in der Phase-3-Studie, Daten zum Gesamtüberleben, der Zeitplan für Zulassungsanträge sowie mögliche Preise und Erstattungskonditionen. Ebenso entscheidend sind die Produktionskosten: Jede Therapie muss individuell entwickelt, hergestellt, geprüft und rechtzeitig an die Klinik geliefert werden.

Anleger sollten den Erfolg deshalb als deutliche Verringerung des wissenschaftlichen Risikos verstehen, nicht als Garantie für einen kommerziellen Durchbruch. Neben Moderna und Merck rücken nun Unternehmen in den Blick, die Technologien für personalisierte Krebsmedizin bereitstellen. Zugleich bleibt das Segment anfällig für starke Kursschwankungen, weil einzelne Studiendaten, Zulassungsentscheidungen und Produktionsprobleme den Unternehmenswert erheblich verändern können.


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