Mehr Ertrag, mehr Beiträge: VHV setzt Wachstumskurs fort

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Thomas Voigt, Vorstandsvorsitzender der VHV

Die VHV-Gruppe wächst 2025 weiter und verbessert zugleich ihre Ertragslage deutlich. Vor allem das Kraftfahrtgeschäft liefert den Ergebnisbeitrag, während die Gruppe parallel ihre IT modernisiert und KI strategisch ausbaut. Entscheidend bleibt nun, ob dieser Kurs auch unter dauerhaft hohem Kostendruck trägt.

Die VHV-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2025 ihren profitablen Wachstumskurs fortgesetzt und zugleich die Ertragslage spürbar verbessert. Auf der Bilanzpressekonferenz stellte Vorstandschef Thomas Voigt die Entwicklung als Kombination aus Wachstum, höherer Profitabilität und gezielten Zukunftsinvestitionen dar.

„Wir haben unseren Wachstumskurs mit Nachdruck fortgesetzt und gleichzeitig unsere wirtschaftliche Basis weiter gestärkt“, sagte Voigt. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 8,3 Prozent auf rund 4,53 Milliarden Euro, die Vertragszahl erhöhte sich leicht auf 12,9 Millionen. Besonders deutlich fiel aber der Ergebnissprung aus: Das operative Ergebnis legte um 60,9 Prozent auf 408,4 Millionen Euro zu, der Konzernjahresüberschuss lag bei 194,8 Millionen Euro.

Auch die Profitabilität entwickelte sich in die richtige Richtung. Die Combined Ratio der VHV Allgemeine sank auf 94,2 Prozent – nach 95,0 Prozent im Vorjahr. Damit bewegt sich die Gruppe weiterhin klar unterhalb der kritischen 100-Prozent-Marke.

Kfz-Geschäft bleibt zentraler Ergebnistreiber

Den größten Einfluss auf die Entwicklung hat weiterhin das Kraftfahrtgeschäft. Innerhalb des Schaden- und Unfallsegments entfallen rund zwei Drittel auf Kfz, auf Gruppenebene etwa ein Drittel.

Im Jahr 2025 stiegen die Kfz-Beiträge um 15,5 Prozent auf rund 2,0 Milliarden Euro. Gleichzeitig blieb die Vertragszahl nahezu unverändert. Das Wachstum ist damit klar preisgetrieben – ein Punkt, der auch in der Fragerunde eine zentrale Rolle spielte. „Ein großer Teil des Wachstums stammt aus Beitragsanpassungen“, erläuterte Vorstand Dr. Sebastian Reddemann. Das Bestandswachstum habe lediglich rund 0,2 Prozent betragen.


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Diese Strategie zeigt sich unmittelbar in der Qualität des Ergebnisses. Die Combined Ratio im Kfz-Geschäft verbesserte sich weiter auf 95,9 Prozent – nach 97,8 Prozent im Vorjahr. Damit liegt die VHV weiterhin deutlich unter dem Marktniveau, während viele Wettbewerber noch mit Schaden-Kosten-Quoten um oder über 100 Prozent kämpfen.

Reddemann machte keinen Hehl aus dem Vorgehen: „Wir wollten den Inflationsanstieg einmal konsequent abarbeiten, statt über Jahre hinweg in kleinen Schritten nachzusteuern.“ Auffällig ist dabei die Entwicklung im Bestand. Trotz deutlicher Beitragsanpassungen blieb die Kundenzahl stabil. „Wir haben sogar ein vergleichsweise geringes Storno gesehen“, so Reddemann weiter.

Voigt betonte, dass Maßnahmen notwendig gewesen seien um „die Stabilität des Bestandes und damit seine Zukunftsfähigkeit“ zu sichern. Dass dies gelungen ist, wertet das Management als wichtigen Beleg für die Akzeptanz im Markt – auch im Zusammenspiel mit den Vertriebspartnern.

Schadeninflation bleibt strukturelles Thema

Trotz der verbesserten Kennzahlen bleibt die Schadeninflation das beherrschende Thema im Kfz-Markt – und dürfte es auch in den kommenden Jahren bleiben. „Wir sehen weiterhin Schadeninflation von fünf bis sieben Prozent“, sagte Reddemann – insbesondere bei Ersatzteilen und Werkstattkosten. Damit liegt sie deutlich über der allgemeinen Inflation. Auch Voigt machte deutlich, dass kurzfristig keine Entspannung zu erwarten ist: „Einen Rückgang der Schadeninflation sehen wir derzeit in keiner Weise.“

Hinzu kommt ein struktureller Effekt, der sich nicht kurzfristig auflösen lässt. Fahrzeuge werden technisch immer komplexer. Assistenzsysteme reduzieren zwar die Schadenhäufigkeit, gleichzeitig steigen die Reparaturkosten deutlich – etwa durch teure Sensorik in Karosserieteilen. „Diese Effekte gleichen sich weitgehend aus“, so Reddemann. Für die Versicherer bedeutet das: Weniger Schäden, aber deutlich höhere Einzelschäden – und damit anhaltender Kostendruck.

Telematik: viel diskutiert, wenig verbreitet

Ein weiteres Thema aus der Konferenz war die Rolle der Telematik. Trotz ihrer theoretischen Vorteile bleibt die Verbreitung in Deutschland überschaubar. Die VHV setzt auf Anreize wie einen Startrabatt von zehn Prozent, der sich bei entsprechender Fahrweise weiter erhöhen kann. Besonders bei jüngeren Kunden funktioniert dieses Modell. Im Gesamtbestand bleibt Telematik jedoch ein Randthema. Als Grund nennt Reddemann vor allem die hohe Sensibilität deutscher Kunden für Datenschutz- und Kontrollfragen. „Das ist erklärungsintensiv – auch im Vertrieb“, sagte er.

Hinzu kommt: Auch im Maklervertrieb stößt das Thema nicht überall auf Begeisterung. Die Beratung ist aufwendig, und die Akzeptanz bei Kunden nicht selbstverständlich. Interessant ist jedoch die Entwicklung nach dem Einstieg. Spannend: Kunden, die sich einmal für Telematik entscheiden, bleiben häufig dabei, auch weil sie die finanziellen Vorteile konkret erleben.

Hannoversche wächst im Biometriegeschäft

Die Hannoversche Lebensversicherung entwickelte sich 2025 stabil. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um zwei Prozent auf 1.035,4 Millionen Euro, die Vertragszahl auf 1,15 Millionen. Das Neugeschäft legte ebenfalls zu: Der Neugeschäftsbeitrag stieg um 2,0 Prozent auf 83,4 Millionen Euro.

Vorstand Frank Hilbert stellt einleitend fest, die Lebensversicherer stünden „aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor signifikanten Herausforderungen“. Der demografische Wandel führe zu einer schrumpfenden Zielgruppe für die Risikolebensversicherung der Hannoverschen, zugleich zeichneten sich rückläufige Vertragsbestände im Markt ab. Zudem verschärfe die hohe Zahl von rund 70 aktiven Anbietern den Wettbewerb im Neugeschäft. Trotz dieser Rahmenbedingungen könne die Hannoversche Leben „auf ein gutes Geschäftsjahr 2025 zurückblicken“.

Das Unternehmen sei klar „als Expertin für den Bereich Biometrie positioniert“, also für Produkte zur Absicherung von Leben und Lebensunterhalt, so Hilbert. Innerhalb dieses Segments hätten sich jedoch unterschiedliche Entwicklungen gezeigt. Die Risikolebensversicherung als Kernprodukt werde stark von den beschriebenen Faktoren beeinflusst. Die sinkende Zielgruppe reduziere die Nachfrage, hinzu kämen Einflüsse wie Bauzinsen und Baukosten. Da sich die Bauzinsen 2025 kaum verändert hätten, während die Baukosten weiter gestiegen seien, sei ein zusätzlicher Nachfrageimpuls ausgeblieben. Dennoch sei es gelungen, den Marktanteil weiter auszubauen.

Im Bereich der Invaliditätsversicherung zeige sich laut Hilbert hingegen ein anderes Bild. Hier entwickle sich die Nachfrage positiv. Die Hannoversche biete sowohl die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung als auch die Grundfähigkeitsversicherung an und habe in beiden Segmenten weiteres Wachstum erzielt. Besonders positiv bewertet Hilbert, dass das Unternehmen nach der strategischen Neupositionierung „als Biometrie-Multikanalversicherer auch im Maklermarkt zunehmend stärker“ werde. Die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern habe dabei hohe Bedeutung, da Kunden gerade bei komplexen Produkten weiterhin großen Wert auf persönliche Beratung legten.

Beim Thema Altersvorsorge hält sich die Gesellschaft Optionen offen. Ein Altersvorsorge-Depot wird derzeit geprüft, so Hilbert – auch weil man einen Riester-Bestand habe. Den bezifferte der Leben-Vorstand auf rund 16.000 Verträge.

Technologie als Antwort auf strukturelle Herausforderungen

Ein zentrales Thema der Konferenz war die technologische Transformation. Rund 100 Millionen Euro investierte die VHV 2025 in ihre IT- und Systemlandschaft. „Wir befinden uns mitten in einer KI-getriebenen Transformation“, sagte Voigt. Dabei geht es weniger um kurzfristige Effizienzgewinne als um eine strukturelle Herausforderung: den demografischen Wandel. Bis 2030/31 rechnet die VHV mit einem Rückgang von knapp 1.000 Beschäftigten.

„Diese Lücke lässt sich weder durch Recruiting noch durch klassische Effizienzprogramme schließen“, so Voigt. Künstliche Intelligenz soll helfen, die Produktivität zu steigern – etwa in der Schadenbearbeitung, im Kundenservice oder im Underwriting. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass die Verantwortung weiterhin beim Menschen bleibt.

Der Druck bleibt hoch

Die VHV hat 2025 ihre Profitabilität deutlich verbessert – vor allem im Kfz-Geschäft. Die klare Preispolitik und die gesunkene Combined Ratio zeigen, dass der Versicherer frühzeitig auf steigende Kosten reagiert hat. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Hohe Schadeninflation, steigende technische Komplexität und der demografische Wandel werden die Branche weiter prägen. Die VHV setzt darauf, diesen Herausforderungen aktiv zu begegnen. Oder, wie Voigt es formulierte: „Wir reagieren nicht auf Veränderungen, wir gestalten aktiv.“

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