Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot setzt die Politik stärker auf Eigenverantwortung und kapitalmarktbasierte Vorsorge. Eine aktuelle Umfrage von InvestforWomen unter rund 10.000 Frauen deutet jedoch darauf hin, dass viele Frauen die Voraussetzungen dafür derzeit nicht erfüllen.
74 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Wissen über ETFs und Fonds fehlt, um eigenständig fundierte Entscheidungen für die Altersvorsorge zu treffen. Viele fühlen sich deshalb unsicher im Umgang mit Kapitalmarktanlagen.
Auch konkrete Investmententscheidungen bereiten vielen Schwierigkeiten. 67 Prozent der Frauen trauen sich nach eigenen Angaben nicht zu, selbstständig zu investieren. Mehr als jede zweite Befragte würde ihre Altersvorsorge aktuell nicht eigenständig über den Kapitalmarkt organisieren.
Fehlendes Wissen und strukturelle Hürden
Neben mangelnder Finanzbildung nennen viele Frauen auch strukturelle Faktoren als Hindernis. 61 Prozent sehen Teilzeitbeschäftigung, familiäre Verantwortung oder begrenzte finanzielle Spielräume als Einschränkung für die private Altersvorsorge.
Jenny Walter von InvestforWomen erklärt: „Das neue Altersvorsorgedepot ist ein wichtiger Reformschritt in der Altersvorsorge, da es die Eigenvorsorge stärkt und die staatliche Rentenfinanzierung entlasten kann. Die Ergebnisse zeigen jedoch klar, dass ein System, das stark auf Eigenverantwortung setzt, nur dann funktionieren kann, wenn Menschen sowohl das notwendige Wissen als auch die strukturellen Voraussetzungen mitbringen. Viele Frauen sehen sich aktuell weder fachlich ausreichend vorbereitet noch in ihrer Lebensrealität in der Lage, diese Verantwortung allein zu tragen.“
Sie ergänzt: „Wir bauen gerade ein Vorsorgesystem für Menschen, die es so in der Realität kaum gibt. Wer davon ausgeht, dass breite Bevölkerungsschichten ihre Altersvorsorge eigenständig am Kapitalmarkt steuern können, ignoriert die tatsächlichen Lebensrealitäten vieler Frauen. So entsteht ein Modell, das auf dem Papier modern wirkt, in der Praxis aber an genau den Menschen vorbeigeht, die es am dringendsten brauchen.“
Wunsch nach Sicherheit und Beratung
Die Umfrage zeigt zudem, welche Erwartungen Frauen an moderne Altersvorsorge haben. 77 Prozent wünschen sich vor allem Sicherheit. 65 Prozent fordern mehr Beratung und Unterstützung, während 63 Prozent mehr finanzielle Aufklärung erwarten. 57 Prozent sprechen sich für einfachere und verständlichere Produkte aus.
InvestforWomen bewertet das Altersvorsorgedepot grundsätzlich als sinnvollen Reformansatz. Kritisch gesehen wird jedoch, dass das Modell stark auf Eigenverantwortung, Finanzwissen und eigenständige Kapitalmarktentscheidungen setzt.
Nach Einschätzung des Unternehmens richtet sich das Konzept damit vor allem an Menschen mit hoher Finanzkompetenz, stabilem Einkommen und kontinuierlicher Erwerbsbiografie. Da Männer sich im Durchschnitt häufiger mit Kapitalmarktanlagen beschäftigen und sich bei Investments sicherer fühlen, passe das Modell strukturell derzeit eher zu männlichen Anlegerprofilen.
Debatte um geschlechtergerechte Vorsorge
Aus Sicht von InvestforWomen zeigt sich damit ein Zielkonflikt zwischen politischer Reformlogik und den tatsächlichen Lebensrealitäten vieler Frauen. Während politische Konzepte zunehmend auf individuelle Kapitalmarktkompetenz setzen, wünschen sich viele Frauen vor allem Orientierung, Verständlichkeit und verlässliche Strukturen.
Die zentrale Erkenntnis der Umfrage lautet laut InvestforWomen deshalb, dass nicht fehlender Wille eigenständige Altersvorsorge verhindert. Ausschlaggebend seien häufig fehlendes Wissen, Unsicherheit im Umgang mit Kapitalmarktprodukten und strukturelle Einschränkungen im Alltag.
Das Unternehmen fordert deshalb, die Diskussion um das Altersvorsorgedepot stärker um die Frage zu erweitern, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit kapitalmarktbasierte Vorsorge breitenwirksam und geschlechtergerecht funktionieren kann.















