Private Credit im Wandel: Worauf Anleger jetzt achten sollten

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Mit KI erstelltes Symbolbild.

Der Private-Credit-Markt wächst weiter, zugleich steigen die Anforderungen an Anleger und Manager. Wellington Management sieht eine stärkere Verzahnung mit öffentlichen Märkten, komplexere Risiken und neue Liquiditätswege. Welche Faktoren jetzt entscheidend werden.

Der Private-Credit-Markt ist mit hoher Anlegernachfrage und einem wachsenden Anlageuniversum in das Jahr 2026 gestartet. Zugleich hat sich die Marktstimmung im ersten Halbjahr verändert. Emily Bannister, CFA, Director Private Credit, und Sonali Wilson, Director of Alternatives, Americas bei Wellington Management, sehen darin den Übergang von einer Phase starken Wachstums zu einem reiferen und stärker differenzierten Markt.

„Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte 2026 lautet die zentrale Frage nicht, ob Private-Credit-Anlagen attraktiv bleiben werden. Vielmehr geht es darum, wie Anleger sich in einem Markt zurechtfinden sollten, der breiter, spezialisierter und stärker von Streuung geprägt ist“, schreiben Bannister und Wilson. Entscheidend seien vor allem die stärkere Vernetzung öffentlicher und privater Kreditmärkte, komplexere Risikoprüfungen, eine fortschreitende Institutionalisierung sowie eine robust bleibende, aber selektivere Kapitalbildung.


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Nach Einschätzung der Expertinnen erweitert sich das Anlageuniversum zunehmend über das klassische Direct Lending hinaus. Emittenten prüfen öffentliche und private Finanzierungswege, während Banken häufiger als Partner von Private-Credit-Managern auftreten. Diese Entwicklung schlägt sich zunehmend in der Transaktionsanbahnung, der Kreditprüfung und im gesamten Credit-Ökosystem nieder.

Öffentliche und private Kreditmärkte wachsen zusammen

Wie eng verschiedene Finanzierungsquellen inzwischen zusammenspielen, zeigt der Ausbau von Rechenzentren. Eine Wellington-Analyse von PitchBook-Daten erfasst 330 Finanzierungstransaktionen zwischen Januar 2024 und Juni 2026. Gemessen an der Zahl der Transaktionen entfiel jeweils etwa ein Drittel auf Banken und öffentliche Märkte, rund ein Viertel auf Private Credit und etwa elf Prozent auf gemischte Finanzierungsquellen.

Damit gewinnt für Manager die Fähigkeit an Bedeutung, Transaktionen marktübergreifend anzubahnen und unterschiedliche Finanzierungsoptionen gegeneinander abzuwägen. Zugleich steigen die Anforderungen an Dokumentation und Risikoselektion.

Auch die Kreditprüfung wird anspruchsvoller. Private Credit umfasst zunehmend unterschiedliche Kreditnehmer, Sicherheiten-Pools und Finanzierungskanäle. Künstliche Intelligenz und der damit verbundene Ausbau von Rechenzentren verstärken diesen Trend. Nach Schätzungen von McKinsey könnten bis 2030 weltweit rund 6,7 Billionen US-Dollar an Investitionen in Rechenzentren erforderlich sein, um den Bedarf im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz zu decken.

Risikoprüfung und Managerauswahl werden wichtiger

Der hohe Finanzierungsbedarf könnte Chancen bei Gewerbeimmobilien, Infrastruktur und forderungsbesicherten Finanzierungen eröffnen. Die Expertinnen erwarten jedoch erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Investments. Anleger sollten deshalb neben der laufenden Rendite unter anderem die Transaktionsanbahnung, die Underwriting-Disziplin, Sektorexpertise, Strukturierungskompetenz und laufende Portfolioüberwachung eines Managers berücksichtigen.

Parallel entwickelt sich die Marktinfrastruktur weiter. Laut PitchBook hat sich das für Sekundärmarkttransaktionen im Bereich Private Credit eingeworbene Kapital zwischen 2023 und 2025 mehr als vervierzehnfacht. Bis Ende des ersten Quartals 2026 erreichte die Kapitalbeschaffung bereits rund 75 Prozent des gesamten Volumens von 2025.

Continuation-Fonds, Portfoliotransaktionen und andere Sekundärmarktlösungen erweitern damit die Möglichkeiten für Liquiditäts- und Kapitalmanagement. Anleger können ihre Allokationen neu gewichten und zusätzlich zu Primärfondszusagen weitere Zugangswege zu Private Credit nutzen. Neben der Qualität der Vermögenswerte rücken deshalb Liquiditätsbedingungen, Finanzierungsvereinbarungen, Sekundärmarktoptionen und die Plattform eines Managers stärker in den Fokus.

Private Credit wird breiter und selektiver

Die Kapitalbildung bleibt nach Einschätzung von Wellington robust, wird jedoch selektiver. Kapital fließt zunehmend in Strategien außerhalb des klassischen Direct Lending. Dabei unterscheiden sich Kreditnehmer, Sicherheiten, Cashflow-Profile und wirtschaftliche Einflussfaktoren teilweise erheblich.

Größe, Liquiditätsmanagement, Verbindlichkeitsstrukturen und die Diversifizierung der Engagements könnten dadurch an Gewicht gewinnen. Wellington sieht hier mögliche Vorteile für größere, ressourcenstarke Organisationen, die Anlagechancen über verschiedene Segmente hinweg vergleichen und Kapital entsprechend verteilen können.

„Wir sind aber der Ansicht, dass diese Entwicklungen die langfristigen Argumente für Private-Credit-Anlagen nicht untergraben“, schreiben Bannister und Wilson. Die Ertragsaussichten dürften nach ihrer Einschätzung künftig weniger vom allgemeinen Wachstum der Anlageklasse abhängen. Stattdessen gewinnen Spezialisierung, Streuung sowie die Fähigkeit an Bedeutung, Chancen und Risiken über öffentliche und private Kreditmärkte hinweg zu bewerten.


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