Resilienz digitaler Infrastruktur: Firmen unterschätzen vernetzte Risiken

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Resilienz und Sicherheitsinfrastruktur für Rechenzentren
Foto: adobe.stock/jp studio
KI-gestützte Sicherheitsinfrastruktur für Rechenzentren und Cloud-Computing mit geschützten Servernetzwerken, Cybersicherheitstechnologie und sicheren digitalen Abläufen

Rechenzentren wachsen so schnell wie nie. Doch nur 30 Prozent der Unternehmen testen, wie sich Cyberrisiken, Energieengpässe und Lieferkettenprobleme gegenseitig verstärken. Eine weltweite Studie zeigt, wo die Lücken in der Resilienz digitaler Infrastrukturen liegen.

Der weltweite Ausbau von Rechenzentren und digitalen Infrastrukturen beschleunigt sich rasant. Unternehmen der Branche reagieren darauf mit höheren Investitionen in Resilienz, wie eine Studie von Economist Enterprise zeigt, die vom Industrieversicherer FM unterstützt wurde. Für die Untersuchung wurden 1.800 Führungskräfte in 21 Märkten befragt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Trotz der zunehmenden Vernetzung von Risiken in Bereichen wie Cybersicherheit, Energieversorgung, Klima und Lieferketten testet nur rund 30 Prozent der Unternehmen Szenarien, in denen mehrere dieser Risiken gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken. Die Studie legt damit eine deutliche Lücke bei der Vorbereitung auf komplexe Krisen offen.

Zugleich stehen alle Beteiligten im Ökosystem digitaler Infrastrukturen unter erheblichem Zeitdruck: Entwickler, Betreiber, Nutzer, Finanzierer und unterstützende Partner gleichermaßen. Unternehmen können ihre langfristige Resilienz dennoch stärken, während sie wachsen, Kosten steuern und neue Technologien einführen, sofern Resilienz- und Schutzmaßnahmen während des gesamten Projektlebenszyklus mitgedacht werden.

Budget vorhanden, aber kurzfristige Ziele bremsen aus

Die globale Studie zeigt ein anhaltendes Spannungsfeld zwischen Resilienz und kurzfristigen Unternehmenszielen. 75 Prozent der Befragten verfügen zwar über ein eigenes Budget für Resilienzmaßnahmen, doch 69 Prozent sehen kurzfristige Finanz- und Wachstumsziele als Hindernis für den weiteren Ausbau ihrer Resilienz.

Für viele Mieter von Rechenzentren stehen Wachstumsziele, Effizienzanforderungen und KI-Initiativen im Widerspruch zu langfristigen Resilienzzielen. Das zeigt, wie schwer sich aktuelle Geschäftsanforderungen mit vorausschauender Risikovorsorge in Einklang bringen lassen. Die gravierendsten Störungen entstehen laut Studie zunehmend durch das Zusammenwirken verschiedener Risiken. Werden diese isoliert betrachtet, lassen sich die daraus resultierenden betrieblichen, finanziellen und geschäftlichen Folgen kaum vorhersehen.

„Der Ausbau digitaler Infrastrukturen entwickelt sich außergewöhnlich schnell – von der Standortwahl und der Sicherung der Energieversorgung über den Bau bis hin zur Inbetriebnahme neuer Kapazitäten“, sagt Christopher Dempsey, Senior Vice President bei FM Intellium. „Mit zunehmendem Wachstum besteht die Herausforderung nicht nur darin, einzelne Risiken zu managen, sondern auch zu verstehen, wie Cybervorfälle, Energieengpässe, Klimarisiken und Lieferkettenstörungen in zunehmend vernetzten Systemen zusammenwirken können. Resilienz muss mit dem Wachstum Schritt halten und bereits frühzeitig in wichtige Entscheidungen einbezogen werden.“

Neun von zehn Unternehmen bereits von Störungen betroffen

Die Studie erscheint zu einer Zeit, in der digitale Infrastrukturen für wirtschaftliche Aktivitäten immer wichtiger werden und zugleich stärker mit Energiesystemen, Lieferketten und anderen physischen Infrastrukturen vernetzt sind. Mehr als neun von zehn Befragten (91 Prozent) waren in den vergangenen fünf Jahren von einer erheblichen Störung betroffen.

Cyberrisiken zählen weiterhin zu den am häufigsten genannten Bedrohungen: 88 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Cyberangriffe systemische Auswirkungen auf digitale Infrastrukturen haben können, 87 Prozent sehen in Cyberangriffen eine wahrscheinliche Ursache für Störungen. Als Reaktion darauf haben 91 Prozent der Unternehmen Maßnahmen zur Cybersicherheit eingeführt.

Auch die Verfügbarkeit von Energie entwickelt sich zu einer zentralen Herausforderung. Mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) nennen Kapazitätsengpässe in den Stromnetzen sowohl als wahrscheinliche Ursache von Störungen als auch als potenzielle systemische Herausforderung. 87 Prozent setzen gleichzeitig Strategien zur Steuerung ihres Energiebedarfs ein.

Unternehmen testen Risiken meist isoliert

Trotz der Vielzahl an Risiken, denen Unternehmen ausgesetzt sind, ist die Vorbereitung auf mehrere gleichzeitig auftretende Störungen der Studie zufolge noch wenig entwickelt. Viele Unternehmen testen einzelne Bedrohungen isoliert voneinander, obwohl digitale Infrastrukturen zunehmend kaskadierenden Risiken aus den Bereichen Cybersicherheit, Energieversorgung, Klima, Lieferketten und Betrieb ausgesetzt sind.

„Unsere Studie zeigt, wie bereits eine einzelne Einschränkung, beispielsweise begrenzte Netzkapazitäten oder Wasserknappheit, kumulative Folgewirkungen im gesamten Ökosystem digitaler Infrastrukturen auslösen kann“, sagt Jonathan Birdwell, Global Head of Thought Leadership bei Economist Enterprise.

„Die Herausforderung besteht darin, dass sich alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette in erster Linie auf den Schutz ihres eigenen Standorts oder ihrer eigenen Infrastruktur konzentrieren. Nachhaltige Resilienz entsteht jedoch erst durch das Verständnis der Wechselwirkungen von Risiken über das gesamte System hinweg. Zudem gilt es, die Geschwindigkeit des Wachstums mit langfristigen Begrenzungsfaktoren wie Energie, Flächenverfügbarkeit und Technologie in Einklang zu bringen. Die Lücke zwischen dem Ort, an dem Risiken entstehen – auf Systemebene –, und dem Ort, an dem sie gesteuert werden, zu schließen, wird in den kommenden zehn Jahren eine der entscheidenden Herausforderungen für die Branche sein“, so Birdwell weiter.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments