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Tech-Aktien: Warum KI trotz Risiken weiteres Potenzial bietet

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
KI mit Potenzial
Bild: KI-generiert
KI-Investitionen und Gewinnwachstum stützen Tech-Aktien. Welche Risiken Anleger bei Software, Cloud und Halbleitern im Blick behalten sollten.

Der KI-Boom treibt Technologieaktien, doch hohe Investitionen, steigende Zinsen und neue Wettbewerber erhöhen die Risiken. Warum die Gewinnentwicklung dennoch für den Sektor spricht - und worauf Anleger achten sollten.

Der technologielastige Nasdaq 100-Index hat erst kürzlich ein neues Allzeithoch markiert. Doch immer wieder sorgen neue Entwicklungen für Kursschwankungen. Eine zentrale Sorge der Anleger betrifft die enormen Investitionen der großen Technologiekonzerne in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Werden sich diese Ausgaben langfristig auszahlen? Gleichzeitig verschärfen immer leistungsfähigere KI-Modelle den Wettbewerb. Hinzu kommen die gestiegenen Anleiherenditen. Da viele KI-Unternehmen Wachstumswerte sind, reagieren sie sensibel auf höhere Zinsen. Diese reduzieren den heutigen Wert künftiger Gewinne und können so auf die Bewertungen drücken.


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Bisher zeigen sich KI-Aktien allerdings recht widerstandsfähig und auch resilienter als andere Wachstumstitel. Das starke Gewinnwachstum gleicht den negativen Bewertungseffekt höherer Zinsen aus. Auch die Befürchtung, dass effizientere KI-Modelle künftig weniger Rechenleistung benötigen und damit die Nachfrage nach Chips und Rechenzentren sinkt, greift zu kurz. Zwar werden einzelne Anwendungen immer effizienter. Gleichzeitig hält KI jedoch in immer mehr Produkte, Unternehmen und Lebensbereiche Einzug. Die steigende Nutzung dürfte den Effizienzgewinn mehr als ausgleichen und die Gesamtnachfrage nach Rechenleistung weiter antreiben.

KI-Agenten verändern die Spielregeln

Welche Sprengkraft die KI-Entwicklung besitzt, zeigte sich bereits zu Jahresbeginn an den Aktienmärkten. Besonders Softwareunternehmen gerieten unter Druck. Denn leistungsfähige KI-Systeme können die Entwicklung neuer Software erheblich beschleunigen und klassische Anwendungen teilweise ersetzen. Dadurch geraten vor allem kleinere Anbieter und Unternehmen mit wenig differenzierten Softwarelösungen unter Druck.

Allerdings sollte man innerhalb des Softwaresektors genau hinsehen. Etablierte Anbieter verfügen über tief in die Geschäftsprozesse ihrer Kunden integrierte Systeme. Hinzu kommen hohe Sicherheitsstandards, regulatorische Anforderungen und über Jahre gewachsene Kundenbeziehungen. Solche Wettbewerbsvorteile lassen sich nicht ohne Weiteres durch ein neues KI-Modell ersetzen.

Und die Entwicklung geht rasant weiter. Während die KI bislang vor allem Fragen beantwortete oder Texte verfasste, können sogenannte KI-Agenten zunehmend eigenständig Aufgaben übernehmen. Sie könnten künftig beispielsweise Versicherungsverträge vergleichen, kündigen und zu besseren Konditionen neu abschließen, Fahrdienste bestellen oder Einkäufe organisieren. Das bedeutet Gegenwind für Branchen wie Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen und teilweise Banken.

Für Anleger bedeutet das: KI schafft nicht nur neue Wachstumschancen, sondern verändert auch die Wettbewerbsbedingungen ganzer Branchen. Anleger müssen daher stärker differenzieren.

Gewinne sprechen für weiteres Kurspotenzial

Trotz aller Risiken bleibt das fundamentale Bild für Technologieaktien attraktiv. Die großen Technologiekonzerne überzeugen mit einer starken Gewinnentwicklung. Rund 67 Prozent des erwarteten S&P-500-Gewinnwachstums in diesem Jahr entfallen auf Information Technology sowie Amazon, Google, Meta und Tesla. Für 2027 liegt dieser Anteil voraussichtlich noch bei 63 Prozent. Das stützt den Nasdaq 100 und hat die Bewertungen zuletzt sogar etwas zurückkommen lassen. Zugleich zeigt sich, dass die milliardenschweren KI-Investitionen auf eine entsprechend hohe Nachfrage nach Cloud-Diensten, Rechenleistung und KI-Anwendungen treffen. Das spricht dafür, dass der KI-Boom noch längst nicht ausgeschöpft ist.

Besonders attraktiv erscheinen uns derzeit die großen Cloud-Anbieter, sogenannte Hyperscaler. Sie stellen nicht nur die notwendige Infrastruktur für KI bereit, sondern profitieren über ihre eigenen Cloud- und KI-Angebote unmittelbar von der steigenden Nutzung. Auch Halbleiterhersteller dürften zu den Gewinnern zählen. Statt Software, die aus unserer Sicht am stärksten von Disruption betroffen ist, bevorzugen wir Anbieter von KI-Infrastruktur und Hardware.

Aber klar ist: Anleger müssen mit erhöhter Volatilität rechnen und auch von Seiten der Regulatorik kann Gegenwind aufziehen. Doch durch die angesprochenen Innovationen bekommt der KI-Trade einmal mehr Rückenwind.

Vincenzo Alfano ist Senior Portfoliomanager bei Union Investment.

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