Das neue Altersvorsorge-Depot hat in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Bekanntheit erreicht: Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten in Deutschland kennen bereits 58 Prozent das neue Produkt. Die ersten Informationen stammen meist aus der Berichterstattung rund um die Gesetzgebung – besonders die Höhe der Förderzulagen und die Renditechancen durch Aktien- und Fondsanlagen sind dabei im Gedächtnis geblieben. Das sind Ergebnisse der Marktuntersuchung „Altersvorsorge im Aufwind“ von Sirius Campus, die vom Vorsorgespezialisten Aeiforia unterstützt wurde. Im April 2026 wurden dafür 1.013 repräsentativ ausgewählte Förderberechtigte online befragt.
Unter denjenigen, die das Altersvorsorge-Depot kennen, kann sich ein Drittel (34 Prozent) den Abschluss bestimmt oder wahrscheinlich vorstellen. Berücksichtigt man den sogenannten Intentions-Umsetzungs-Gap – wonach nur etwa ein Drittel aller Vorsätze in tatsächliches Verhalten mündet – ergibt sich für die erste Angebotswelle 2027 ein realistisches Potenzial von 4,5 Millionen Abschlüssen. Bei einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 1.100 Euro zuzüglich Förderzulagen summiert sich das jährliche Sparvolumen auf sieben Milliarden Euro, die sich auf die Anbieter verteilen würden.
Eine progressive Prognose geht sogar von bis zu zehn Millionen Abschlüssen im Jahr 2027 aus. Voraussetzung dafür wäre ein intensives Marketing und eine aktive Kundenansprache noch in diesem Jahr – denn eine eingehendere Beschäftigung mit dem Produkt erhöht die Abschlussbereitschaft deutlich: Sie steigt auf rund 54 Prozent, wenn Interessierte eigenständig im Internet recherchieren oder von Finanzdienstleistern – etwa per Newsletter oder im persönlichen Gespräch – angesprochen werden. Im Gegensatz zum Start der Riesterrente wirkt eine intensivere Auseinandersetzung hier also positiv.
Bekanntheit allein reicht nicht
„Viele Indikatoren in unserer Untersuchung zeigen ein gewisses Begeisterungspotenzial für das Altersvorsorge-Depot. Dabei wird es von Bedeutung sein, bestehende Kunden mit Informationen zum neuen Fördersystem und Beratungsangeboten zu versorgen. Denn Kunden vertrauen ihren bestehenden mehr als neuen Anbietern“, sagt Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer von Sirius Campus.
Bei der Wahl zwischen den drei Garantievarianten – null, 80 oder 100 Prozent – zeigt sich eine klare Zurückhaltung gegenüber dem Aktienmarkt. Obwohl auf die hohen historischen Renditen von Investmentfonds und ETFs hingewiesen wurde, entscheiden sich nur neun Prozent für eine garantiefreie Anlage. 44 Prozent bevorzugen die 80-Prozent-Garantie mit mittleren Renditechancen, 32 Prozent wählen die volle Kapitalgarantie – und 15 Prozent sind noch unentschlossen. Die Präferenz für das Standard-Altersvorsorge-Depot, das trotz niedriger Gebühren ohne Garantie auskommt, fällt entsprechend gering aus.
Trotz der verbreiteten Aktienangst sieht Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer der Aeiforia GmbH, darin vor allem eine Chance für den Vertrieb: „Das Altersvorsorge-Depot ist für viele Kunden ein Beratungsprodukt. Dies ist eine große Chance für die Vertriebspartner von Lebensversicherern, Sparkassen, Banken und Bausparkassen. Wichtig ist jetzt, die Kompetenz bei Vermittlern und Bankberatern schnell aufzubauen. Denn viele Kunden könnten bereits nach der Sommerpause ihren bevorzugten Vermittler oder Berater nach einer Empfehlung fragen.“
Riester-Kapitalstock als Wechselpotenzial
Besonders groß ist der Beratungsbedarf beim Thema Produktwechsel: Viele Förderberechtigte wollen wissen, ob ein Wechsel ihres bestehenden Riester-Vertrags sinnvoll ist. Das Wechselpotenzial des insgesamt 225 Milliarden Euro schweren Kapitalstocks in Riesterverträgen beziffert die Studie auf 28 Prozent.














