Vom Neobroker zur Investmentplattform: Trade Republic erweitert den Handel

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Smarthone mit der App Trade Republic und Laden-Button auf dem Bildschirm
Bild: Claudia Nass – stock.adobe.com
Der Ausbau von Trade Republic zur Investmentplattform wird für viele Nutzer zunächst über die App sichtbar – mit neuen Orderwegen, Live-Daten und zusätzlichen Analysefunktionen.

Trade Republic erweitert sein Angebot um neue Orderfunktionen, Live-Daten und ein Web Terminal. Der Schritt fällt mit dem Ende der deutschen Übergangsfrist für Payment for Order Flow zusammen. Für Anleger zählt nun genauer denn je, was eine Order wirklich kostet.

Trade Republic baut sein Handelsangebot deutlich aus. Der Berliner Broker führt eine neue Handelstechnologie ein, die Orders automatisch zum Bestpreis ausführen soll. Ergänzend können Anleger Wertpapierorders gezielt an 30 globale Handelsplätze weiterleiten, darunter Xetra, Euronext, NYSE und Nasdaq.

Die Neuerungen betreffen nach Angaben des Unternehmens Aktien und ETFs. Kunden können zwischen zwei Ausführungsarten wählen: der automatischen Bestpreis-Ausführung und dem Direktpreis-Modell. Bei der Bestpreis-Ausführung vergleicht ein Algorithmus handelbare Echtzeitkurse über relevante liquide Börsen. Grundlage ist ein aggregiertes Orderbuch.

Für die automatische Ausführung bleibt es laut Trade Republic bei einer Ein-Euro-Abwicklungspauschale pro Trade, zuzüglich möglicher Fremdkosten und Spreads. Wer den Handelsplatz selbst auswählt, zahlt eine Zwei-Euro-Pauschale pro Trade. Die Direktpreis-Order ist für Market-, Limit- und Stop-Orders verfügbar.

Neue Ordermodelle für Aktien und ETFs

Die Zwei-Euro-Order ist damit kein neuer Standardpreis für alle Wertpapierorders, sondern ein zusätzlicher Ausführungsweg. Für Anleger kann das vor allem dann relevant sein, wenn sie bewusst über bestimmte Börsen handeln möchten oder den Ausführungsplatz stärker kontrollieren wollen.

Entscheidend bleibt jedoch: Die sichtbare Ordergebühr bildet nur einen Teil der Handelskosten ab. Ob eine Order günstiger ist, hängt auch vom Ausführungskurs, vom Spread, von der Liquidität und vom Handelszeitpunkt ab. Gerade bei größeren Orders oder weniger liquiden Werten kann der Unterschied zwischen Gebühr und tatsächlichem Ausführungspreis ins Gewicht fallen.

Mehr Transparenz soll ein weiterer Baustein bringen. Trade Republic will Kunden kostenlose Live-Daten bereitstellen. Anleger sollen das aggregierte Orderbuch in Echtzeit einsehen und es direkt in der App mit den Orderbüchern einzelner Börsen vergleichen können.

Live-Daten und Web Terminal für aktivere Anleger

Damit rückt die Qualität der Orderausführung stärker in den Fokus. Bei Neobrokern stand lange vor allem die sichtbare Ordergebühr im Vordergrund. Künftig dürfte für viele Kunden wichtiger werden, wie eng Spreads sind, welche Kurse tatsächlich handelbar sind und über welchen Platz die Order ausgeführt wird.

Parallel startet Trade Republic ein neues Web Terminal. Es richtet sich ausdrücklich an aktivere Anleger und umfasst Charting, anpassbare Workspaces, Aktien- und Derivate-Screener, Portfolio-Analysen sowie Live-Marktdaten für wichtige Börsen. Zusätzliche Kosten sollen dafür nicht anfallen.

Damit verschiebt sich Trade Republic stärker von der reinen Broker-App in Richtung einer breiteren Investmentplattform. Das Unternehmen war bisher vor allem mit einfacher Nutzung, Sparplänen und günstigen Orders verbunden. Mit Handelsplatzwahl, Live-Daten und Analysewerkzeugen spricht es nun auch Anleger an, die häufiger handeln oder ihre Orders genauer steuern möchten.

Ende der PFOF-Übergangsfrist verändert den Markt

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die deutsche Übergangsfrist für Payment for Order Flow, kurz PFOF, ist zum 30. Juni 2026 ausgelaufen. Deutschland hatte inländische Wertpapierfirmen vorübergehend vom EU-Verbot ausgenommen, Zuwendungen Dritter für die Weiterleitung von Kundenaufträgen an bestimmte Handelsplätze anzunehmen.

PFOF war für viele Neobroker ein wichtiger Bestandteil günstiger Preismodelle. Broker erhalten dabei Zahlungen dafür, dass sie Kundenorders an bestimmte Handelsplätze oder Ausführungspartner weiterleiten. Die Regulierung soll Interessenkonflikte begrenzen, weil die Weiterleitung von Orders nicht durch Zahlungen Dritter beeinflusst werden soll.

Vor diesem Hintergrund ist die neue Handelsinfrastruktur mehr als eine Produktaktualisierung. Trade Republic will den Ein-Euro-Handel nach eigenen Angaben beibehalten, ergänzt ihn aber um eine eigene Bestpreis-Logik, den Direktzugang zu Börsenplätzen und zusätzliche Analysefunktionen.


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Trade Republic erweitert sein Plattformmodell

Die Entwicklung passt zu weiteren Ausbauschritten. Bereits im Juni 2026 hatte Trade Republic angekündigt, europäischen Privatanlegern Zugang zu ausgewählten Börsengängen zu ermöglichen. Kunden können ausgewählte IPOs vor Handelsstart direkt in der App zeichnen, zum offiziellen Zuteilungspreis. Dafür fällt laut Mitteilung eine Ein-Euro-Abwicklungspauschale pro Order an.

Für langfristige ETF-Sparer dürfte sich zunächst wenig ändern, sofern sie Sparpläne oder die automatische Bestpreis-Ausführung nutzen. Aktive Anleger müssen dagegen genauer abwägen. Die Bestpreis-Ausführung setzt auf den automatischen Vergleich handelbarer Kurse. Die Direktpreis-Order gibt mehr Kontrolle über den Handelsplatz, kostet aber eine höhere Pauschale.

Ob sich der Direktpreis lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei liquiden Wertpapieren, engen Spreads und üblichen Ordergrößen kann die automatische Bestpreis-Ausführung genügen. Bei größeren Orders, ausländischen Aktien oder gezieltem Handel über bestimmte Börsenplätze kann die direkte Wahl des Handelsplatzes an Bedeutung gewinnen.


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