Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise: AIDA, MSC, TUI und Hapag-Lloyd im Vergleich

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Mehrere Kreuzfahrtschiffe passieren die Straße von Hormus zwischen der arabischen Halbinsel und Iran.
Bild: KI-generiert mit OpenAI
Mehrere Reedereien haben ihre Orient-Fahrpläne bis 2027 komplett umgebaut – reguläre Golf-Kreuzfahrten sind vorerst Geschichte.

Houthi-Angriffe im Roten Meer, ein Iran-Krieg mit tagelanger Sperrung der Straße von Hormus: 2026 ist ein Krisenjahr für die Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise. AIDA, Costa, MSC, TUI Cruises und Hapag-Lloyd im Vergleich – wer traf es am härtesten, wer reagierte am schnellsten?

Acht Wochen lang sitzen die Mein Schiff 4 und die Mein Schiff 5 im Persischen Golf fest, rund 5.000 Passagiere müssen ausgeflogen werden. Dieses Bild zeigt, wie hart die Nahost-Krise die Kreuzfahrtbranche 2026 getroffen hat. Houthi-Angriffe im Roten Meer, ein zweiter Iran-Krieg mit tagelanger Sperrung der Straße von Hormus und festsitzende Schiffe im Persischen Golf: Ein Vergleich der fünf großen Reedereien AIDA, Costa, MSC Cruises, TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises zeigt, wie unterschiedlich die Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise reagiert haben – und wo die Zahlen bis heute unklar bleiben.

Zwei Krisenherde für eine ganze Branche

Seit Oktober 2023 attackieren die jemenitischen Huthi-Milizen Handelsschiffe im Roten Meer und in der Meerenge Bab-el-Mandeb. Nach Angaben von Schifffahrtsbeobachtern wurden seither mehr als 100 Handelsschiffe angegriffen, vier Schiffe sanken, mindestens acht Seeleute starben. Der Schiffsverkehr durch den Suezkanal brach dadurch um 60 Prozent ein – ein Einbruch, von dem sich die Route bis heute nicht erholt hat. Ägypten entgehen dadurch monatlich schätzungsweise 800 Millionen US-Dollar an Deviseneinnahmen aus Kanalgebühren.

Zu diesem chronischen Krisenherd kam 2025 und 2026 ein zweiter hinzu: der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran. Im Juni 2025 führten israelische Luftangriffe unter dem Namen „Operation Rising Lion“ zu einem zwölftägigen Krieg mit dem Iran, der mit einer fragilen Waffenruhe endete. Am 28. Februar 2026 eskalierte die Lage erneut: USA und Israel griffen unter dem Namen „Operation Epic Fury“ iranische Nuklear- und Kommandoeinrichtungen an, der Iran reagierte mit einer zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Meerengen für den weltweiten Energiehandel. Eine zweiwöchige Waffenruhe ab dem 8. April 2026 hielt nur teilweise, ab Juni 2026 kam es erneut zu gegenseitigen Angriffen.

Für Kreuzfahrtreedereien bedeuteten beide Krisen dasselbe Dilemma: Schiffe, die auf Orient-Routen durch Rotes Meer, Suezkanal oder Persischen Golf unterwegs waren, gerieten faktisch in eine Sackgasse. Wie unterschiedlich die Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise auf diese doppelte Bedrohung reagierten, zeigt der Blick auf die fünf großen Anbieter.

AIDA und Costa: Frühzeitiger Rückzug aus der Krisenregion

Bei den Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise gehörten AIDA Cruises und Costa Crociere zu den ersten, die reagierten. Beide Marken gehören zum US-Konzern Carnival Corporation (NYSE: CCL), dem größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt. Schon 2024 und 2025 strichen beide zahlreiche Rotes-Meer- und Suezkanal-Passagen: Bei AIDA betraf das unter anderem AIDAbella, AIDAblu, AIDAprima, AIDAstella und AIDAcosma, deren Schiffe stattdessen um Afrika herum fuhren. Costa sagte 2024 die Überführungsfahrt der Costa Toscana von Dubai nach Savona sowie die Winterpositionierung der Costa Smeralda ab.

Nach Recherchen des Fachportals cruisetricks.de strichen AIDA und Costa bereits im Juli 2025 – und damit vor dem eigentlichen Kriegsausbruch im Februar 2026 – ihre komplette Orientsaison 2025/26. Diese frühzeitige Entscheidung gilt in der Branchenberichterstattung als vorausschauend, auch wenn sie Buchungen und Umsatz in der Region kostete. Als der Iran-Krieg im Februar 2026 tatsächlich ausbrach, waren beide Marken dadurch operativ weniger exponiert als Wettbewerber mit Schiffen im Persischen Golf.

Am 13. März 2026 gaben beide Reedereien zusätzlich die Absage der kompletten Orientsaison 2026/27 bekannt: bei AIDA für die AIDAprima im Zeitraum vom 4. Dezember 2026 bis 4. April 2027, bei Costa für die Costa Smeralda vom 19. Dezember 2026 bis 14. März 2027. Als Ersatz dienen Kanaren-Routen sowie bei AIDA zusätzlich Ostsee- und Nordeuropa-Fahrten ab Kiel. Die Costa Pacifica übernimmt nach einem Werftaufenthalt im Dezember 2026 zusätzliche Kapazität im westlichen Mittelmeer. Konzernweite Zahlen speziell für AIDA oder Costa weist Carnival allerdings nicht gesondert aus – beide Marken gehen in den Konzernzahlen der Carnival Corporation auf.

MSC Cruises: Später Kurswechsel, dann die Evakuierung aus Dubai

MSC Cruises, das Kreuzfahrtgeschäft der Genfer Reederfamilie Aponte, reagierte deutlich später. Im Juli 2025 erklärte das Unternehmen laut cruisetricks.de ausdrücklich, keine Änderungen am Reiseverlauf zu planen – ein Kontrast zur frühen Absage bei AIDA und Costa. Diese Entscheidung rächte sich, als der Krieg im Februar 2026 begann: Die MSC Euribia lag zu diesem Zeitpunkt im Hafen von Dubai. Das Unternehmen sagte daraufhin zehn Abfahrten ab Dubai, Abu Dhabi und Doha bis Ende März ab und begründete dies mit der gesperrten Luftraumsituation im Nahen Osten.

Die MSC Euribia gehörte anschließend zu den sechs Kreuzfahrtschiffen, die den Persischen Golf zwischen dem 17. und 19. April 2026 über die Straße von Hormus verließen – auf einer südlichen Route entlang der omanischen Küste und mit bis zu 20 Knoten Geschwindigkeit, nachdem der Iran am 18. April kurzzeitig eine erneute Sperrung der Meerenge verkündet hatte. Am 30. März 2026 strich MSC zudem die komplette Orientsaison 2026/27: Die MSC World Europa fällt vom 26. November 2026 bis 5. April 2027 aus, ersetzt durch eine Route in der südöstlichen Karibik. Die MSC Seaview wird zusätzlich nach Brasilien und Argentinien verlegt.

Für die finanzielle Einordnung gilt eine Besonderheit: MSC ist nicht börsennotiert und veröffentlicht keine Quartalsberichte. Wie stark der Konzern die Krise wirtschaftlich getroffen hat, lässt sich anhand öffentlicher Quellen daher nicht beziffern – ein Umstand, der MSC im Vergleich zu den börsennotierten Wettbewerbern deutlich intransparenter macht.


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TUI Cruises trägt die größte Last der Nahost-Krise

Am stärksten und am besten dokumentiert traf die Krise TUI Cruises, die Marke hinter „Mein Schiff“. Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 befanden sich bei Kriegsausbruch im Persischen Golf und saßen dort mehr als acht Wochen fest. Rund 5.000 Passagiere mussten in Abu Dhabi und Doha ausgeschifft und nach Hause geflogen werden, TUI Cruises bot den Betroffenen eine Umbuchung mit zehn Prozent Rabatt an. Erst am 19. April 2026, während einer kurzen Kampfpause, konnten beide Schiffe über die Straße von Hormus entkommen. Reisen beider Schiffe blieben bis Mitte Mai 2026 gestrichen, danach kehrten sie in reguläre Mittelmeer-Fahrpläne zurück. Mitte April 2026 strich TUI Cruises zusätzlich die komplette Orientsaison 2026/27 für die Mein Schiff Flow (10. November 2026 bis 13. April 2027) und verlegte das Schiff stattdessen auf Nordland-Routen ab Hamburg und Kiel.

Bei keiner anderen der Kreuzfahrtreedereien in der Nahost-Krise lassen sich die wirtschaftlichen Folgen so genau beziffern wie bei TUI Cruises. Das liegt an der Berichtspflicht der TUI Group, zu der TUI Cruises über ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Royal Caribbean Group gehört. Bei der Gewinnwarnung vom 22. April 2026 bezifferte TUI die iranbedingte Belastung allein für März 2026 auf rund 40 Millionen Euro und senkte die EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 von zuvor „plus 7 bis 10 Prozent“ auf eine Bandbreite von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro. Im am 12. August 2026 veröffentlichten Quartalsbericht für das dritte Geschäftsquartal, April bis Juni, bezifferte der Konzern den iranbedingten Gewinnausfall auf insgesamt rund 60 Millionen Euro, davon rund 20 Millionen Euro allein durch die wochenlange Stilllegung der beiden Kreuzfahrtschiffe. Das bereinigte Betriebsergebnis des Quartals sank um 27 Prozent auf 234 Millionen Euro, deutlich unter der Analystenerwartung von 275 Millionen Euro.

TUI-Chef Sebastian Ebel sagt dazu: „Die Nachfrage bleibt auch in geopolitischen Krisenphasen bestehen – wird jedoch kurzfristiger.“

Wichtig für die Einordnung: TUI weist Kreuzfahrten als eigenes Segment aus, das sowohl Mein Schiff als auch Hapag-Lloyd Cruises umfasst. Eine markengenaue Aufschlüsselung der Kosten zwischen beiden Marken veröffentlicht der Konzern nicht.

Hapag-Lloyd Cruises: Die Reederei ohne Schlagzeilen

Hapag-Lloyd Cruises, die Premium- und Expeditionsmarke im selben Gemeinschaftsunternehmen von TUI AG und Royal Caribbean Group, taucht in der verfügbaren Berichterstattung zur akuten Kriegsphase zwischen Februar und April 2026 auffällig selten auf. Für 2024 sind Absagen dokumentiert: Die Europa 2 strich drei Teilstrecken einer Reise von Piräus nach Bali zwischen dem 10. Oktober und 14. November 2024, nachdem eine Gefahrenprognose keine sichere Suezkanal-Passage mehr zuließ.

Für die akute Krise ab Februar 2026 ließen sich in der verfügbaren Berichterstattung jedoch keine Meldungen über im Persischen Golf festsitzende Hapag-Lloyd-Cruises-Schiffe finden. Die Marke taucht weder in der Liste der sechs Schiffe auf, die im April 2026 den Golf über die Straße von Hormus verließen, noch in den verfügbaren Übersichten zu den Streichungen der Orientsaison 2026/27. Dieser Befund lässt zwei Lesarten zu: Entweder hatte Hapag-Lloyd Cruises schlicht keine Schiffe in der akuten Kriegsphase im betroffenen Seegebiet, etwa weil die Expeditionsflotte in dieser Zeit andere Fahrgebiete bediente, oder die Berichterstattung dazu ist im Vergleich zu den volumenstärkeren Marken lückenhaft. Beides ließ sich anhand der recherchierten Quellen nicht abschließend klären.

Die Zahlen im Überblick: Kreuzfahrtreedereien im Vergleich

Reederei (Mutterkonzern)Betroffene Schiffe (Auswahl)Routenänderungen 2026/27Berichtete KostenKursreaktion Mutterkonzern
AIDA Cruises (Carnival Corporation)AIDAprima, AIDAstella, AIDAcosma, AIDAperla, unter anderemOrientsaison komplett gestrichen (AIDAprima, 4. Dezember 2026 bis 4. April 2027); Ersatz: Kanaren, Ostsee und Nordeuropa ab KielNicht markengenau ausgewiesen, Teil der Carnival-KonzernzahlenCarnival (CCL): Netto-Yield-Prognose für das zweite Quartal von 2,75 Prozent auf 1,75 Prozent gekappt; Kurs nach Zahlen minus sechs Prozent auf 28,36 Dollar, zuvor plus elf Prozent nach der Nachricht von einer Waffenruhe
Costa Crociere (Carnival Corporation)Costa Smeralda, Costa Pacifica, Costa ToscanaOrientsaison gestrichen (Costa Smeralda, 19. Dezember 2026 bis 14. März 2027); Ersatz: Kanaren und Madeirasiehe AIDA – Carnival-Konzernzahlensiehe AIDA
MSC Cruises (MSC Group, Familie Aponte)MSC Euribia (in Dubai festgesetzt), MSC World Europa, MSC Poesia, MSC Opera, unter anderemZehn Abfahrten im Februar und März 2026 abgesagt; Orientsaison gestrichen (World Europa, 26. November 2026 bis 5. April 2027); Ersatz: KaribikKeine Angaben öffentlich verfügbarKeine Börsennotierung – privates Familienunternehmen, keine Kursdaten
TUI Cruises (Gemeinschaftsunternehmen TUI AG und Royal Caribbean Group)Mein Schiff 4, Mein Schiff 5, Mein Schiff FlowZwei Schiffe mehr als acht Wochen im Golf festgesetzt, rund 5.000 Passagiere ausgeflogen; Orientsaison gestrichen (Mein Schiff Flow, 10. November 2026 bis 13. April 2027)TUI-Konzern: rund 40 Millionen Euro Belastung im März, Quartal zwei; weitere rund 60 Millionen Euro Gewinnausfall im dritten Quartal, davon rund 20 Millionen Euro im KreuzfahrtsegmentTUI AG: Aktie seit Kriegsbeginn rund minus zwölf Prozent, Stand 12. August 2026; zwischenzeitlich plus fünf Prozent Tagesgewinn und rund 26 Prozent Erholung vom Tief
Hapag-Lloyd Cruises (Gemeinschaftsunternehmen TUI AG und Royal Caribbean Group)Keine bestätigten Meldungen für Februar bis April 2026Keine dokumentierten Streichungen für 2026/27 in verfügbaren Quellen; 2024: Absagen bei der Europa 2 wegen des Suez-RisikosIn TUI-Konzernzahlen enthalten, nicht separat ausgewiesensiehe TUI AG – kein eigenständiger Kurs
Hinweis: Carnival Corporation und Royal Caribbean Group berichten in US-Dollar und nach US-Geschäftsjahr, die TUI AG in Euro nach europäischem Geschäftsjahr von Oktober bis September. Die Zeiträume sind deshalb nicht vollständig deckungsgleich.
Seite 2: aktuelle Risikogebiete, Bedeutung für Anleger

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