Warsh schweigt - und die Anleihemärkte übernehmen

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Kevin Warsh in der Zwickmühle
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
ETHENEA erwartet eine Zinspause der Fed im Oktober. Die Unsicherheit könnte sich vor allem in höheren Langfristrenditen zeigen.

Die Inflationsdaten sprechen für höhere Zinsen, die Signale aus der Fed für eine Pause. Jörg Held von ETHENEA erwartet, dass der Leitzins im Oktober unverändert bleibt. Doch die zurückhaltende Kommunikation hat ihren Preis.

Die Federal Reserve (Fed) steht vor einem widersprüchlichen Zinsentscheid. Die Septemberdaten sprechen nach Einschätzung von Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., für einen höheren Leitzins. Die Kommunikation der Notenbank deutet hingegen auf eine Pause hin. „Wir erwarten, dass die Fed den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belässt.“

Die Septemberinflation stieg auf 3,7 Prozent. Die Kernrate legte zum Vormonat um 0,33 Prozent zu. Noch stärker fielen die Erzeugerpreise mit einem Plus von 0,7 Prozent in der Kernrate aus. Held rechnet deshalb mit einer Kerninflation nach dem PCE-Maß von gut drei Prozent - rund einen Prozentpunkt über dem Fed-Ziel.


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Gegen einen Zinsschritt sprechen die Signale aus dem Notenbankgremium. Die einflussreichen Fed-Funktionäre John Williams, Philip Jefferson und Michelle Bowman hätten sich gegen Eile ausgesprochen. Fed-Chef Kevin Warsh sagte beim Treffen des Internationalen Währungsfonds in Bangkok, die Entwicklung seit September entspreche im Wesentlichen den Erwartungen. Einen Hinweis auf eine Zinserhöhung habe es damit nicht gegeben.

Zinspause vor den US-Zwischenwahlen

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober sei laut Held von mehr als 50 auf rund 15 Prozent gesunken. Seit dem 17. Oktober gilt die Kommunikationspause der Fed. Eine überraschende Erhöhung käme daher ohne Vorwarnung und könnte die Märkte auf dem falschen Fuß erwischen.

Hinzu kommt der politische Zeitpunkt: Die Sitzung findet wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen statt. „Eine Erhöhung würde politisch gelesen, und das will der Ausschuss vermeiden. Dezember ist dagegen fast vollständig eingepreist, über zwölf Monate rechnet der Markt mit drei Schritten.“

Die zurückhaltende Kommunikation lässt die Märkte über den weiteren Kurs der Fed spekulieren. „Verzichtet Warsh auf Forward Guidance, muss der Markt selbst rechnen“, sagt Held. Die zehnjährige Rendite liege bereits bei rund 5,1 Prozent. Bleibe die Fed im Oktober untätig, könne sich die Unsicherheit deshalb vor allem in den langfristigen Zinsen niederschlagen.

„Eine Notenbank, die nicht spricht, überlässt die Zinspolitik dem Anleihemarkt.“

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