Herr Pietsch, bevor wir über das Audit selbst sprechen: Warum ist eine derartige Prüfung überhaupt notwendig? Andere Anbieter machen das ja auch nicht.
Pietsch: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Auto, und der Einzige, der Ihnen sagt, dass die Bremsen in Ordnung sind, ist der Verkäufer selbst. Genau so funktioniert ein großer Teil der Einlagerungsbranche seit Jahrzehnten. Der Anbieter bestätigt selbst, dass die Ware vorhanden, sicher eingelagert und versichert ist. Der Kunde kann häufig nur eines tun: ihm glauben.
Bei Autos gibt es dafür den TÜV: eine unabhängige Instanz, die kein Interesse am Verkauf hat. Eine solche unabhängige Kontrolle hat es bei der Einlagerung von Seltenen Erden, strategischen Rohstoffen und Edelmetallen in dieser Form bislang nicht gegeben.
Herr Rössing, bevor wir zu Finomet im Detail kommen: Was macht Finomet eigentlich genau? Können Sie das für alle erklären, die den Namen zum ersten Mal hören?
Rössing: Finomet ersetzt Vertrauen durch Nachprüfbarkeit. Blockchain, Kryptografie und klare Prozesse verbinden digitale Daten direkt mit der physischen Ware. Unabhängige Prüfer gleichen diese Daten mit der Realität ab.
Bei physischen Rohstoffen und Edelmetallen müssen Sie darauf vertrauen, dass die Ware existiert, Ihnen korrekt zugeordnet ist und Veränderungen am Bestand sauber dokumentiert werden. Genau hier setzt Finomet an.
Wir schaffen eine digitale Vertrauensinfrastruktur, einen sogenannten Trust Layer. Physische Bestände werden auf der Blockchain abgebildet. Mengen, Zuordnungen, Warenbewegungen und Bezahlvorgänge hinterlassen eine nachvollziehbare, nachträglich nicht ohne Weiteres veränderbare Spur. So lässt sich nachvollziehen: Welche Ware wurde eingelagert? Woher stammt sie? Wem ist sie zugeordnet? Und welche Bewegungen gab es?
Der Kunde bekommt damit nicht nur die Aussage: „Ihre Rohstoffe oder Edelmetalle sind vorhanden.“ Er erhält einen digital dokumentierten Nachweis über Bestand und Zuordnung und kann diese Informationen über seinen Kundenzugang einsehen.
Unser Anspruch ist nicht: „Vertrauen Sie uns.“ Wir wollen eine Infrastruktur schaffen, in der der Kunde möglichst wenig vertrauen muss, weil Herkunft, Bestand, Zuordnung und Bewegungen nachvollziehbar dokumentiert sind. Wir digitalisieren also nicht einfach Sachwerte. Wir machen Vertrauen überprüfbar.
Finomet ist für diesen Ansatz bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Rössing: Natürlich freut uns das. Wir haben 2023 erstmals den Financial Advisors Award von Cash. für die digitale Mittelverwendungskontrolle erhalten und wurden für 2026 erneut ausgezeichnet. Das bestätigt, dass Transparenz und digitale Nachprüfbarkeit bei physischen Sachwerten längst keine Randthemen mehr sind.
Fast noch spannender finde ich aber, was gerade im Markt passiert. Die Anforderungen verändern sich. Das sehen wir besonders deutlich beim Gold.
Wie ich gehört habe, wird Finomet gerade weiterentwickelt. Wohin geht die Reise?
Rössing: Wir erweitern Finomet derzeit um Herkunfts- und Echtheitsnachweise für das von Kunden gekaufte Gold. Künftig soll sich nachvollziehen lassen, woher es stammt und auf welcher Grundlage seine Echtheit bestätigt wurde.
Der Goldmarkt verändert sich. Neben sicherer Verwahrung und eindeutiger Zuordnung wird die nachvollziehbare Herkunft zunehmend zum Qualitätsmerkmal. Gerade bei verantwortungsvoll gewonnenem oder recyceltem Gold reicht eine bloße Aussage zur Herkunft nicht mehr aus. Sie muss belegbar sein.
Wie aktuell das Thema ist, zeigt die Schweiz. Andreas Schuler von der Basler Kantonalbank hat es kürzlich auf LinkedIn auf den Punkt gebracht: „Plötzlich entscheidet die Herkunft eines Goldbarrens.“
Herkunft ist längst nicht mehr nur eine Frage der Nachhaltigkeit. Sie kann für Compliance, Responsible Sourcing und sogar für die Handelbarkeit von Gold relevant werden. Gleichzeitig wird der internationale Goldmarkt digitaler, Herkunfts- und Lieferkettendaten werden zunehmend systematisch erfasst.
Deshalb sind wir mit Finomet auch im Goldbereich auf dem richtigen Weg. Im Zusammenspiel mit C.Hafner und NobleGold verbinden wir physisches Gold mit einer digitalen Kontroll- und Nachweisstruktur. Herkunft, Verarbeitung, Bestand, Lagerung und Zuordnung werden nachvollziehbar. Das physische Gold bleibt physisches Gold. Aber sein Weg wird sichtbar.
Und wo kommt da der TÜV-Gedanke rein?
Rössing: Dort, wo unsere Technik an eine physische Grenze stößt. Eine Blockchain belegt zuverlässig, was jemand dokumentiert hat. Sie geht aber nicht selbst ins Lager und wiegt 100 Kilogramm Gallium nach.
Deshalb reicht technische Nachverfolgbarkeit allein nicht. Es braucht jemanden, der unabhängig prüft, ob die digitale Dokumentation mit der physischen Realität übereinstimmt. Genau da kommt Herr Wirth ins Spiel.
Das Besondere besteht darin, dass Noble BC und Finomet das gemeinsam angehen?
Pietsch: Genau das ist der Punkt, den ich für wirklich selten halte. Es gibt Einlagerer mit guten Prozessen und Tracking-Anbieter mit guter Technologie. Aber die Kombination aus physischer Einlagerung, digitaler Nachverfolgung und einer unabhängigen Prüfinstanz, die auch außerhalb unserer Systeme kontrollieren kann, gibt es meines Wissens in dieser Form nirgendwo sonst am Markt.
Rössing: Wir zwei allein hätten das nicht in der Form hinbekommen. Ich kann Bestände digital abbilden und nachvollziehbar machen. Andreas kann einlagern, aber nicht seine eigene unabhängige Kontrollinstanz sein. Erst durch die Kombination aus Noble BC, Finomet und Herrn Wirth als unabhängigem Prüfer entsteht etwas, das wirklich rund ist.
Herr Wirth, wie haben Sie diese Zusammenarbeit erlebt, aus einer Position, die ja normalerweise eher kritisch gegenüber der Branche ist?
Wirth: Kritisch aus 25 Jahren Erfahrung. Gegenüber Produktgebern - im Interesse der Vermittler und ihrer Kundinnen und Kunden. Deshalb war ich hier anfangs ebenfalls skeptisch.
Für mich war entscheidend, ob ich eigenständig prüfen kann oder auf Angaben des Anbieters angewiesen bin. Im vorliegenden Fall wurden mir weitgehende Zugriffs- und Kontrollrechte eingeräumt, die keineswegs selbstverständlich sind. So kann ich unmittelbar beim Versicherer überprüfen, ob die vereinbarten Versicherungsprämien tatsächlich entrichtet wurden. Die Bestätigung erhalte ich nicht vom Anbieter, sondern direkt von der Versicherung.
Solche Kontrollmöglichkeiten sind wesentlich. Eine externe Prüfung hat nur dann einen echten Mehrwert, wenn der Prüfer die maßgeblichen Tatsachen in den vereinbarten Prüfbereichen selbst überprüfen kann.
Und wie läuft das Audit dann konkret ab? Alles vom Schreibtisch aus oder gehen Sie auch wirklich vor Ort?
Wirth: Beides. Entscheidend ist die unmittelbare Besichtigung des Lagers, des Warenbestandes und der Sicherheitsvorkehrungen. Die Bestandskontrolle erfolgt stichprobenartig. Welche Positionen ich überprüfe, wähle ich eigenständig und ohne vorherige Abstimmung mit dem Lagerbetreiber aus. So beruht die Prüfung nicht auf vorbereiteten Einzelpositionen, sondern ermöglicht eine unabhängige Kontrolle des tatsächlichen Warenbestands.
Zusätzlich überprüfe ich die Prozesse bei Warenanlieferung und -einlagerung und stichprobenartig, ob die vorgesehenen - auch technischen - Abläufe eingehalten werden. Dazu gehören Qualifikations- und Schulungsnachweise sowie Sicherheitsvorkehrungen wie Zugangs- und Schlüsselregelungen, Berechtigungskonzepte, Fortbildungen und Belehrungen der Mitarbeiter. Ergänzend prüfe ich im vereinbarten Umfang die vertrags- und versicherungsrelevante Dokumentation. Wichtig ist: Eine solche Prüfung ist keine Vollinventur und keine Garantie für sämtliche denkbaren Risiken. Sie schafft aber eine zusätzliche, vom Anbieter unabhängige Tatsachengrundlage.
Pietsch: Und deshalb stellen wir uns dieser Prüfung. Wenn jemand mit dieser Genauigkeit hinschaut, reicht es nicht, nur zu behaupten, es sei alles in Ordnung. Es muss tatsächlich so sein.
Herr Pietsch, was genau meint „neuer Standard“ bei der Einlagerung von Seltenen Erden, strategischen Rohstoffen und Edelmetallen dann konkret?
Pietsch: Im Kern sind es drei Dinge. Erstens die eindeutige Zuordnung und physische Trennung der Bestände. Je nachdem, ob wir über Edelmetalle, Seltene Erden oder Technologiemetalle sprechen, spielen Herkunft, Reinheitsgrade und Chargen eine wichtige Rolle. Es muss exakt dokumentiert sein, welche Ware eingelagert wurde und wem sie zugeordnet ist.
Zweitens kommt mit Finomet die digitale Nachverfolgbarkeit hinzu. Warenbewegungen und Veränderungen am Bestand werden dokumentiert und bleiben nachvollziehbar.
Und drittens schaffen wir eine unabhängige Kontrolle. Digitale Dokumentation ist wichtig, reicht allein aber nicht. Deshalb werden Bestände und Prozesse zusätzlich durch eine unabhängige Instanz überprüft.
Ich bin seit Jahrzehnten in diesem Geschäft. Vieles wurde bislang über Vertrauen gelöst. Unser Anspruch ist, daraus einen überprüfbaren Standard zu machen.
Interview: Frank O. Milewski, Cash.














