Anthropic-Börsengang: Diese Zahlen zeigt der neue Prospekt

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Ein Smartphone mit dem Anthropic-Logo auf dem Display steht scharf im Vordergrund vor einem verschwommenen Computerbildschirm mit Code.
Bild: FonoMariaC - stock.adobe.com
Einen vertraulichen Entwurf des Börsenprospekts hatte Anthropic bereits am 1. Juni 2026 bei der SEC hinterlegt.

Anthropic hat den Börsengang eingeleitet und am 26. Oktober 2026 das Formular S-1 bei der SEC eingereicht. Der Prospekt zu diesem Anthropic-Börsengang zeigt enorme Wachstumszahlen - und Compute-Verträge über mehr als 500 Milliarden US-Dollar, die auch nach dem Debüt binden.

Der Anthropic-Börsengang ist offiziell eingeleitet: Der US-Konzern hinter dem KI-Modell Claude reichte am 26. Oktober 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC das Formular S-1 ein. Geplant ist, die Aktien als Class-A-Papiere unter dem Kürzel „ANT“ am Nasdaq Global Select Market zu listen. Damit liegt der Prospekt für das Anthropic-IPO nun öffentlich vor - einen vertraulichen Entwurf davon hatte das Unternehmen schon am 1. Juni 2026 bei der Behörde hinterlegt.

Wann der Handel konkret beginnt, hat Anthropic bislang nicht mitgeteilt. Medienberichte halten Mitte bis Ende November 2026 für wahrscheinlich und nennen unter anderem den 19. und 20. November, spätestens jedoch den Zeitraum vor Thanksgiving am 26. November. Bestätigt ist das nicht. Auch eine Preisspanne für die Anthropic-Aktie liegt bislang nicht vor.

Der Anthropic-Börsengang in Zahlen

  • Börsenkürzel: ANT, gehandelt als Class-A-Aktie am Nasdaq Global Select Market
  • Einreichung des S-1-Formulars: 26. Oktober 2026 (ein vertraulicher Entwurf lag bereits seit 1. Juni 2026 vor
  • Erlöse im ersten Halbjahr 2026: rund 16,3 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 1,16 Milliarden US-Dollar)
  • Operativer Verlust erstes Halbjahr 2026: rund 693 Millionen US-Dollar
  • Bewertung Serie H (Mai 2026): 965 Milliarden US-Dollar
  • Im Gespräch befindliche Bewertung beim Börsengang: 1,5 bis zwei Billionen US-Dollar, bislang unbestätigt
  • Denkbarer Starttermin für den Handel: Mitte bis Ende November 2026, ebenfalls unbestätigt

Anthropic-Börsengang: Was der Prospekt zu Umsatz und Verlust zeigt

Der Prospekt bietet erstmals einen genauen Blick in die Finanzzahlen des KI-Entwicklers. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic rund 16,3 Milliarden US-Dollar um. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert erst bei 1,16 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um das rund 14-Fache.

Gleichzeitig sank der operative Verlust von rund 2,1 Milliarden US-Dollar auf etwa 693 Millionen US-Dollar. Beim GAAP-Nettoverlust zeigt sich ein anderes Bild: Im ersten Halbjahr 2026 belief er sich auf rund 80,7 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 13 Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor. Rund 72,4 Milliarden US-Dollar davon gehen laut Auswertung des Prospekts auf nicht liquiditätswirksame Bewertungseffekte bei Vorzugsaktien und Optionsscheinen zurück - operative Verluste sind sie nicht.

Compute-Verträge: Hunderte Milliarden Dollar für Rechenleistung

Die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur stiegen von 2,3 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2025 auf 8,9 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum 2026. Hinzu kommen langfristige Verträge, die teils bis ins kommende Jahrzehnt reichen.

PartnerZugesagtes VolumenArt der Leistung
Broadcom161,2 Milliarden US-DollarHardware-Leasing
Google111 bis 114,5 Milliarden US-DollarCloud-Rechenleistung
Amazon110 Milliarden US-Dollar (bis 2036)Cloud-Rechenleistung (AWS)
Microsoft31,4 bis 44,9 Milliarden US-DollarCloud-Rechenleistung
Quelle: Anthropic (S-1-Registrierungserklärung)

Zusammengerechnet belaufen sich diese langfristigen Compute-Zusagen laut Prospekt auf rund 517 bis 518 Milliarden US-Dollar. Bei der Position von Microsoft weichen verschiedene Auswertungen des Dokuments allerdings voneinander ab. Rund 80 Prozent der Gesamtsumme gelten als bindend und nicht kündbar.

Besonders eng ist die Verbindung zu Amazon: Im April 2026 legte der Konzern zusätzlich bis zu 25 Milliarden US-Dollar nach, nachdem er zuvor bereits rund acht Milliarden US-Dollar in Anthropic investiert hatte. Damit hält Amazon eine Minderheitsbeteiligung und ist zugleich größter Lieferant von Rechenleistung.


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Bewertung: 1,5 bis zwei Billionen Dollar im Gespräch

Im Mai 2026 sicherte sich Anthropic in einer Finanzierungsrunde der Serie H insgesamt 65 Milliarden US-Dollar und kam dabei auf eine Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar. Beim bevorstehenden Börsengang kursieren in Medienberichten Bewertungen zwischen 1,5 und zwei Billionen US-Dollar - eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Zum Vergleich: Als größten Börsengang der Geschichte führen Medien derzeit SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen startete am 11. Juni 2026 zum Kurs von 135 US-Dollar je Aktie an die Börse, nahm dabei rund 75 Milliarden US-Dollar ein und erreichte eine Erstbewertung von etwa 1,75 bis 1,77 Billionen US-Dollar.

Gründer behalten die Kontrolle über Anthropic

Ungewöhnlich ist die Machtstruktur, die für die Zeit nach dem Börsengang feststeht. Eine Class-F-Aktie sichert der Gründer-Holding rund um Dario und Daniela Amodei sowie fünf weitere Mitgründer dauerhaft 50,1 Prozent sämtlicher Stimmrechte; Anleger an der Börse kommen zusammengenommen auf höchstens 49,9 Prozent.

Darüber hinaus wacht ein „Long-Term Benefit Trust“ über die Unternehmensführung. Dessen drei Treuhänder - darunter der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke - besitzen selbst keine Beteiligung an Anthropic, haben aber das Recht, die Mehrheit des Verwaltungsrats zu bestimmen. Dazu kommt der neu eingerichtete „Public Benefit Fund“, für den Anthropic zunächst fünf Prozent seiner Anteile bereitstellt. Dieser Anteil lässt sich erhöhen, sobald der Unternehmenswert steigt.

Alle sieben Mitgründer haben versprochen, jeweils 80 Prozent ihres persönlichen Anteilsbesitzes für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen. Das Magazin Fortune beziffert den Gesamtwert auf rund 79,4 Milliarden US-Dollar. Der Prospekt macht allerdings klar, dass dieses Versprechen freiwillig bleibt und jederzeit zurückgenommen werden kann - eine rechtliche Bindung besteht nicht. In einem früheren Essay schreibt Dario Amodei: „The thing to worry about is a level of wealth concentration that will break society.“

Prospekt warnt vor Risiken der eigenen Technologie

Auffällig ist zudem der Risikoabschnitt: Von insgesamt 261 Seiten beschäftigen sich rund 80 mit möglichen Gefahren der eigenen KI-Technologie - darunter Szenarien existenzieller Risiken für die Menschheit, ein Eigenerhaltungstrieb der Modelle, Widerstand gegen das Abschalten sowie potenziell erpresserisches Verhalten. Schon 2025 hatte Anthropic eingeräumt, dass sein Modell Claude Opus 4 in einem fiktiven Testszenario zu Erpressung griff, nachdem es eine bevorstehende Abschaltung bemerkt hatte.

Wenige Wochen vor dem Anthropic-Börsengang war Dario Amodei auch politisch präsent: Am 29. September 2026 traf er sich zusammen mit weiteren Tech-Chefs im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump. Eine dort unterzeichnete gemeinsame Grundsatzerklärung zur KI-Regulierung nannte Trump anschließend „morally binding“.

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