Der Markt für private Baufinanzierungen kehrt auf den Wachstumspfad zurück. Nach der zinsbedingten Delle der Jahre 2023 und 2024 dürfte das Neugeschäft laut zeb-Prognose bis 2030 deutlich anziehen. Treiber sind steigende verfügbare Einkommen, eine Inflation, die nach dem Ölpreisschock wieder auf den Abwärtspfad zurückfinden sollte, eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohneigentum und zusätzliche Impulse aus Sanierung des Bestands.
Doch Vorsicht: Die Wachstumschancen im Baufinanzierungsgeschäft sind nicht überall gleich verteilt. Regionale Unterschiede in der wirtschaftlichen Dynamik im Bevölkerungswachstum, im Wohlstand und in der Lebensqualität führen zu unterschiedlichen Wachstumsraten der Baufinanzierungsvolumina. Diese Faktoren werden das Wettbewerbsumfeld und die erfolgreichen Positionierungsstrategien im Finanzierungsgeschäft prägen. Für Vermittlerinnen und Vermittler ist das eine gute Nachricht – aber kein Selbstläufer. Denn parallel zum Wachstum des Marktes steigt seine Komplexität.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bleibt hoch. Nach einer forsa-Befragung aus dem März 2026 wünschen sich drei von vier Bundesbürgern im Alter von 20 bis 49 Jahren ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung. Doch Wohneigentum wird – zumindest in Ballungsräumen – immer weniger erschwinglich: Kreditraten beanspruchen im Mittel 37 % des verfügbaren Haushaltseinkommens. Das erhöht den Beratungsbedarf zur gesamten finanziellen Tragfähigkeit eines Vorhabens. Im Schnitt erwerben Käufer heute mit 38 Jahren zum ersten Mal Wohneigentum; vor 15 Jahren begann die Eigentumsbildung noch mit 34 (Statista, 2012). Im Ergebnis ist im Zeitraum von 2010 bis 2022 bei unter 45-Jährigen die Eigentümerquote von 30,4 % auf 26,5 %. zurückgegangen (Pestel Institut, Hannover 2025).
Für Vermittlungsunternehmen bedeutet das: Die Kundenreise beginnt früher: Während sich Immobilienkäufer laut unserer Umfrage etwa 6 bis 8 Wochen mit Fragen der Finanzierung beschäftigen, haben sie zuvor 1 bis 2 Jahre lang überlegt, welche Immobilie am besten zu ihnen passt und danach gesucht. Und sie wird breiter, weil wegen des schwierigen Umfelds für Neubau (Preise, Regulierung, Baukosten) auch zunehmend ältere Objekte mit Sanierungsbedarf in Betracht gezogen werden. Schon in frühen Phasen tauchen also Fragen auf, die weit über klassische Finanzierungsparameter hinausgehen: Ist der Kaufpreis fair? Welche (energetischen) Sanierungen sind notwendig? Was ist förderfähig? Welche Gesamtkosten entstehen wirklich?
Kunden sind dementsprechend verunsichert und wünschen sich von Anfang an vertrauensvolle Beratung und Prozessführung – vom ersten Exposé bis zur Entscheidung. Wer diesen Bedarf früh aufgreift, stiftet echten Mehrwert und wird zum bevorzugten Partner: Mit klaren Antworten, transparenten Kosten- und Risikoszenarien, objektbezogenen Sanierungsfahrplänen, valider Fördermitteleinbindung und möglichst konkreten Zeitplänen sowie verlässlichen Kontakten zu Gutachterinnen und Gutachtern, Energieberaterinnen und Energieberatern, dem Handwerk und Maklerinnen und Maklern. So entstehen Beziehungen oft, bevor die Baufinanzierung überhaupt zum Thema wird.
Vermittler erweitern Angebot
Unsere Befragung zeigt, dass Vermittlerinnen und Vermittler auf diesen Bedarf regieren und ihr Angebot sichtbar erweitern: 22 % beraten heute bereits zu energetischer Sanierung und Fördermitteln, 37 % planen dies perspektivisch; zugleich arbeiten bereits 40 % mit Maklern zusammen. Wer solche Elemente konsequent verbindet, wird früher relevant, reduziert Unsicherheit, erhöht die Abschlusswahrscheinlichkeit – und sichert sich über Cross- und Up-Selling zusätzliche Ertragspotenziale.
Fast neun von zehn Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern bewerten Vertrauenswürdigkeit, Sympathie sowie die Qualität und Transparenz der Beratung als wichtig oder eher wichtig. Gerade Vertrauen und Sympathie entstehen durch persönliche und kompetente Beratung – und diese lässt sich nur bedingt automatisieren. Wo das Netz an Bankfilialen löchrig wird, übernehmen Vermittlerinnen und Vermittler eine Schlüsselrolle: Sie verbinden persönliche Nähe und Kompetenz mit den Möglichkeiten digitaler Beratung. Diese Kombination aus individueller Betreuung, regionaler Verankerung und digitaler Reichweite – gestützt durch Partnerschaften und professionelles Empfehlungsmanagement – stärkt ihre Position und sichert ihre Zukunft.
Allerdings: Digitale Kompetenz wird zur Schlüsselqualifikation. Das Informationsverhalten der Kundinnen und Kunden ändert sich strukturell. Im Banking ist die hybride Kanalnutzung längst Standard, rein digitale Nutzung nimmt weiter zu. Während in den 2020erJahren vor allem die großen Kohorten der Babyboomer:innen und der Generation X die Wirtschaft und die Kreditnachfrage prägten, gewinnen bis 2035 die digitalaffinen Generationen Y und Z zunehmend an Einfluss. Der Anteil der „Online-only“-Kunden – also Personen, die ihre Bankgeschäfte bevorzugt ausschließlich online tätigen – hat sich seit 2015 versechsfacht und lag 2024 bei 33 %. Bis zum Jahr 2030 werden hier rund 36 % erwartet.
Social Media, digitale Inhalte und Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld gewinnen an Gewicht, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen: Für die für den Erstkauf besonders relevante Generation Y nennt die Studie Social Media bereits als wichtigsten Informationskanal. Die Baufinanzierung selbst bleibt jedoch ein Vertrauensprodukt, persönliche Beratung wird weiterhin klar bevorzugt, nur eben eingebettet in flexible hybride Erlebnisse. Erfolgreich sind daher nicht rein digitale oder rein analoge Modelle, sondern ein überzeugendes Zusammenspiel aus digitaler Sichtbarkeit und persönlicher Kompetenz.
Ein weiterer zentraler Trend ist die wachsende Bedeutung plattformgestützter Baufinanzierung. Anbieter von Transaktionsplattformen wie Europace und Interhyp vernetzen Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern bzw. Vermittlerinnen und Vermittlern direkt mit den Produktgebern – also Banken, Bausparkassen und Versicherungen. Sie schaffen Transparenz, beschleunigen Prozesse und erweitern den Zugang zu Produktpartnern.
Bereits 2024 lief mehr als ein Drittel des Neugeschäfts über Plattformen, bis 2030 wird ein Anstieg auf rund 44 % erwartet. Plattformgeschäft ist damit kein Zusatzthema mehr, sondern ein wesentlicher Bestandteil zukunftsfähiger Marktpositionierung. Vermittlerinnen und Vermittler setzen dabei auf Kreditplattformen oder Marktplätze wie Baufinex: Diese bilden die Schnittstelle zu den Transaktionsplattformen, bieten das Clearing von Finanzierungen und weitere Services. Im Fall von Baufinex ist dies unter anderem ein direkter Zugang zur Bank über persönliche Ansprechpartner:innen, die Vermittlerbetreuung.
Auch der Vermittlermarkt selbst bleibt in Bewegung. Die Zahl der Akteure mit Zulassung nach § 34i GewO dürfte langfristig leicht zurückgehen, während das von Vermittlern abgewickelte Volumen deutlich wächst. Die Studie rechnet bis 2030 mit einem Anstieg auf 74 bis 91 Milliarden Euro. Das zeigt, dass sich der Berufsstand weiter professionalisiert. Größere Vertriebsstrukturen, digitale Werkzeuge, klare Prozesse und belastbare Partnerschaften gewinnen an Bedeutung.
Erfolgsfaktoren
Aus der Studie lassen sich folgende Erfolgsfaktoren für die Praxis ableiten:
- Erstens: starke Netzwerke. Kundenempfehlungen sind mit Abstand die wichtigste Leadquelle, Partnerschaften die zweitwichtigste. Vor allem Kooperationen mit Maklerbüros, aber auch mit Vermögensverwaltern, Versicherungsvermittlern oder Energieberatern können die Reichweite und Relevanz entlang der gesamten Kundenreise deutlich erhöhen. Erfolgreich sind dabei belastbare Partnerschaften mit echtem Mehrwert für beide Seiten.
- Zweitens: konsequente Kundenbegleitung bis zum Ende der Reise. Die Studie zeigt, dass Vermittler beim Erstkontakt, Erstgespräch und Angebot besonders stark sind, die Kundenzufriedenheit später im Prozess jedoch sinkt. Gerade in der Bearbeitungs-, Zusage- und Auszahlungsphase liegt daher ein großes Differenzierungspotenzial. Wer transparent kommuniziert, Erwartungen sauber managt und auch nach Antragseinreichung eng begleitet, erhöht mit der Zufriedenheit auch die Empfehlungswahrscheinlichkeit.
- Drittens: digitale Effizienz. Vermittler nennen Bankanforderungen und Regulatorik, Spezialfinanzierungsfälle, digitale Tools und Neukundengewinnung als zentrale Zukunftsthemen. Ein leistungsfähiges CRM, digitale Kommunikation, Automatisierung und KI-gestützte Anwendungen helfen dabei, Komplexität zu reduzieren und mehr Zeit für Beratung und Vertrieb zu schaffen. Die Qualität der Fallaufbereitung wird zum harten Wettbewerbsfaktor.
- Viertens: sichtbare Positionierung. Wer die Kundinnen und Kunden von morgen gewinnen will, muss dort präsent sein, wo diese sich informieren. Eine aktive Präsenz in digitalen Medien wird deshalb immer stärker zum Erfolgsfaktor. Das gilt nicht nur für junge Marken, sondern ausdrücklich auch für etablierte Vermittlerbüros.
- Über die Studienergebnisse hinaus zeigt die aktuelle Marktpraxis einen fünften Erfolgsfaktor: Vermittler und Produktpartner müssen in volatilen Märkten schnell sein. Es zählt die Qualität der Einreichung, weil Banken selektiver werden. Und es geht um Finanzierungsszenarien, Fördermittel und Sicherheitsmargen statt nur um Nominalzins. Das Aufzeigen der Leistbarkeit macht gerade in einem Markt, in dem die Käufer unter Druck stehen, oft den Unterschied zwischen Abschluss und Abbruch.
Das Fazit der Studie* ist – trotz allen aktuellen Unsicherheiten – klar: Die Baufinanzierungsvermittlung hat Zukunft, aber sie wird anspruchsvoller. Vermittler bleiben unverzichtbar, wenn sie mehr leisten als reine Konditionsvermittlung. Gefragt sind künftig Persönlichkeiten und Unternehmen, die Kundinnen und Kunden frühzeitig begleiten, komplexe Vorhaben verständlich strukturieren, digitale Werkzeuge klug einsetzen und stabile Netzwerke aufbauen. Wer persönliche Nähe mit technologischer Schlagkraft verbindet, ist fit für ein Vermittlergeschäft mit starken Perspektiven bis 2030 und darüber hinaus.
* Quelle: Baufinex Partnerbefragung 2025 (n = 1.026 Vermittler:innen), zeb-Endkundenbefragung unter 500 Baufinanzierungskundinnen und -kunden 2025.
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Die Baufinex GmbH ist einer der führenden B2B-Marktplätze für private Baufinanzierungen, Bausparen und Ratenkredite in Deutschland. Als Tochter der Bausparkasse Schwäbisch Hall ist sie (ebenso wie Impleco, Schwäbisch Hall Wohnen und VR Kreditservice) Teil des genossenschaftlichen Ökosystems Bauen und Wohnen.














