Bauzinsen steigen leicht: Was Immobilienkäufer jetzt wissen sollten

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Marco Schöfl von Qualitypool vor einem Holzhaus und einem Prozentzeichen als Symbol für Bauzinsen und Immobilienfinanzierung.
Bild: Qualitypool GmbH, Art Mania – stock.adobe.com (generiert mit KI)
Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, erwartet bei einer weiteren Straffung der Geldpolitik zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Bauzinsen.

Die Bauzinsen sind im Juli gestiegen und bewegen sich im August zunächst seitwärts. Doch die nächsten Entscheidungen von EZB und Fed könnten neuen Aufwärtsdruck bringen. Was Finanzierungskunden jetzt beachten sollten.

Die Bauzinsen haben im Juli einen kleinen Aufwärtsschub verzeichnet. Nach dem Anstieg der Bestzinsen für zehnjährige Zinsbindungen von rund 3,4 auf etwa 3,7 Prozent zeichnet sich im August zunächst eine Seitwärtsbewegung auf etwas höherem Niveau ab.

Aktuell liegen die Bestzinsen für Finanzierungen mit zehnjähriger Zinsbindung bei etwa 3,6 bis 3,8 Prozent. Für 15-jährige Zinsbindungen bewegen sie sich bei rund 3,8 bis 4,0 Prozent.

Für die weitere Entwicklung rücken vor allem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in den Fokus. Steigende Inflationsraten und robuste Konjunkturdaten könnten den Druck auf beide Notenbanken erhöhen.

EZB lässt Leitzins unverändert

Die EZB hat ihren Hauptrefinanzierungssatz bei ihrer Sitzung Ende Juli bei 2,4 Prozent belassen. Nach der Zinserhöhung im Juni legte die Notenbank damit zunächst eine Pause ein.

Die Entscheidung fiel einstimmig, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Anschluss erklärte. Einzelne Ratsmitglieder beschäftigten sich allerdings mit der Frage, ob bereits im Juli ein weiterer Zinsschritt angezeigt gewesen wäre.

Neue Inflationsdaten dürften diese Diskussion verstärken. Die vorläufige Inflationsrate im Euroraum stieg im Juli auf 2,9 Prozent nach 2,8 Prozent im Juni. Die Kerninflation erhöhte sich von 2,4 auf 2,5 Prozent. Als wesentlicher Treiber erwies sich erneut die Energiekomponente vor dem Hintergrund des verschärften Konflikts im Nahen Osten.

Terminmärkte rechnen mit Zinsschritt im September

„Mit den ersten Inflationszahlen aus dem Juli ist der Spielraum für eine weitere Zinspause deutlich kleiner geworden“, ordnet Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, ein.

„Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation liegen wieder oberhalb der Werte vom Juni, und die Terminmärkte preisen für die Sitzung nach der Sommerpause am 10. September vergleichsweise klar eine Anhebung um 25 Basispunkte ein, mit der Möglichkeit eines weiteren Schritts bis Jahresende. Die überraschend robusten BIP-Zahlen für das zweite Quartal – die Eurozone wuchs um 1,0 % gegenüber den erwarteten 0,5 % – nehmen der EZB zumindest die Sorge, mit einer Zinserhöhung das Wachstum abzuwürgen.“

Damit könnte die September-Sitzung der EZB für die weitere Entwicklung der Finanzierungskosten eine wichtige Rolle spielen. Steigende Kapitalmarktzinsen könnten zusätzlichen Druck auf die Konditionen für Immobilienfinanzierungen ausüben.

Fed hält Zinsen erneut stabil

Auch die Federal Reserve verzichtete zuletzt auf eine weitere Zinsänderung. Unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh ließ die US-Notenbank den Leitzinskorridor zum zweiten Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent.

Im Offenmarktausschuss zeigte sich allerdings deutlicher Widerstand gegen diese Entscheidung. Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder votierten für eine sofortige Anhebung um 25 Basispunkte. Laut Qualitypool war dies der stärkste Dissens innerhalb des Gremiums seit zehn Jahren.

Die Terminmärkte sehen für die nächste Fed-Sitzung am 16. September inzwischen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung als für eine weitere Fortsetzung des bisherigen Zinskurses.


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US-Anleiherenditen steigen

Die Finanzmärkte reagierten deutlich auf die Fed-Sitzung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit 2007. Gleichzeitig gab der US-Dollar nach, während die Aktienmärkte Verluste verzeichneten.

„Das war ein klares Signal, dass die Märkte Warshs zurückhaltender Kommunikationsstrategie bisher nicht ohne Weiteres folgen“, kommentiert Schöfl. „Wenn eine Notenbank die Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung stärker den Marktteilnehmern überlassen möchte, wie es Walsh formuliert hat, dann steigt zugleich die Unsicherheit über den tatsächlichen geldpolitischen Kurs. Für den Anleihen- und Zinsmarkt in den USA und gegebenenfalls auch für Europa bedeutet das vorerst mehr Volatilität.“

Die Unsicherheit an den internationalen Anleihemärkten könnte damit auch für die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland relevant bleiben.

Bauzinsen zwischen 3,6 und 4,0 Prozent

Nach dem Anstieg im Juli bewegen sich die Bauzinsen im August zunächst seitwärts. Bei zehnjähriger Zinsbindung liegen die besten Konditionen laut Qualitypool derzeit zwischen rund 3,6 und 3,8 Prozent. Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren beträgt die Spanne etwa 3,8 bis 4,0 Prozent.

„Die Bauzinsen haben im Juli einen kleinen Sprung gemacht und bewegen sich vorerst auf einem etwas höheren Niveau als im ersten Halbjahr“, sagt Schöfl.

Für die nächsten Monate sieht er weiteres Aufwärtspotenzial: „Sollte die EZB im September tatsächlich nachlegen und gleichzeitig auch die Fed die Zügel anziehen, könnte mit weiterem Aufwärtsdruck zu rechnen sein. Finanzierungskunden sollten sich aktuell verfügbare Konditionen nicht auf die lange Bank schieben, sondern eher zeitnah sichern – etwa über ein Forward-Darlehen, falls die Anschlussfinanzierung erst in einigen Monaten ansteht.“

Kurzfristig erwartet Qualitypool damit eine leicht aufwärtsgerichtete Entwicklung bei erhöhter Schwankungsbreite. Auf längere Sicht geht das Unternehmen von konstanten bis etwas höheren Bauzinsen aus. Einfluss auf die Entwicklung könnten neben der Geldpolitik auch weitere geopolitische Entwicklungen und insbesondere der Iran-Konflikt nehmen.


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