Krypto-Anleger handeln an Banken vorbei

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Foto: Stock.Adobe.com/Tin
Neo-Broker und Kryptobörsen dominieren den Kryptomarkt. Banken droht der Verlust junger Kunden und neuer Ertragsquellen.

13 Prozent der Deutschen besitzen Kryptowährungen, weitere 11 Prozent erwägen den Einstieg. Beim Handel und bei der Verwahrung dominieren jedoch Neo-Broker und Kryptobörsen. Besonders für Banken entwickelt sich daraus eine strategische Herausforderung.

Kryptowährungen entwickeln sich in Deutschland zunehmend zu einer etablierten Anlageklasse. Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung BearingPoint besitzen bereits 13 Prozent der Bevölkerung digitale Währungen. Weitere 11 Prozent können sich einen Kauf vorstellen.

Besonders verbreitet sind Kryptowerte bei jüngeren Menschen. 21 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 28 Prozent der 25- bis 34-Jährigen besitzen entsprechende Anlagen. Unter den Angehörigen der Generation Z liegt der Anteil bei rund 22 Prozent, bei den Millennials bei 25 Prozent.

Damit wächst die Krypto-Nutzung vor allem in jenen Altersgruppen, die langfristig eine zentrale Zielgruppe für Banken, Vermögensverwalter und Finanzvermittler darstellen. Klassische Finanzinstitute profitieren davon bislang allerdings kaum.


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Neo-Broker dominieren den Kryptohandel

Bei den bevorzugten Handelsplattformen liegt Trade Republic mit 17 Prozent der Erstnennungen vorn. Dahinter folgen Binance mit 16 Prozent, Bitpanda mit 11 Prozent und Coinbase mit zehn Prozent. Auf Rang fünf steht Bison, das Kryptoangebot der Börse Stuttgart.

Auch bei der Verwahrung digitaler Vermögenswerte führen spezialisierte Anbieter. Trade Republic kommt auf 15 Prozent der Nennungen, Coinbase auf 14 Prozent und Binance auf 11 Prozent. Es folgen Bitpanda mit acht Prozent und Bison mit sieben Prozent. Zudem nutzen Anleger Lösungen wie MetaMask und die Hardware-Wallet Ledger.

Unter den zehn meistgenannten Anbietern findet sich damit kaum ein klassisches Finanzinstitut. Neo-Broker, Kryptobörsen und Wallet-Anbieter kontrollieren zunehmend den direkten Kundenzugang – und damit eine wichtige Schnittstelle für weitere Finanzdienstleistungen.

Deutsche und österreichische Anbieter genießen Vertrauen

Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum nehmen eine starke Marktposition ein. Mit Trade Republic, Bitpanda und Bison stammen drei der fünf beliebtesten Handelsplattformen aus Deutschland oder Österreich. Auch bei der Verwahrung gehören sie zu den bevorzugten Dienstleistern.

Nach Einschätzung von BearingPoint deutet dies darauf hin, dass Anleger bei digitalen Vermögenswerten Wert auf ein vertrautes regulatorisches Umfeld legen. Von diesem Vertrauen profitieren derzeit jedoch vor allem spezialisierte Plattformen und Neo-Broker.

Bei der Auswahl der Kryptowährungen konzentrieren sich deutsche Anleger überwiegend auf etablierte Werte. Drei Viertel der Kryptobesitzer halten Bitcoin. Ethereum folgt mit 33 Prozent, Solana mit 23 Prozent und XRP mit 18 Prozent. Stablecoins wie Tether oder USD Coin spielen eine deutlich kleinere Rolle.

MiCA erhöht den Handlungsdruck auf Banken

Für traditionelle Finanzinstitute wächst damit der strategische Druck. Wer beim Zugang zu Krypto-Anlegern den Anschluss verliert, riskiert nach Einschätzung der Studienautoren langfristig Kundenbeziehungen und zusätzliche Ertragsmöglichkeiten. Zugleich schafft die europäische MiCA-Regulierung mehr Rechtssicherheit für Anbieter und Anleger.

„Die Studie zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung im Finanzmarkt: Mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen handeln bereits mit Kryptowerten, klassische Finanzinstitute kommen dabei jedoch kaum vor. Der Markt für digitale Vermögenswerte wird derzeit vor allem von Krypto-Plattformen und Neo-Brokern besetzt. Nach Inkrafttreten der MiCA-Regulierung gibt es dafür kaum noch regulatorische Hindernisse als Erklärung. Für Banken wird die Frage deshalb zunehmend existenziell: Wollen sie bei der größten Veränderung des Anlagegeschäfts seit dem Aufkommen des Online-Bankings eine relevante Rolle spielen oder zusehen, wie neue Marktteilnehmer den Kundenzugang der Zukunft übernehmen?“, sagt Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint.


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