ADHS-Neudiagnosen bei Kindern steigen um 16 Prozent

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ADHS-Neudiagnosen steigen um 16 Prozent. Der DAK-Report zeigt Unterschiede nach Alter und Geschlecht.

Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist 2024 um 16 Prozent gestiegen. Besonders stark fällt die Zunahme bei Mädchen aus. Experten sehen darin auch ein Zeichen besserer Aufklärung – und fordern neue Versorgungskonzepte.

Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten in Deutschland erstmals eine Diagnose wegen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Neudiagnosen gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent. Hochgerechnet waren rund 202.000 junge Menschen betroffen. Das zeigt eine Sonderanalyse des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit.

Für die Untersuchung werteten Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld die Abrechnungsdaten von rund 800.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren aus. Die Analyse umfasst etwa 42 Millionen ambulante und stationäre Versorgungskontakte aus den Jahren 2019 bis 2024. Die stärksten Zuwächse bei den ADHS-Neudiagnosen zeigen sich 2023 und 2024.


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Im vergangenen Jahr erhielten 17 von 1.000 Kindern und Jugendlichen eine ADHS-Erstdiagnose. Der Anstieg erfasste alle Altersgruppen. Besonders deutlich fiel er bei den Zehn- bis 14-Jährigen aus: Hier nahm die Diagnoserate um 22 Prozent von 14,9 auf 18,3 Fälle je 1.000 Schulkinder zu. Am häufigsten wurde ADHS bei Fünf- bis Neunjährigen erstmals festgestellt. In dieser Altersgruppe waren 23,8 von 1.000 Kindern betroffen.

ADHS bei Mädchen häufig später erkannt

Jungen erhielten 2024 etwa doppelt so häufig eine ADHS-Neudiagnose wie Mädchen. Auf 1.000 Kinder und Jugendliche kamen 22,4 neu diagnostizierte Jungen und 11,3 Mädchen. Hochgerechnet entspricht das rund 136.500 Jungen und 65.000 Mädchen.

Die Zahl der Neudiagnosen wächst jedoch bei Mädchen schneller. Gegenüber 2023 legte sie um rund 21 Prozent zu, bei Jungen betrug das Plus gut 14 Prozent. Im Vergleich zu 2020 stieg die Diagnoserate bei Mädchen sogar um rund 46 Prozent.

Nach Einschätzung von Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen, war ADHS bei Mädchen lange unterdiagnostiziert. Die Symptome äußerten sich bei ihnen häufig weniger auffällig als bei Jungen. Hubmann fordert deshalb strukturierte und multiprofessionelle Angebote in der ambulanten Pädiatrie, klare diagnostische Abläufe sowie mehr Zeit für Gespräche mit Familien und Schulen.

Experten sehen mehrere Gründe für den Anstieg

ADHS ist eine multifaktoriell bedingte neuronale Entwicklungsstörung, bei der genetische Voraussetzungen und Umweltfaktoren zusammenspielen. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité, nennt zunehmenden Druck und Stress, mögliche Spätfolgen der Pandemie sowie einen erhöhten Medienkonsum als denkbare Einflussfaktoren.

Zugleich sei das Thema öffentlich präsenter. Ärztinnen und Ärzte, Eltern sowie Lehrkräfte seien heute besser über mögliche Symptome informiert. Dadurch könne ADHS früher erkannt und behandelt werden. Von einer Mode- oder generellen Überdiagnose könne laut Correll jedoch keine Rede sein.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sieht vor allem in einer besser vernetzten Versorgung Potenzial. „Wir brauchen ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen“, sagt Storm. Schulen spielten dabei eine zentrale Rolle, weil dort nahezu alle Kinder erreicht werden könnten.

Rund 617.000 junge Menschen in Behandlung

Insgesamt wurden 2024 rund 5,2 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen wegen einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Hochgerechnet entspricht das etwa 617.000 Kindern und Jugendlichen. Knapp ein Drittel von ihnen befand sich im untersuchten Zeitraum erstmals in Behandlung.

Die Hälfte der Betroffenen erhielt eine Verschreibung für Medikamente. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern: Rund 52 Prozent der Jungen und gut 44 Prozent der Mädchen bekamen 2024 ADHS-Medikamente verschrieben. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil bei beiden Geschlechtern um fünf Prozent.


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