Die deutsche Wirtschaft dürfte 2026 nach Einschätzung der Bundesbank deutlich stärker wachsen als noch im Sommer erwartet. Auf Grundlage der Entwicklung in den ersten beiden Quartalen sei Deutschland „auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni“, sagt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel der französischen Tageszeitung „Le Monde“.
Im Juni hatte die Bundesbank für das laufende Jahr noch ein preis- und kalenderbereinigtes Wachstum von 0,5 Prozent prognostiziert. Die jüngsten Konjunkturdaten fallen jedoch besser aus: Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Bereits im Schlussquartal 2025 war die deutsche Wirtschaft gewachsen.
Das Wachstum sei zwar weiterhin nicht besonders hoch, stellt Nagel fest. Positiv bewertet er jedoch die zuletzt recht soliden Exportzahlen und die zufriedenstellenden Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe.
Nagel warnt vor einem Ausstieg aus dem Euro
Zugleich warnt der Bundesbank-Präsident vor dem Erstarken populistischer Parteien. Mit Blick auf den Aufstieg der AfD in Deutschland sagt Nagel: „Es gibt Menschen in Deutschland, die vorgeben, Patrioten zu sein, und gleichzeitig vorschlagen, den Euro aufzugeben. Ich muss daran erinnern, dass Deutschland dank der Einheitswährung enormen Wohlstand erlangt hat – genau wie Frankreich und die gesamte Währungsunion.“
Ein Schritt in Richtung einer Auflösung der Währungsunion wäre nach Einschätzung Nagels unverantwortlich und extrem gefährlich. Das Ergebnis wäre kontraproduktiv. „Ich bin aufrichtig besorgt, dass Menschen in Deutschland – und anderswo – einen solchen Weg in Betracht ziehen.“















