Die Renditen deutscher Staatsanleihen steigen auf den höchsten Stand seit 2011. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen kletterte am Donnerstagvormittag zeitweise auf 3,205 Prozent. Anleger verlangen damit wieder deutlich höhere Zinsen für langfristige Staatsanleihen. Ein wesentlicher Treiber ist der jüngste Anstieg des Ölpreises. Brent nähert sich der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. An den Märkten wächst die Sorge, dass höhere Energiepreise die Inflation erneut anheizen und den Spielraum der EZB einschränken.
Außerdem dürfte Deutschland mit der Lockerung der Schuldenbremse in den kommenden Jahren deutlich mehr Anleihen emittieren. Um genügend Käufer für diesen wachsenden Schuldenberg zu finden, muss der Staat höhere Renditen bieten. Auch das treibt die langfristigen Zinsen nach oben.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick heute auf die EZB. Eine Zinspause gilt zwar als wahrscheinlich, doch sie könnte überraschend restriktiv ausfallen. Die Notenbank dürfte zunächst die Auswirkungen der geopolitischen Eskalation abwarten. Gleichzeitig steigen jedoch die Erwartungen der Märkte, dass es im weiteren Jahresverlauf noch mehrere Zinserhöhungen geben könnte. Entscheidend wird deshalb sein, wie Christine Lagarde den Ölpreisanstieg einordnet. Jede Andeutung, dass die EZB größere Inflationsrisiken sieht, dürfte die Zinserwartungen weiter nach oben treiben.
Für Aktienanleger sind das keine guten Nachrichten. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Finanzierungskosten, machen Anleihen attraktiver und könnten damit eine Fortsetzung der DAX-Rally erschweren.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.













