Trotz der erneuten Spannungen im Nahen Osten bleiben die europäischen Märkte bislang erstaunlich gelassen. Der DAX notiert leicht im Minus, die Futures auf den S&P 500 vorbörslich sogar leicht im Plus. Insgesamt halten sich die Marktbewegungen bislang in Grenzen. Auch Gold zeigt bislang kaum eine Reaktion und notiert nahezu unverändert. Deutlich mehr Aufmerksamkeit zieht derzeit dagegen der Ölpreis auf sich. Brent ist wieder über die Marke von 90 US-Dollar je Barrel gestiegen.
Die Eskalation zwischen den USA und Iran schürt erneut Sorgen um die globale Ölversorgung und rückt das Inflationsthema wieder in den Mittelpunkt. Jede weitere Zuspitzung des Konflikts könnte die Energiepreise zusätzlich nach oben treiben. Je länger sich der Ölpreis über 90 US-Dollar hält oder weiter steigt, desto größer dürfte auch der Druck auf die Aktienmärkte werden. Damit würden auch die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen wieder steigen. Der Markt muss derzeit zwei große Risiken gleichzeitig verarbeiten. Auf der einen Seite belasten die geopolitischen Spannungen und die steigenden Ölpreise. Auf der anderen Seite läuft die Neubewertung der KI-Story im Technologiesektor weiter.
Sollte sich der Ölpreis dauerhaft über 90 US-Dollar halten, könnte sich die Inflationsentwicklung erneut verschlechtern. Das würde den Spielraum der Fed einschränken und könnte insbesondere Wachstumsaktien belasten. Anhaltende geopolitische Spannungen oder eine weitere Eskalation sowie enttäuschende Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne könnten die Stimmung an den Börsen deutlich belasten. Das wäre derzeit das ungünstigste Szenario für die Märkte. Der nächste große Stimmungstest steht bereits am Mittwoch an, wenn Alphabet und Tesla ihre Quartalszahlen vorlegen.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.












