EXTRA Immobilien & Sachwertanlagen: So trotzen Sie Zinsen, Krieg & Co

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Die deutsche Wirtschaft kommt weiter nicht in Gang. Die Bundesregierung streitet viel und handelt wenig. Iran-Krieg, Ölpreis, Zins- und Inflationsängste drücken auf die Stimmung. Welche Arten von Immobilien und Sachwertanlagen bieten auch in diesem Umfeld Chancen? Die Ausgangslage.

Einmal mehr ist das Segment der Sachwertanlagen in Unruhe. Sah es Anfang des Jahres vor allem im Immobilienmarkt noch so aus, als könne es bald wieder langsam bergauf gehen, haben der Iran-Krieg ab Ende Februar und die damit verbundene Sorge vor steigenden Zinsen und einem weiteren Schub der Baukosten den Akteuren einen neuen Dämpfer versetzt. Zudem hat sich das allgemeine konjunkturelle Umfeld nach einem kurzen Mini-Wachstum wieder eingetrübt und die Verunsicherung von Kunden und Vertrieb ist groß. Hinzu kommt eine Bundesregierung, die zwar viel ankündigt, bislang aber wenig umsetzt.

So ist auch das Angebot an neuen alternativen Investmentfonds (AIF) für Privatanleger derzeit stark ausgedünnt, die Platzierung der vorhandenen Fonds nicht einfach. Und doch gibt es auch – oder vielleicht gerade – in dieser Phase Chancen. So sind die Assetpreise gegenüber 2022 vielfach signifikant gefallen, haben sich aber überwiegend stabilisiert und bieten damit ein entsprechend moderates Einstiegsniveau. Zudem wird wegen der zuletzt stark gestiegenen Öl-, aber auch Düngemittelpreise allgemein eine wieder anziehende Inflationsrate erwartet. Wer Sachwerte besitzt, ist dann im Vorteil.

Bei Wohnungen kommt hinzu: Der Neubau bleibt beim aktuellen Zinsniveau wegen der hohen Baukosten und ausufernder Vorschriften schwierig. Die für ein erfolgreiches Investment notwendigen Neubau-Mieten sind für das typische Klientel kaum noch bezahl- beziehungsweise nicht durchsetzbar. Die Bundesregierung hat zwar allerlei Maßnahmen angekündigt, die Umsetzung kommt aber nur im Schneckentempo voran. 

So war die Zahl der Fertigstellungen im Jahr 2025 mit insgesamt knapp 207.000 Wohnungen so niedrig wie seit 2012 nicht mehr. Im ersten Quartal 2026 ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen gegenüber den drei ersten Monaten des Vorjahres zwar um 14,6 Prozent gestiegen, aber bis der Neubau wieder ein auskömmliches Niveau erreicht und die bestehende Lücke, die auf bis zu eine Million Einheiten geschätzt wird, geschlossen werden kann, werden wohl noch viele Jahre ins Land gehen.

Das erhöht den Wert und die Nachfrage nach Bestandswohnungen – vor allem dann, wenn sie modernisiert und energetisch saniert, aber dennoch bezahlbar sind. Nennenswerte Leerstände sind in diesem Segment kaum zu erwarten. Bei anderen Nutzungsarten ist die Entwicklung weniger einheitlich. Manche Segmente wie Büros und Einkaufszentren gelten unter anderem wegen der Stichworte Homeoffice und Onlinehandel weiter als wackelig, vor allem außerhalb der Top-Lagen. Bei anderen wie Nahversorgung oder Logistik wird hingegen von einer Stabilisierung berichtet – sofern die langfristige Vermietung gewährleistet ist. Generell sind nach verschiedenen Marktberichten die Preise beziehungsweise die Kaufpreisfaktoren (Verhältnis von Kaufpreis zu Jahres-Nettomiete) spürbar gesunken, was die Chance auf einen entsprechend günstigen Einstieg mit sich bringt. 

Das gilt auch für den Immobilienfonds-Zweitmarkt, also den Erwerb von Anteilen an bestehenden Fonds. In diesem Bereich sind die Konditionen im Vergleich zu früheren Jahren ebenfalls oft günstig, auch weil viele Fondsanleger ihre Anteile verkaufen möchten, es aber nur wenige Kauf-Interessenten gibt, berichtet HTB. Vorteil kann zudem sein, dass die Zielfonds bereits bestehen, ihre Entwicklung bekannt ist und sich gegebenenfalls ein Portfolio aus Anteilen an Fonds verschiedener Anbieter und Nutzungsarten zusammenstellen lässt, die am Erstmarkt derzeit zum Teil gar nicht verfügbar sind.

Neben Immobilien sind aktuell nur wenige Assetklassen aktiv im Vertrieb. Dazu zählt Erneuerbare Energie, an erster Stelle Wind- und Photovoltaikanlagen. Obwohl Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) teilweise auf der Bremse steht, geht der Ausbau der Kapazitäten rasant weiter. Der Bedarf ist gewaltig: Es geht nicht nur um den Ersatz fossiler Kraftwerke, sondern auch um den zusätzlichen Strombedarf für die Elektromobilität, für die vielen Wärmepumpen zur Ablösung fossiler Heizungen und für den riesigen Energiehunger von Rechenzentren und KI. 

Neben den Energieanlagen selbst rückt dabei ein weiteres Asset verstärkt in den Blick: Stromspeicher, um technisch die unstete Stromproduktion aus Wind- und Sonne sowie wirtschaftlich die schwankenden Preise an der Strombörse abfedern zu können. Dabei geht es nach dem aktuellen technischen Stand in erster Linie um Batteriespeicher, deren Preise erheblich gefallen sind und die derzeit vor allem in Zusammenhang mit Solaranlagen massenhaft aufgestellt werden. 

Lesen Sie auf den nächsten Seiten die Positionen und Prognosen von Fondsanbietern aus den Assetklassen deutsche Bestands-Wohn­immobilien, Immobilienfonds-Zweitmarkt und Erneuerbare Energien sowie des Vorsitzenden des Branchenverbands zur jeweiligen Marktentwicklung, zum Vertrieb ihrer Fonds und zur Sachwert-Branche insgesamt. Gordon Grundler (Primus Valor), Jörg-Karsten Hagen (HTB Fondshaus) und Klaus Wolfermann (VKS) trafen sich persönlich zum Roundtable in der Cash.-Redaktion. Jörg Busboom (Ökorenta) musste seine Teilnahme vor Ort krankheitsbedingt absagen und wurde mit seinen Statements nachträglich berücksichtigt. 

Dieser Artikel ist Teil des EXTRA Immobilien & Sachwertanlagen. Alle Artikel des EXTRA finden Sie hier.

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