KI-Investitionen im Finanzsektor wachsen schneller als die Organisationsreife

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Zwei Fachleute stehen nah an großen Monitoren in einem Kontrollraum, auf denen abstrakte grün-graue Kursflächen ohne Beschriftung leuchten.
KI-generiert mit OpenAI
Laut der HTEC-Studie sehen 83 Prozent der befragten deutschen Institute die größte Hürde bei der KI-Skalierung nicht in der Technik, sondern in Menschen und Prozessen.

Laut einer neuen HTEC-Studie steigen die KI-Investitionen im Finanzsektor in Deutschland deutlich - doch nur 46 Prozent der Institute nutzen Künstliche Intelligenz bereits im großen Stil. Die Umfrage zeigt, woran die Skalierung meist scheitert.

Deutsche Banken, Versicherer und Vermögensverwalter geben mehr Geld für Künstliche Intelligenz aus als je zuvor - die Organisation dahinter hält damit aber nicht Schritt. Das zeigt der „HTEC AI Value Realization Report 2026: Financial Services & Insurance“. Die Studie beruht auf einer Befragung von Führungskräften aus der Finanz- und Versicherungsbranche. Das zentrale Ergebnis: Die KI-Investitionen im Finanzsektor wachsen deutlich schneller als deren Reifegrad.

Unter den deutschen Instituten, die KI bereits einführen, melden 88 Prozent steigende Investitionen im vergangenen Jahr. Bei 57 Prozent sind die Budgets sogar deutlich gewachsen. Dennoch nutzen bislang erst 46 Prozent KI in der Skalierungsphase oder als wesentlichen Baustein ihres Geschäftsmodells.

Als größere Bremse gelten dabei Menschen und Prozesse: 83 Prozent der befragten deutschen Institute sehen das Haupthindernis dort und nicht in der eingesetzten Technik.

Neue Erlösquellen treiben die KI-Investitionen im Finanzsektor

Die Erwartungen an KI verschieben sich. Nur 15 Prozent der befragten deutschen Unternehmen nennen Kostensenkungen als wichtigstes Ziel ihrer Investitionen. Jeweils 30 Prozent verfolgen stattdessen vorrangig neue Umsatzquellen oder eine höhere Produktivität.

Den Erfolg solcher Projekte messen die Institute allerdings uneinheitlich. 40 Prozent setzen vor der Freigabe einer KI-Initiative ein formales ROI-Modell voraus. 25 Prozent ermitteln den wirtschaftlichen Nutzen dagegen erst im Nachhinein. Ein einheitlicher Maßstab über die gesamte Projektlaufzeit fehlt damit.

Governance bei KI-Investitionen im Finanzsektor hinkt hinterher

Auch beim Risikomanagement zeigt die Umfrage Lücken. 35 Prozent der deutschen Institute messen Risiken ausschließlich bei Systemen mit hohem Risiko. Nur fünf Prozent blicken systematisch auf die Risiken ihres gesamten KI-Portfolios. Zudem geben 25 Prozent an, deutlich stärker auf externe Unterstützung angewiesen zu sein, als sie zunächst erwartet hatten.


Das könnte Sie auch interessieren:

KennzahlAnteil der befragten deutschen Institute
Investitionen in KI in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen88 Prozent
Investitionen deutlich gestiegen57 Prozent
In Skalierungsphase oder KI fester Bestandteil des Geschäftsmodells46 Prozent
Menschen und Prozesse als größeres Hindernis als die Technik83 Prozent
Kostensenkung als wichtigstes Ziel15 Prozent
Neue Umsatzquellen als wichtigstes Ziel30 Prozent
Produktivitätssteigerung als wichtigstes Ziel30 Prozent
Formales ROI-Modell vor Genehmigung erforderlich40 Prozent
Bewertung des wirtschaftlichen Ertrags erst nach Umsetzung25 Prozent
Risikomessung nur bei Hochrisiko-Systemen35 Prozent
Systematische Risikoerfassung über gesamtes KI-Portfolio5 Prozent
Höherer Bedarf an externer Unterstützung als erwartet25 Prozent
Quelle: HTEC, Erhebung von Censuswide (9. bis 24. Juli 2026)

Was HTEC Finanzdienstleistern bei KI-Investitionen rät

Aus den Befunden leitet HTEC Konsequenzen für die nächste Phase der KI-Investitionen im Finanzsektor ab. Demnach reicht es nicht aus, weitere Technologie einzukaufen. Wichtiger sei es, die Grundlage für eine breite Nutzung zu legen: dazu zählen eindeutige Geschäftsziele, verlässliche Daten, klare Zuständigkeiten, ein einheitlicher Maßstab für den Erfolg und eine Governance, die zum jeweiligen Risiko passt.

Je mehr Institute sogenannte agentische KI-Workflows in ihre Abläufe einbinden, desto wichtiger werden laut HTEC genau diese Grundlagen. Damit ändern sich zugleich die Anforderungen an externe Partner. Gefragt ist Unterstützung, die Strategie und technische Umsetzung mit organisatorischem Wandel verbindet, Transparenz über KI-gestützte Entscheidungen schafft und deren Nachvollziehbarkeit sicherstellt.

Welche Rahmenbedingungen über den Erfolg solcher Projekte entscheiden, bringt Philip Otley, Global Managing Partner bei HTEC, auf den Punkt: „Ob Unternehmen mit KI die gewünschten Ergebnisse erzielen, hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen rund um die Technologie ab: Wie sie KI in ihre Abläufe integrieren, ob es klare Verantwortlichkeiten für die Ergebnisse gibt und ob die Mitarbeitenden dazu befähigt werden, KI konsequent zu nutzen.“

Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Censuswide im Auftrag von HTEC zwischen dem 9. und 24. Juli 2026 Führungskräfte der Finanz- und Versicherungsbranche weltweit, darunter auch in Deutschland.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments