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GmbH statt Privatdepot: Geschäftsführer verschenken oft Hunderttausende Euro für die Altersvorsorge

Foto: Vetter Consulting
Tobiass Vetter: "Bleibt das Kapital dagegen länger innerhalb geeigneter Unternehmensstrukturen investiert, kann der Zinseszinseffekt auf einer deutlich höheren Grundlage wirken."

Viele GmbH-Geschäftsführer investieren Gewinne erst, nachdem sie vollständig versteuert wurden – und verschenken damit erhebliches Kapital. Entscheidend ist oft nicht die Anlagestrategie, sondern die Reihenfolge von Besteuerung und Investition. Was das konkret bedeutet, zeigt ein Zahlenvergleich.

Viele GmbH-Geschäftsführer investieren für ihre Altersvorsorge in ETFs, Fonds oder Immobilien. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Problematisch wird es allerdings, wenn das Kapital zuvor den kompletten privaten Steuerweg durchlaufen muss. Genau das ist in der Praxis häufig der Fall.

Statt Gewinne innerhalb der Unternehmensstruktur weiterarbeiten zu lassen, werden sie als Gehalt oder Ausschüttung entnommen und anschließend privat investiert. Dadurch reduziert sich das verfügbare Kapital erheblich, noch bevor die erste Rendite erzielt wird. Langfristig kann dieser Unterschied einen spürbaren Einfluss auf den Vermögensaufbau haben.

Der eigentliche Fehler passiert vor der Geldanlage

Wer Vermögen aufbauen möchte, denkt meist zuerst an die passende Anlagestrategie. Für Geschäftsführer ist jedoch oft eine andere Frage entscheidender: Wie viel Kapital steht nach Steuern überhaupt für Investitionen zur Verfügung?

Bei hohen Einkommen greifen regelmäßig die Spitzensteuersätze. Erfolgt die Entnahme über Gewinnausschüttungen, fällt die Besteuerung zunächst auf Ebene der GmbH und anschließend beim Gesellschafter an. In vielen Fällen bleiben dadurch nur rund 50 bis 52 Prozent des ursprünglich erwirtschafteten Gewinns übrig.

Genau mit diesem Betrag beginnt anschließend der private Vermögensaufbau. Gleichzeitig unterliegen Dividenden, Kursgewinne und weitere Kapitalerträge später erneut der Besteuerung. Der Zinseszinseffekt arbeitet somit auf einer deutlich kleineren Grundlage.

Warum die Unternehmensstruktur ein entscheidender Hebel sein kann

Anders sieht die Situation aus, wenn Gewinne zunächst innerhalb der Gesellschaft verbleiben. In diesem Fall steht ein größerer Kapitalbetrag für Investitionen zur Verfügung, da keine sofortige Besteuerung auf Gesellschafterebene erfolgt.

Das bedeutet nicht, dass die Steuer dauerhaft entfällt. Vielmehr wird sie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Vorteil entsteht dadurch, dass das Kapital bis dahin weiter investiert bleibt und zusätzliche Erträge erwirtschaften kann.

Gerade bei langfristigen Anlagezeiträumen wirkt sich dieser Effekt deutlich aus. Schließlich entscheidet nicht nur die Rendite über das Endvermögen, sondern auch die Höhe des investierten Ausgangskapitals. Jeder zusätzliche Euro, der investiert werden kann, erwirtschaftet wiederum Erträge und verstärkt dadurch den Zinseszinseffekt.

Unter bestimmten Voraussetzungen profitieren Kapitalgesellschaften zudem von steuerlichen Begünstigungen bei Beteiligungen. Dadurch können Dividenden und Veräußerungsgewinne weitgehend innerhalb der Unternehmensstruktur reinvestiert werden.

Häufige Denkfehler bei der Ruhestandsplanung

Viele Geschäftsführer konzentrieren ihr gesamtes Vermögen im operativen Unternehmen. Damit hängen Einkommen, Unternehmenswert und Altersvorsorge unmittelbar voneinander ab. Gerät die Firma unter Druck, betrifft das häufig mehrere Bereiche gleichzeitig.

Aus diesem Grund setzen zahlreiche Unternehmer auf eine Trennung zwischen operativem Geschäft und Vermögensaufbau. Holdingstrukturen dienen dabei oft als Instrument, um Vermögenswerte außerhalb des laufenden Unternehmensrisikos aufzubauen.

Auch Pensionszusagen sollten sorgfältig geprüft werden. Zwar können sie steuerliche Vorteile bieten, gleichzeitig entstehen langfristige Verpflichtungen, die spätere Unternehmensverkäufe erschweren können. Ebenso wird die betriebliche Altersvorsorge in der Praxis häufig nicht konsequent genutzt, obwohl sie zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen kann.

Wie groß der Unterschied in der Praxis sein kann

Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen: Ein Geschäftsführer erwirtschaftet über 20 Jahre hinweg jährlich 100.000 Euro Gewinn und erzielt auf seine Anlagen durchschnittlich sieben Prozent Rendite. Wer nach einer Gesamtbelastung von rund 48 Prozent lediglich 52.000 Euro pro Jahr privat investiert, erreicht langfristig ein Vermögen von etwa 1,85 Millionen Euro.

Wer dagegen rund 70.000 Euro innerhalb einer Unternehmensstruktur investiert, kommt im gleichen Zeitraum auf ungefähr 2,9 Millionen Euro. Selbst wenn bei einer späteren Entnahme weitere Steuern anfallen, bleibt häufig ein deutlicher Vermögensvorsprung bestehen.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine außergewöhnlich hohe Rendite, sondern die Tatsache, dass über Jahrzehnte hinweg mit einem deutlich größeren Kapitalstock gearbeitet werden kann.

Fazit

Bei der Altersvorsorge von GmbH-Geschäftsführern entscheidet nicht allein die Wahl der Kapitalanlage über den Erfolg. Oft ist die Reihenfolge von Besteuerung und Investition der entscheidende Hebel.

Wer Gewinne frühzeitig privat vereinnahmt, reduziert seine Investitionsbasis von Anfang an. Bleibt das Kapital dagegen länger innerhalb geeigneter Unternehmensstrukturen investiert, kann der Zinseszinseffekt auf einer deutlich höheren Grundlage wirken.

Die GmbH ist dabei kein Instrument zur Steuervermeidung. Häufig werden Steuern lediglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Genau dieser Aufschub kann jedoch dazu beitragen, dass über Jahre hinweg mehr Kapital investiert bleibt und zusätzliche Erträge erwirtschaftet.

Autor Tobias Vetter ist Finanzberater und Geschäftsführer der Vetter Group. Er unterstützt Selbstständige, Unternehmer und GmbH-Geschäftsführer dabei, ihre Steuerlast legal zu minimieren und ihre Finanzen strategisch zu strukturieren. Mit einem ganzheitlichen Ansatz verbindet er Vertragsgestaltung, Vorsorge und Vermögensaufbau zu einer durchdachten Steuerstrategie. Sein Credo: „Steuern sparen ist kein Trick – es ist eine Frage der Struktur.“ Weitere Informationen unter www.vetter-consulting.de

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