Goldpreis bei 4.000 Dollar: Minenunternehmen bauen Finanzpolster aus

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Imaru Casanova, VanEck
Foto: Valerie Caviness
Imaru Casanova, VanEck: „Der bei den aktuellen Goldpreisen aufgebaute Margenpuffer ist erheblich. Die Unternehmen brauchen keinen weiter steigenden Goldpreis, um hochprofitabel zu bleiben."

Steigende Energiepreise und Inflation gelten als Belastung für Goldminen. VanEck-Portfoliomanagerin Imaru Casanova hält diese Sorge jedoch für überzogen. Entscheidend sind die hohen Margen und eine Besonderheit des Geschäftsmodells.

Gold legte im Juli um 0,95 Prozent zu und schloss den Monat bei 4.046,15 US-Dollar je Unze. Nach Angaben des World Gold Council blieb die Nachfrage mit 1.269 Tonnen gegenüber dem Vorjahr stabil und stieg gegenüber dem Vorquartal um ein Prozent. Schwächere Käufe von Investoren wurden durch eine höhere Nachfrage der Zentralbanken ausgeglichen.

Goldminenaktien entwickelten sich dagegen volatil. Nach einer Erholung zu Monatsbeginn verloren sie an Schwung, als der Goldpreis nachgab. Zugleich beschäftigt Anleger die Frage, wie stark steigende Produktions-, Energie- und Personalkosten die Gewinne der Minenbetreiber belasten könnten.

„Das ist eine berechtigte Sorge in einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, hohen Energiepreisen und anhaltender Inflation geprägt ist. Wir halten sie jedoch weitgehend für übertrieben“, schreibt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin Gold und Edelmetalle bei VanEck.


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Goldpreis wirkt als natürliche Absicherung

Die Besonderheit des Sektors liegt Casanova zufolge darin, dass dieselben Faktoren, die die Kosten erhöhen, häufig auch den Goldpreis stützen. „Das makroökonomische Umfeld, das ihre Kostenstruktur belastet, einschließlich Inflation, Währungsentwertung und monetärer Unsicherheit, hat gleichzeitig ihren wichtigsten Umsatztreiber, den Goldpreis, nach oben getrieben.“

Diese natürliche Absicherung zeigt sich derzeit besonders an den Energiemärkten. Hohe Öl- und Dieselpreise verteuern zwar den Minenbetrieb. Zu ihren wesentlichen Ursachen zählen jedoch geopolitische Spannungen, der Krieg in der Ukraine, Konflikte im Nahen Osten, fragmentierte Lieferketten und ein zunehmender Ressourcen-Nationalismus.

„Genau dies sind die Bedingungen, unter denen Gold historisch seine wichtigste Rolle erfüllt hat: als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit.“ Steigende Energiepreise können deshalb die Kosten der Produzenten erhöhen und zugleich die Nachfrage nach Gold antreiben.

Treibstoff ist nicht der größte Kostenfaktor

Nach Einschätzung Casanovas überschätzen viele Anleger den Anteil der Energiekosten an den gesamten Betriebsausgaben. „Die Sensitivität gegenüber dem Ölpreis ist vorhanden, aber sie ist nicht der dominante Kostenfaktor. Sie ist ein Bestandteil unter mehreren.“ Der größte Kostenblock sei die Arbeit, nicht der Treibstoff.

Zudem verringern zahlreiche Minenbetreiber ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Energiepreisschwankungen. Dazu nutzen sie langfristige Lieferverträge, erneuerbare Energien und Absicherungsprogramme.

„Bei einem aktuellen Goldpreis von rund 4.000 US-Dollar pro Unze erzielt der Sektor derzeit operative Margen von ungefähr 2.000 US-Dollar pro Unze, damit gehören sie zu den höchsten in der Geschichte der Branche.“ Selbst wenn der Goldpreis unverändert bliebe und die Kosten um zehn bis 15 Prozent stiegen, würde der Sektor laut Casanova weiterhin einen beträchtlichen freien Cashflow je Unze erwirtschaften.

Hohe Margen stärken die Goldminenunternehmen

„Der bei den aktuellen Goldpreisen aufgebaute Margenpuffer ist erheblich. Die Unternehmen brauchen keinen weiter steigenden Goldpreis, um hochprofitabel zu bleiben“, so Casanova. Die Energieabhängigkeit sei zwar vorhanden, werde aber teilweise abgesichert und strukturell häufig überschätzt.

Die hohen Mittelzuflüsse versetzen die Unternehmen nach Einschätzung der Portfoliomanagerin in die Lage, Ausschüttungen an Aktionäre zu finanzieren, Verpflichtungen zu bedienen und in die künftige Produktion zu investieren. Dafür sei keine ambitionierte Annahme zur weiteren Entwicklung des Goldpreises erforderlich.

„In vielerlei Hinsicht befinden sie sich in der stärksten finanziellen Position, die der Sektor seit Jahren gesehen hat“, so Casanova.


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