Iran-Einigung entschärft das Inflationsrisiko und die Fed dürfte stillhalten

Foto: Lazard Asset Management
Ron Temple, Chief Market Asset Strategist bei Lazard Asset Management

Die Einigung zwischen den USA und Iran senkt laut Lazard-Stratege Ronald Temple die kurzfristigen Risiken für Märkte und Energiepreise. Doch ganz entwarnt ist die Lage noch nicht.

„Die Vereinbarung zwischen den USA und Iran ist ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Lage im Nahen Osten und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Eskalation erheblich“, erklärt Temple. „Für die Märkte ist dies vor allem deshalb relevant, weil sich damit das Risiko eines weiteren Energiepreisschocks verringert.“

Nach Einschätzung von Temple könnten die Energiemärkte jedoch zu optimistisch davon ausgehen, dass sich die Situation kurzfristig vollständig normalisiert. Zwar dürfte die Vereinbarung dazu beitragen, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus schrittweise wiederherzustellen. Der Prozess werde jedoch Zeit benötigen. „Die Normalisierung der Energie- und Lieferströme dürfte eher Monate als Wochen in Anspruch nehmen“, so Temple. „Hinzu kommt, dass die globalen Energiereserven zuletzt deutlich zurückgegangen sind. Selbst begrenzte Verstöße gegen die Waffenruhe könnten deshalb erneut starke Marktreaktionen auslösen.“

Auswirkungen auf Inflation und Geldpolitik

Die geopolitische Entspannung hat aus Sicht von Temple auch unmittelbare Konsequenzen für die Geldpolitik. Die US-Notenbank hatte auf ihrer jüngsten Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh zwar einen vergleichsweise restriktiven Ton angeschlagen. Gleichwohl rechnet Temple weder in diesem noch im kommenden Jahr mit weiteren Zinserhöhungen. „Die Märkte preisen derzeit zusätzliche Straffungen der Geldpolitik ein. Wir halten dies für zu aggressiv“, sagt Temple. „Wenn die Energiepreise weiter nachgeben und die Inflationsrisiken zurückgehen, dürfte der Druck auf die Fed sinken, die Zinsen erneut anzuheben.“

Die jüngste Fed-Sitzung war die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Die Märkte würden nun genau beobachten, ob sich die geldpolitische Strategie der US-Notenbank verändert, so Temple. „Die jüngsten Entwicklungen sprechen jedoch eher für eine Phase geldpolitischer Stabilität als für einen neuen Zinserhöhungszyklus“, so Temple. „Für Anleger bedeutet das, dass geopolitische Entwicklungen und deren Einfluss auf die Energiepreise kurzfristig wichtiger bleiben dürften als zusätzliche Zinsschritte der Fed.“


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