Der Brent-Future fällt am Dienstag um rund 2 Prozent auf 82 US-Dollar und notiert damit mehr als 30 Prozent unter dem März-Hoch. Von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Dafür bleibt das Preisniveau weiterhin zu hoch.
Jede neue Meldung zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sorgt derzeit für starke Kursschwankungen. Der Ölpreis wird fast ausschließlich von geopolitischen Schlagzeilen bestimmt, während das Risiko weiterer Lieferunterbrechungen hoch bleibt. Die Folgen reichen inzwischen weit über den Energiemarkt hinaus. Hohe Ölpreise bremsen die Weltwirtschaft, erhöhen den Inflationsdruck und belasten Konsum, Industrie sowie Unternehmensgewinne. Besonders betroffen sind große Energieimporteure wie China und Indien.
Auch Deutschland gehört zu den größten Energieimporteuren Europas und spürt die Auswirkungen unmittelbar. Höhere Öl- und Energiepreise erhöhen den Kostendruck der Industrie und erschweren eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft. Der Handlungsspielraum bleibt aufgrund der strukturellen Importabhängigkeit begrenzt. Deutschland ist den Weltmarktpreisen zwar nicht schutzlos ausgeliefert, befindet sich aber häufig im Krisenmodus der Schadensbegrenzung.
Umgekehrt zählen sinkende Ölpreise zu den stärksten Kurstreibern für den DAX. Der Grund liegt in seiner ausgeprägten Industrielastigkeit. Günstigere Energie würde die Gewinnperspektiven vieler DAX-Konzerne verbessern und gleichzeitig die deutsche Wirtschaft entlasten.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.












