Der Hype um den Börsengang von SpaceX hat gezeigt, wie groß die Faszination für den Weltraum ist. Als eigenständiges Investmentthema ist der Sektor bei der breiten Masse der Privatanleger jedoch noch längst nicht angekommen. Zwar hat der billionenschwere Börsengang den Weltraumsektor weltweit ins Rampenlicht gerückt, in den Portfolios vieler Privatanleger spielen Weltraumaktien bislang jedoch nur eine untergeordnete Rolle.
Der Weltraum-Boom wird größer
SpaceX hat die Raumfahrtindustrie grundlegend verändert. Wiederverwendbare Raketen haben die Kosten für Satellitenstarts drastisch gesenkt und den Zugang zum Weltraum deutlich erleichtert. Gleichzeitig zeigt Starlink, dass sich mit Weltrauminfrastruktur bereits heute Milliardenumsätze erzielen lassen. Als weltweit führender Anbieter von Raketenstarts dominiert SpaceX den Markt.
Genau darin liegt aber auch das Problem. SpaceX dominiert die öffentliche Wahrnehmung so stark, dass viele Anleger den gesamten Weltraumsektor auf das Unternehmen reduzieren. Dass es mit Rocket Lab, AST SpaceMobile, Redwire, Intuitive Machines, Iridium und Planet Labs bereits mehrere börsennotierte Weltraumunternehmen gibt, ergänzt um etablierte Raumfahrtkonzerne wie Northrop Grumman, ist vielen Anlegern kaum bekannt. Gleichzeitig wird Raumfahrt noch immer häufig als visionäres Zukunftsthema wahrgenommen, obwohl Weltrauminfrastruktur längst die Grundlage für Navigation, Telekommunikation, Logistik oder autonomes Fahren bildet.
Gleichzeitig schreckt die hohe Volatilität viele Anleger ab. Die starken Kursschwankungen von SpaceX nach dem Börsengang und die gestaffelten Lock-up-Phasen haben das Bild eines hochspekulativen Sektors verstärkt. Der IPO hat den Weltraumsektor jedoch zugleich aus der Nische geholt und ihn als eigenständiges Investmentthema deutlich stärker ins Bewusstsein privater Anleger gerückt.
Warum Weltraumaktien schwer zu bewerten sind
Ein Blick auf die Fundamentaldaten zeigt, dass sich der börsennotierte Weltraumsektor überwiegend noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet. Nur drei der acht genannten Unternehmen verfügen überhaupt über ein Forward-KGV: SpaceX (55), Iridium (33) und Northrop Grumman (20). Für die übrigen Unternehmen sind die erwarteten Gewinne nach aktuellem Analystenkonsens negativ oder zu unsicher für ein aussagekräftiges Forward-KGV. Gleichzeitig erzielten nur Intuitive Machines (29 %), Iridium (24 %) und Northrop Grumman (13 %) in den vergangenen zwölf Monaten eine positive EBIT-Marge. Der Großteil der Branche investiert weiterhin massiv in Wachstum und ist noch nicht profitabel.
Das macht die Bewertung schwierig. Ein fehlendes Forward-KGV bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten keine Gewinne erzielen wird. Vielmehr erwartet der Analystenkonsens derzeit entweder noch keine positiven Gewinne oder die Gewinnschätzungen sind zu unsicher. Gerade bei jungen Raumfahrtunternehmen können einzelne Großaufträge oder neue Kunden die Erwartungen innerhalb weniger Quartale deutlich verändern.
Von der Vision zur Profitabilität
Nach klassischen Bewertungsmaßstäben ist SpaceX mit Abstand das am höchsten bewertete Unternehmen der Vergleichsgruppe. Der Markt bezahlt dort weniger die heutige Ertragskraft als vielmehr die Erwartung außergewöhnlich starken Wachstums in den kommenden Jahren.
Genau darin liegt der Reiz des Sektors. Viele Weltraumunternehmen stehen heute an einem ähnlichen Punkt, an dem sich führende KI-Unternehmen noch vor wenigen Jahren befanden. Hohe Investitionen treffen auf große Wachstumserwartungen. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen daraus nachhaltig steigende Umsätze, Cashflows und Gewinne entwickeln können. Anleger sollten deshalb weniger auf kurzfristige Kursbewegungen als auf freien Cashflow, Auftragsbestand, Investitionsausgaben und Margenentwicklung achten.
Früh dabei, aber mit Vorsicht
Trotz des langfristigen Wachstumspotenzials bleibt der Weltraumsektor mit erhöhten Risiken verbunden. Viele Unternehmen befinden sich noch in einer frühen Wachstumsphase. Entsprechend sollte das Thema im Portfolio nur einen begrenzten Anteil einnehmen. Ein schrittweiser Einstieg über mehrere Tranchen kann das Einstiegsrisiko reduzieren. Weitere Investitionen sollten sich vor allem an operativen Fortschritten orientieren.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.














