Die Ergebnisse von PISA 2025 markieren für Deutschland in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften jeweils den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen. In Mathematik erreichen nur noch 66 Prozent der 15-Jährigen mindestens Kompetenzstufe zwei. 34 Prozent bleiben darunter. 2022 waren es noch 30 Prozent.
Gegenüber 2015 ist der Anteil der mathematisch leistungsschwachen Jugendlichen um 17 Prozentpunkte gestiegen. Für die Finanzbranche ist das relevant: Zinsen, Kreditkosten, Inflation, Gebühren oder langfristige Renditen lassen sich ohne mathematische Grundkenntnisse nur schwer beurteilen.
Allerdings sind schlechte Mathematikleistungen nicht mit mangelnder Finanzkompetenz gleichzusetzen. Nach Definition der OECD umfasst diese neben Wissen und Verständnis finanzieller Konzepte auch Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen. In der PISA-Finanzkompetenzstudie 2022 ließen sich im OECD-Durchschnitt rund 20 Prozent der Unterschiede nicht durch Mathematik- und Leseleistungen erklären.
Deutschland fehlen vergleichbare Daten zur Finanzkompetenz
Mathematische Grundkenntnisse bleiben dennoch ein wichtiges Fundament. Prozent- und Zinsrechnung sind nötig, um Inflation, Kreditkosten oder die langfristige Wirkung von Gebühren und Renditen einzuordnen. Die PISA-Ergebnisse zeigen damit kein Finanzwissensdefizit, wohl aber Schwächen bei einer wichtigen Voraussetzung für finanzielle Entscheidungen.
Wie groß die Finanzkompetenzlücke deutscher Jugendlicher tatsächlich ist, bleibt offen. Deutschland nahm nicht an der optionalen PISA-Erhebung zur Financial Literacy 2022 teil. Die OECD stellte 2024 zudem fest, dass bislang keine umfassende, national repräsentative Messung nach vergleichbarem Standard erfolgt ist.
International zeigt PISA, welche Erkenntnisse eine solche Untersuchung liefern kann. An der Finanzkompetenzerhebung 2022 beteiligten sich 20 Länder und Volkswirtschaften. Im Durchschnitt der 14 teilnehmenden OECD-Länder erreichten 18 Prozent der Jugendlichen nicht das Basisniveau. Für Deutschland fehlt eine entsprechende Kennzahl.
Einzelstudien zeigen Schwächen und Fortschritte
Hinweise liefern verschiedene Einzelstudien. Eine Untersuchung mit 886 Schülerinnen und Schülern zwischen 14 und 16 Jahren in Hessen ergab 2018, dass rund ein Fünftel den Finanzkompetenztest nicht bestand. Nur 16 Prozent erzielten ein gutes oder sehr gutes Ergebnis. Schwierigkeiten bestanden insbesondere bei Inflation, Zinseszins, Risikostreuung und Anleihen.
Auch Untersuchungen zur Kreditkompetenz zeigen Wissenslücken. Knapp die Hälfte der befragten jungen Erwachsenen wusste nicht, hinter welchen Finanzprodukten sich Kredite verbergen. Nur 35 Prozent kannten Verbraucherzentralen, 28 Prozent ordneten sie als unabhängige Beratungsstelle ein. Jugendliche aus Ländern mit stärker ausgeprägter ökonomischer Bildung schnitten besser ab.
Positivere Signale liefert der Schufa Jugend-Finanzmonitor 2026. 48 Prozent der 1.010 Befragten zwischen 16 und 25 Jahren beantworteten alle Fragen des Wissenstests richtig. Unter den 16- und 17-Jährigen gaben 46 Prozent an, Finanzthemen bereits in der Schule behandelt zu haben – neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Zugleich wünschen sich 92 Prozent der Befragten eine ausführlichere Vermittlung von Geld- und Finanzthemen in der Schule.
Finanzbildung bleibt föderal und schwer messbar
Finanzbildung ist grundsätzlich Teil der schulischen Allgemeinbildung. Die Kultusministerkonferenz nennt „Finanzen, Marktgeschehen und Verbraucherrecht“ ausdrücklich als Bestandteil der Verbraucherbildung. Die konkrete Umsetzung liegt jedoch bei den Ländern und unterscheidet sich nach Fächern und Lehrplänen.
Auch die Deutsche Bundesbank stellt Unterrichtsmaterialien zu Geld, Sparen, Krediten und Inflation sowie Fortbildungen für Lehrkräfte bereit. Ob solche Angebote bundesweit zu messbaren Kompetenzgewinnen führen, lässt sich aus den vorhandenen Daten nicht zuverlässig ableiten.
Bereits 2023 starteten Bundesfinanz- und Bundesbildungsministerium die „Initiative Finanzielle Bildung“. Im September 2024 legte die OECD einen Strategieentwurf vor und empfahl unter anderem systematischere Datenerhebungen. Eine abgeschlossene gemeinsame Strategie ist im September 2026 weiterhin nicht erkennbar. Das Bundesfinanzministerium erklärte im August, die Bundesregierung arbeite „derzeit an einer gemeinsamen Strategie zur Stärkung der finanziellen Bildung“.
Frühstartrente erhöht Anforderungen an Finanzwissen
Zusätzliche Bedeutung erhält das Thema durch die geplante Frühstartrente. Das Bundeskabinett hat im August 2026 den Regierungsentwurf beschlossen. Neben dem Vermögensaufbau nennt das Bundesfinanzministerium Finanzbildung als Ziel. Anbieter sollen Informationen zu Anlage, Wertentwicklung und Kosten zielgruppengerecht bereitstellen.
Damit sollen Kinder und Jugendliche früher mit Kapitalmarkt und Altersvorsorge in Kontakt kommen, während zugleich 34 Prozent der 15-Jährigen das mathematische PISA-Grundniveau verfehlen. Das erhöht die Anforderungen an begleitende Finanzbildung zu Schwankungen, Gebühren, Diversifikation und langfristigem Vermögensaufbau.
Für Finanzberater und Vermittler dürfte deshalb die verständliche Vermittlung von Kosten, Risiken, Renditen und Vertragsfolgen wichtiger werden. Zugleich setzt die KMK eine klare Grenze: Verbraucherbildung soll frei von wirtschaftlichen Interessen erfolgen und selbstbestimmte Marktentscheidungen ermöglichen. Finanzbildung soll erklären, wie Finanzprodukte und Risiken funktionieren – nicht den Verkauf einzelner Produkte vorbereiten.













