Nach dem Handels- ist vor dem Währungskrieg

Die Welt ist handelskriegerischer geworden und die „Kriegsschäden“ bleiben nicht aus. Überall schmelzen die Wachstumsprognosen wie Vanilleeis in der Sommerhitze. Besonders tiefe Wunden reißt Trumps Handels-Feldzug bei asiatischen und europäischen Exportnationen. Die Halver-Kolumne

Robert Halver, Baader Bank: „Kriegsgewinner sind Aktien und Edelmetalle.“

Die bedeutende deutsche Autobranche befindet sich bereits im Abschwung, was auch die dritte Gewinnwarnung von Daimler innerhalb eines Jahres bestätigt. Denn selbst auf dem bislang so robusten chinesischen Automarkt sind die Verkaufszahlen eingebrochen. Und wenn schon Deutschland als Konjunkturlokomotive schwächelt, wie sollen dann erst die Modelleisenbahnen in anderen europäischen Ländern Zugkraft entwickeln?

Export-Darwinismus durch die Notenbank

Große wirtschaftliche Wirkung konnte die Rettungstruppe der EZB trotz all ihrer Üppigkeit bislang nicht erzielen. Kapitulation kommt für sie dennoch nicht in Frage. Um die Folgen des Handelskriegs zu mildern, macht die EZB jetzt an der Devisenfront mobil. Ein schwacher Euro soll Export-Europa konkurrenzfähiger machen. Dazu müssen Zinsen und Anleiherenditen im Euro-Raum weiter sinken.

Tatsächlich, wenn Draghi bei Anleihekäufen von noch „beträchtlichem Spielraum“ spricht, klingt das nicht nach geldpolitischer Abrüstung. Und siehe da, die Kriegsrhetorik der EZB funktioniert bereits. Fast bankrotte Euro-Länder können sich so günstig verschulden wie noch nie zuvor. Je schlechter die Bonität, desto niedriger die Renditen. Die Marktwirtschaft am Rentenmarkt ist tot, es lebe die Planwirtschaft.

„America First“ auch beim Export

Trump ärgert sich über die „Währungsmanipulationen“ der EZB grün und blau. Auch die USA wollen keinen starken Dollar mehr, man will exportieren. Das gibt dem US-Präsidenten neue Munition, um gegen die noch zinssenkungsrenitente Fed zu schießen. Hier beneidet Trump seinen chinesischen Amtskollegen, der der weisungsgebundenen People’s Bank of China einfach den Befehl gibt, viel und billiges Geld zu verteilen. Denn auch China ist kein währungspolitischer Friedensengel. Angesichts einer auch handelsseitig angeschlagenen Binnenkonjunktur bleibt für Peking die Exportförderung über einen möglichst schwachen Yuan wichtig.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Noch in diesem Jahr wird die US-Notenbank ihre Leitzinsen senken und damit in den Währungsabwertungskrieg eintreten. Übrigens, von jeher war der Fed das konjunkturpolitische Hemd immer näher als der stabilitätspolitische Rock.

Im Übrigen würde eine Dollar-Hausse eine Währungs-Baisse der Schwellenländer einläuten. Dann schnürten eine Kapitalflucht in die USA und ein schmerzhafter Zins- und Tilgungsdienst den umfangreich in Dollar verschuldeten Emerging Markets den Hals zu. Damit fehlte ihnen Kaufkraft für den Import amerikanischer Produkte.

Seite zwei: Die dicke Bertha schießt weltweit um sich

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