Geopolitische Spannungen, US-Handelszölle, steigende Energiekosten und der Krieg in der Ukraine – der Transport- und Logistiksektor operiert seit Monaten unter erheblichem Druck. Dennoch haben die Kravag-Gesellschaften das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Beitragsplus abgeschlossen: Die Einnahmen stiegen um 9,2 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. „Die Branche operiert in einem äußerst anspruchsvollen Umfeld. Das spüren wir in unserem täglichen Geschäft“, sagt Nils Reich, Vorstandsvorsitzender der Kravag-Gesellschaften, bei der Delegiertenversammlung in Heidelberg. „Vor diesem Hintergrund freue ich mich umso mehr über den positiven Geschäftsverlauf.“
Auch der Start ins laufende Jahr verlief positiv: In den ersten fünf Monaten 2026 stiegen die gebuchten Bruttobeiträge der Kravag-Gesellschaften um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Kravag-Logistic verzeichnete dabei ein Plus von 4,8 Prozent auf 614 Millionen Euro, die Kravag-Allgemeine steigerte ihre Beitragseinnahmen um 2,9 Prozent auf 19 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Reich unterstreicht dabei die besondere Marktstellung des Unternehmens: „Die Kravag ist nicht irgendein Versicherer, der von außen draufschaut. Wir sind Teil der Transport- und Logistikbranche. Fast jede zweite Sattelzugmaschine im deutschen Güterverkehr fährt mit uns. Das ist ein echter Vertrauensbeweis in uns als Versicherer.“
Kravag-Logistic: Schadenkosten steigen, Combined Ratio verbessert sich
Bei der Kravag-Logistic stiegen die Schadenaufwendungen im Geschäftsjahr 2025 auf 892,6 Millionen Euro – ein Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bedingt vor allem durch deutlich gestiegene Preise für Ersatzteile und Reparaturen. Gleichzeitig wuchsen die gebuchten Bruttobeiträge über alle Sparten hinweg auf 1.136,2 Millionen Euro, was einem Plus von 6,5 Prozent entspricht. Die Combined Ratio verbesserte sich von 96,8 auf 94,9 Prozent. Unter dem Strich wies das Unternehmen ein positives Ergebnis von 28,5 Millionen Euro aus. Beitragsstärkster Zweig bleibt die Kraftfahrtversicherung mit einem Anteil von 78 Prozent am Gesamtgeschäft.
Die Kravag-Allgemeine erzielte im selben Zeitraum gebuchte Bruttobeiträge von 836,2 Millionen Euro – nach 738,3 Millionen Euro im Vorjahr, ein Zuwachs von 13,3 Prozent. Auf der Schadenseite entwickelte sich das Geschäft günstiger: Die Aufwendungen für Versicherungsfälle sanken von 658,7 Millionen Euro auf 636,2 Millionen Euro. Die Combined Ratio erreichte 90,5 Prozent. Der Jahresüberschuss belief sich auf 9,9 Millionen Euro, nach 12,7 Millionen Euro im Vorjahr – ein Rückgang, der laut Unternehmen auf Schwankungsrückstellungen zurückzuführen ist. Die Anzahl der Kfz-Haftpflichtverträge ging im Jahresverlauf von 1.479.586 auf 1.436.727 zurück.
Phantomfrachtführer: Betrugsrisiko wächst rasant
Neben den wirtschaftlichen Belastungen rückt ein anderes Risiko zunehmend ins Bewusstsein der Branche: sogenannte Phantomfrachtführer. Diese professionell organisierten Netzwerke täuschen die Identität legitimer Transportunternehmen vor und entwenden gezielt wertvolle Fracht. „Phantomfrachtführer haben sich in den vergangenen Jahren von einem eher selten auftretenden Einzelfall zu einem der bedeutendsten Betrugsrisiken im Straßengüterverkehr entwickelt“, erklärt Anja Ludwig, Leiterin Kravag KompetenzCenter Logistik und Mobilität. „Sowohl die Anzahl der Schadensfälle als auch die daraus resultierenden Schadensummen steigen spürbar an. Jeden dritten Tag verschwindet in Deutschland eine komplette Lkw-Ladung.“
Um dem entgegenzuwirken, entwickelt die SVG-Akademie – Partner der Straßenverkehrsgenossenschaften für digitale Weiterbildungen – gemeinsam mit der Kravag und den Straßenverkehrsgenossenschaften eine Onlineschulung. Das Angebot richtet sich gezielt an Disponenten sowie weitere Mitarbeitende in Speditionen und Transportunternehmen, die lernen sollen, Phantomfrachtführer frühzeitig zu erkennen.
Kuss: E-Lkw-Bergen stellt Schadenmanagement vor neue Aufgaben
Zur Kravag gehört seit mehr als 35 Jahren die Kravag Umweltschutz und Sicherheitstechnik GmbH (Kuss), die auf Individual-, Groß- und Komplexschäden im Transport- und Gefahrgutbereich spezialisiert ist. Im Jahr 2025 bearbeitete die Kuss rund 5.000 Aufträge, darunter etwa 910 Notfälle und Akutschäden mit unmittelbarem Handlungsbedarf. Der Service LKW bergen + abschleppen wurde rund 340-mal in Anspruch genommen – für viele Kravag-Kunden kostenfrei.
Eine wachsende Herausforderung stellt das Bergen verunfallter Elektro-Lkw dar. Werden bei einem Unfall Akkus beschädigt, können die Bergungskosten deutlich über denen eines Diesel-Fahrzeugs liegen, da spezifische Sicherheitsvorschriften und Herstellervorgaben gelten und die Arbeiten ausschließlich von zertifizierten Fachbetrieben durchgeführt werden dürfen. „Momentan machen E-Lkw noch nicht die große Masse der Transportfahrzeuge aus. Doch die Zulassungszahlen steigen stetig“, sagt Oliver Morgenstern, Geschäftsführer der Kuss. Darauf sei man eingestellt.














