Rentenkommission: GDV warnt vor zu viel Staat in der Altersvorsorge

Jörg Asmussen, GDV, Hauptgeschäftsführer
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GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen

Die Expertenkommission zur Alterssicherung legt morgen ihren Abschlussbericht vor. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft begrüßt das Ziel, mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge zu verankern. Kritisch sehen die Versicherer, dass die Verantwortung dabei vor allem beim Staat landen soll.

Am Dienstag legt die Expertenkommission zur Alterssicherung ihren Abschlussbericht vor. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unterstützt grundsätzlich die Stoßrichtung, mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge zu verankern. Zugleich übt der Verband aber Kritik daran, dass immer mehr Vorsorgeaufgaben in staatlicher Hand gebündelt werden.


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„Mehr Geld für die Rente am Kapitalmarkt anzulegen, ist der Schlüssel zu mehr Generationengerechtigkeit. Aber die Kommission verlagert davon zu viel in staatliche Strukturen. Je mehr Umlage und Kapitaldeckung bei derselben Institution liegen, desto größer wird der politische Einfluss auf Anlageentscheidungen und Leistungsumfang“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.

Die von der Kommission empfohlene gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild kann nach Einschätzung des GDV dazu beitragen, das Gesamtversorgungsniveau und die erste Säule demografiefester zu machen. Doch der Verband warnt davor, das Modell unreflektiert zu übertragen.

Betriebsrente bleibt das blinde Fleck im System

Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente sei ein wichtiger Schritt, aber kein Ersatz für eine konsequente Stärkung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Erst wenn alle drei Säulen ihren Beitrag leisten, entstehe langfristig eine robuste und generationengerechte Alterssicherung. „Fast die Hälfte der Beschäftigten hat heute keine Betriebsrente. Das ist das eigentliche Problem, das jetzt angegangen werden muss“, moniert Asmussen.

Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen profitieren heute noch viel zu wenige Beschäftigte von einer betrieblichen Altersversorgung. Der GDV fordert, dass Betriebsrenten kollektiv über Arbeitgeber organisiert und die private Vorsorge als individuelle Ergänzung gestärkt wird. Stabil sei ein System, in dem der Staat für eine verlässliche erste Säule sorgt, während die zweite und dritte Säule eigenständig und wettbewerblich organisiert bleiben. Die Kommission empfiehlt außerdem, die Frühstart-Rente eng mit der gesetzlichen Kapitalrente zu verzahnen. Auch das sieht der GDV kritisch.

Frühstart-Rente: GDV pocht auf freie Anbieterwahl

„Der Sinn der Frühstart-Rente ist nicht, dass Sechsjährige in die gesetzliche Rente einzahlen, sondern dass sie frühzeitig eine privatwirtschaftlich organisierte Altersvorsorge aufbauen“, sagt Asmussen. Eltern und junge Menschen sollten selbst entscheiden können, welchem Anbieter sie vertrauen. Eine Einbahnstraße Richtung Staat sei der falsche Ansatz.

Der GDV plädiert stattdessen für ein offenes System, in dem private Anbieter gleichberechtigt einbezogen werden. Die private Vorsorge müsse für möglichst viele Menschen zugänglich und attraktiv bleiben – und dürfe nicht durch institutionelle Vorfestlegungen eingeschränkt werden. „Dieses Reform-Zeitfenster kommt so schnell nicht wieder. Wer es verstreichen lässt, ohne die zweite und dritte Säule ernsthaft zu stärken, sitzt in zehn Jahren wieder am selben Tisch“, so Asmussen.


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