SAP muss mit KI neues Wachstum schaffen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
SAP-Kurs halbiert
Foto: stock.adobe.com/Bounpaseuth
SAP legt Quartalszahlen vor. Anleger achten auf Cloud-Wachstum, KI-Umsätze, Profitabilität und die Entwicklung der Aktie.

SAP verfügt über umfangreiche Unternehmensdaten und baut sein KI-Geschäft aus. Anleger wollen nun sehen, ob sich die Investitionen in Wachstum und höhere Gewinne übersetzen. Der Quartalsbericht liefert einen wichtigen Hinweis.

Alle schauen derzeit auf die KI-Story. ASML und TSMC haben in der vergangenen Woche gezeigt, dass der KI-Boom ungebrochen ist. Den Anlegern reicht das offenbar nicht. Der Nasdaq 100 verlor 5,5 Prozent aufgrund von Zinsängsten, Kreditrisiken bei Rechenzentren und hoher Klumpenbildung. Am breiten Markt sprechen wir bislang jedoch eher von einem Dip als von einer Korrektur.

Gute Zahlen allein reichen nicht mehr

Am Mittwoch veröffentlicht SAP seine Zahlen. Damit wird die KI-Story bereits weitergeschrieben. Für die gesamte globale Softwarebranche gilt der Quartalsbericht als wichtiger Stresstest. Anleger sollten auf Cloud-Aufträge, KI-Monetarisierung und Margen achten. Der Markt könnte Technologieaktien inzwischen sogar dann abstrafen, wenn sie lediglich die Erwartungen erfüllen. SAP muss deshalb zeigen, dass der Wandel vom klassischen Softwarehaus zum KI-gestützten Cloud-Konzern nicht nur Kosten verursacht.

Für das dritte Quartal erwarten Analysten einen Umsatz von 10,09 Milliarden Euro und einen Gewinn je Aktie von 1,83 Euro. Beim Cloud-Geschäft rechnet der Markt mit einem Umsatzwachstum von rund 24 Prozent.


Das könnte Sie auch interessieren:

SAPs Datenvorteil muss sich auszahlen

Während die großen Technologiekonzerne Milliarden in Rechenzentren und Sprachmodelle investieren, liefert SAP den entscheidenden operativen Kontext. Die Software verarbeitet zentrale Unternehmensdaten aus Lieferketten, Bilanzen, Personal, Lagerbeständen und Kundenaufträgen. 

SAP muss zeigen, dass die KI-Plattform Joule über reine Datenauswertung hinausgeht und Geschäftsprozesse messbar effizienter macht. Einzelne Schritte in Lieferkette und Beschaffung lassen sich bereits automatisieren. Ein vollständig autonomer Ablauf bis zur eigenständigen Bestellung ist jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt.

Im zweiten Quartal musste SAP einräumen, dass hohe Entwicklergehälter und Serverkosten für die Nutzung von KI-Modellen die operative Marge belastet haben. Genau deshalb wird entscheidend sein, ob die zusätzlichen KI-Ausgaben zukünftig zu mehr Umsatz und Gewinn führen.

SAP im Konkurrenzcheck

Für eine SAP-Analyse bieten sich vor allem Oracle und Microsoft an. Oracle konkurriert direkt mit SAP im ERP-Markt. Microsoft ist mit Dynamics 365, Azure und der Verbindung zu Microsoft 365 besonders stark im Cloud- und Unternehmensgeschäft.

Bei der Profitabilität liegt SAP mit 28,8 Prozent hinter Microsoft mit 46,8 Prozent und Oracle mit 34,3 Prozent. Beim Forward-KGV liegt SAP mit 25,6 etwa auf dem Niveau von Microsoft mit 26,8. Oracle ist mit einem Forward-KGV von 15,1 deutlich niedriger bewertet. Ein wesentlicher Unterschied ist zudem die höhere Verschuldung von Oracle im Vergleich zu SAP und Microsoft.

Auch der makroökonomische Rahmen ist für SAP relevant. Hohe Ölpreise und steigende Anleiherenditen verteuern Energie und Finanzierung und beeinflussen damit die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Eine Entspannung an der Zinsfront und sinkende Energiepreise würden das Umfeld für SAP verbessern.

Technische Einordnung

Die SAP-Aktie war in diesem Jahr zeitweise um mehr als ein Drittel auf 128 Euro gefallen, hat sich davon aber fast vollständig erholt und notiert wieder um die 200 Euro. Wichtig ist nun, dass sie über der 50-Monats-Linie bei aktuell rund 175 Euro bleibt. Solange diese Unterstützung hält, sind die Chancen auf einen Test des Rekordhochs aus technischer Sicht gut.

Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst be eToro.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments