Herr Marquardt, die Hallesche Krankenversicherung erreichte im April in der bKV ein Allzeithoch und konnte mit einer Steigerung von 2,7 Prozent noch einmal ausgebaut werden. Wie heben sich die bKV-Tarife der ALH Gruppe im Markt ab?
Marquardt: Unsere bKV-Lösungen setzen bewusst auf einfache, flexible und im Alltag direkt erlebbare Leistungen. Besonders stark nachgefragt werden unsere Budgettarife wie „FEELfree“ und „FEELfree:up“. Mitarbeitende können ihr Gesundheitsbudget individuell für Leistungen wie Sehhilfen, Zahnbehandlungen, Osteopathie, Physiotherapie oder Vorsorgeangebote einsetzen. Gleichzeitig verzichten wir auf Gesundheitsfragen und schließen Vorerkrankungen mit ein.
Was zeichnet Ihre Budgettarife besonders aus?
Marquardt: Ein besonderes Merkmal hat unser Tarif „FEELfree:up“: Wird das Gesundheitsbudget vollständig genutzt, steigt es im Folgejahr automatisch an, während der Arbeitgeberbeitrag konstant bleibt. Gleichzeitig stehen wir seit 2018 für Beitragsstabilität und garantieren diese bis Ende 2027. Das schafft Vertrauen und Planungssicherheit.
Nun zählen ja im Markt oft nicht nur die reinen Merkmale eines bKV-Tarifs, sondern auch weitere Rahmenbedingungen. Was ist hier zu nennen?
Marquardt: Unsere bKV wird durch umfangreiche Assistance- und Gesundheitsservices wie Videosprechstunden, Facharztvermittlung, medizinische Hotlines, Terminmanagement sowie Angebote zur mentalen Gesundheit ergänzt. Weitere integrierte Themen sind unter anderem der Hebammen-Vermittlungsservice, Familienberatung, Sportberatung, Symptom-Checker und die 50+-Beratung.
Auch Familienangehörige können zahlreiche Services mitnutzen. Gerade dieser ganzheitliche Ansatz gewinnt im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend an Bedeutung.
Was überzeugt Arbeitgeber am meisten, wenn es darum geht, eine bKV anzubieten?
Marquardt: Für Arbeitgeber stehen drei Dinge im Vordergrund: eine einfache Einführung ohne Verwaltungsaufwand, ein spürbarer Mehrwert für die Mitarbeitenden und eine nachhaltige Wirkung auf Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität. Genau darin liegt aus unserer Sicht die Stärke moderner bKV-Konzepte. Ergänzt wird dies durch ein Nachhaltigkeits-Wirkungsrating, welches dafür sorgt, dass die eingeführte bKV direkt in den Nachhaltigkeitsbericht der Firma aufgenommen werden kann.
Und gibt es für Arbeitgeber auch Möglichkeiten, nach der Einführung einer bKV zu prüfen, ob diese wirtschaftlich war?
Marquardt: Ja, durchaus, denn wir halten Transparenz nach der Einführung für sehr wichtig. Daher erstellen wir für unsere Firmenkunden einmal jährlich eine detaillierte, selbstverständlich datenschutzkonforme Nutzungsauswertung der eingeführten bKV. Der Firmenkunde erkennt dadurch, wie intensiv das Gesundheitsbudget in der Belegschaft genutzt wird und für welche Leistungsbereiche es eingesetzt wird, etwa Sehhilfen, Heilpraktikerleistungen, Osteopathie oder weitere Gesundheitsleistungen. So erhält der Arbeitgeber ein fundiertes Reporting-Instrument, mit dem sich die Wirkung der bKV in der Belegschaft anhand klarer Zahlen nachvollziehen und gegenüber internen Entscheidern untermauern lässt.
Sehen Sie im derzeit harten Wettbewerb um Fachkräfte eine gesteigerte Bereitschaft der Arbeitgeber, eine voll arbeitgeberfinanzierte bKV abzuschließen?
Marquardt: Ja, viele Unternehmen investieren gezielt in ihre Arbeitgeberattraktivität, weil der Fachkräftemangel in zahlreichen Branchen weiterhin hoch ist. Die bKV wird dabei zunehmend als strategischer Benefit verstanden, der Mitarbeitenden unmittelbar einen Mehrwert bietet. Natürlich spüren wir aber auch die angespannte Lage vieler Branchen. Unsere aktuelle Forsa-Studie zeigt, dass insbesondere bei der bKV der Anteil arbeitgeberfinanzierter Lösungen bereits vergleichsweise hoch ist. Unternehmen positionieren die bKV bewusst als vollständig finanzierte Zusatzleistung, um sich im Wettbewerb um Fachkräfte klar zu differenzieren.
Welche Angebote bevorzugen Arbeitgeber, um sich zu differenzieren?
Marquardt: Hier kommen gerade Budgettarife gut an, weil Mitarbeitende die Leistungen schnell und unkompliziert nutzen können. Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bindungseffekt. Arbeitgeber sehen, dass die Investition tatsächlich bei der Belegschaft ankommt. Deshalb entwickelt sich die bKV immer stärker zu einem festen Bestandteil moderner Benefit-Strategien. Da sich Arbeitsmodelle immer mehr verändern, kombinieren wir etwa unsere beliebten Budgettarife in einem Kombinationsmodell auch mit einer finanziellen Unterstützungsleistung für die Kosten der pflegebedürftigen Angehörigen von Beschäftigten und mit einer Absicherung von Workation-Aufenthalten im Ausland.
Derzeit sind Diskussionen um eine Reform der GKV in vollem Gange. Haben diese Diskussionen Einfluss auf Ihre Tarifgestaltung?
Marquardt: Nein, denn unsere Tarifgestaltung orientiert sich nicht kurzfristig an politischen Debatten, sondern langfristig an den Bedürfnissen von Arbeitgebern und Mitarbeitenden. Dazu gehören flexible Gesundheitsbudgets, digitale Services, Assistance-Leistungen und einfache Prozesse. Gleichzeitig erwarten wir, dass die Bedeutung betrieblicher Vorsorgelösungen insgesamt weiter steigen wird. Die bKV kann helfen, Versorgungslücken sinnvoll zu ergänzen und Unternehmen gleichzeitig im Recruiting und bei der Mitarbeiterbindung zu unterstützen.
Erwarten Sie dann auch weiteres Wachstum für die bKV?
Marquardt: Die Diskussion rund um die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung zeigt sehr deutlich, dass viele Unternehmen und Beschäftigte ein wachsendes Bedürfnis nach zusätzlicher Gesundheitsabsicherung haben. Themen wie steigende Kosten, längere Wartezeiten oder Leistungslücken erhöhen die Sensibilität für ergänzende Versorgungslösungen. Wir sehen die bKV deshalb weiterhin klar in einer Wachstumsphase. Bereits heute ist das Interesse der Unternehmen größer als die aktuelle Verbreitung.
Das Interview führte Cash.-Autorin Silvia Fischer












