Herr Langer, wer das Titelbild der Cash. 8/26 sieht, denkt zunächst an finanzielle Freiheit. Was bedeutet Freiheit für Sie persönlich?
Hans-Jürgen Langer: Freiheit bedeutet für mich vor allem Selbstbestimmung. Langfristiger Vermögensaufbau schafft finanzielle Handlungsspielräume und ermöglicht Entscheidungen aus Überzeugung statt aus wirtschaftlichem Zwang. Deshalb ist verantwortungsvoller Vermögensaufbau weit mehr als eine finanzielle Aufgabe – er schafft persönliche Freiheit.
Herr Langer, wie sieht die junge Generation das?
Andreas Langer: Für meine Generation bedeutet Freiheit vor allem, selbst über die eigene Zeit und das eigene Leben entscheiden zu können. Geld allein macht nicht frei. Finanzielle Unabhängigkeit eröffnet jedoch die Möglichkeit, Entscheidungen ohne wirtschaftlichen Druck zu treffen. Deshalb verstehen wir Vermögensaufbau als langfristigen Prozess, der Sicherheit und neue Handlungsspielräume schafft.
Auf dem Titelbild steht „Unabhängigkeit schafft Freiheit“. Ist das Ihr wichtigster Grundsatz?
Andreas Langer: Absolut. Als unabhängiger Vermögensverwalter sind wir weder Banken noch Produktanbietern verpflichtet. Dadurch können wir ausschließlich im Interesse unserer Kunden handeln. Das schafft Vertrauen und ermöglicht individuelle Lösungen statt Vertriebsvorgaben.
Hans-Jürgen Langer: Für unsere Kunden bedeutet Unabhängigkeit, finanzielle Entscheidungen aus einer Position der Stärke treffen zu können. Deshalb begleiten wir sie über den gesamten Vermögenszyklus – vom Vermögensaufbau über den Vermögenserhalt bis zur generationenübergreifenden Vermögensweitergabe. Gute Vermögensverwaltung endet nicht bei der Geldanlage, sondern begleitet Familien oft über Generationen hinweg.

Rosenberger, Langer & Cie. befindet sich aktuell im Generationswechsel. Was bedeutet dieser Schritt für das Unternehmen?
Hans-Jürgen Langer: Nach mehr als zwanzig Jahren ist dieser Schritt kein Abschied, sondern die konsequente Weiterentwicklung unseres Unternehmens. Unsere Werte – Unabhängigkeit, Verantwortung und langfristiges Denken – bleiben unverändert. Gleichzeitig braucht jede erfolgreiche Entwicklung neue Ideen und Impulse.
Andreas Langer: Ich freue mich, auf diesem Fundament aufbauen zu dürfen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Technologien verändern unsere Branche nachhaltig. Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklungen sinnvoll zu nutzen, ohne unsere Grundwerte aus den Augen zu verlieren. So verbinden wir Erfahrung mit Innovation.
Wodurch unterscheiden sich die Perspektiven der beiden Generationen?
Hans-Jürgen Langer: In den Grundwerten gar nicht. Der größte Unterschied ist vielleicht, dass ich heute geduldiger bin. Nachhaltiger Erfolg entsteht selten über Nacht.
Andreas Langer (lacht): Und ich bin wahrscheinlich etwas ungeduldiger. Genau diese Mischung macht unseren Austausch wertvoll: Erfahrung hilft, Entwicklungen richtig einzuordnen, frische Ideen bringen neue Perspektiven.
Viele Unternehmen sprechen von Nachfolge. Bei Ihnen wirkt es eher wie eine Weiterentwicklung.
Andreas Langer: Genau so sehen wir das. Unsere Werte und unser Investmentansatz bleiben bestehen, gleichzeitig investieren wir gezielt in Digitalisierung und neue Kompetenzen. So verbinden wir Kontinuität mit Innovation.
Viele Marktteilnehmer sprechen vor allem über Renditen. Sie sprechen häufiger über Vertrauen. Warum?
Andreas Langer: Performance sorgt oft für den ersten Kontakt, Vertrauen für eine langfristige Zusammenarbeit. Unsere Kunden übertragen uns Verantwortung für Vermögen, das häufig über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Dieser Verantwortung müssen wir jeden Tag gerecht werden.
Hans-Jürgen Langer: Vertrauen entsteht besonders in schwierigen Marktphasen. Dann zeigt sich, wie wichtig Transparenz, Ehrlichkeit und persönliche Erreichbarkeit sind. Wer Verantwortung übernimmt, muss gerade in unsicheren Zeiten Orientierung geben.
Kann man Vertrauen überhaupt messen?
Hans-Jürgen Langer: Nicht in Renditezahlen. Vertrauen zeigt sich darin, dass Kunden uns über viele Jahre begleiten und oft auch ihre Kinder und Enkel zu uns kommen. Langfristige Beziehungen entstehen durch Verlässlichkeit – nicht durch einzelne gute Börsenjahre.
Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt in einer zunehmend digitalen Welt?
Andreas Langer: Eine größere denn je. Digitale Services und effiziente Prozesse sind heute selbstverständlich. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch im persönlichen Gespräch. Gerade in volatilen Marktphasen suchen Menschen Orientierung, Erfahrung und einen Ansprechpartner, der Verantwortung übernimmt und ihre individuelle Lebenssituation berücksichtigt.
Viele junge Anleger informieren sich über soziale Medien oder nutzen Robo-Advisor. Warum braucht es trotzdem persönliche Vermögensverwaltung?
Andreas Langer: Weil Vermögensverwaltung weit mehr ist als die Auswahl einzelner Investments. Es geht darum, finanzielle Entscheidungen in den persönlichen Lebenskontext einzuordnen – ob Vermögensaufbau, Vermögenserhalt oder Nachfolgeplanung. Diese Fragen lassen sich nicht standardisieren. Deshalb bleiben Erfahrung und persönliches Vertrauen unverzichtbar.
Ist Digitalisierung also kein Widerspruch zur persönlichen Beratung?
Andreas Langer: Im Gegenteil. Moderne Technologien übernehmen Routinen und schaffen Freiräume für das Wesentliche: persönliche Beratung und strategische Begleitung. Technologie soll unsere Arbeit verbessern – nicht den Menschen ersetzen.
Wie spiegelt sich diese Philosophie in Ihrem Investmentansatz wider?
Andreas Langer: Persönliche Beratung und Investmentstrategie gehören für uns untrennbar zusammen. Unser Ziel ist nachhaltiger Vermögensaufbau. Deshalb steht nicht die maximale Rendite im Vordergrund, sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit Risiken. Aktives Risikomanagement ist seit Jahren ein zentraler Bestandteil unseres Investmentprozesses.
Viele Anleger setzen auf ETFs und Buy-and-Hold. Warum verfolgen Sie einen anderen Ansatz?
Andreas Langer: Buy-and-Hold funktioniert langfristig – sofern Anleger starke Kursschwankungen emotional aushalten. Genau daran scheitert es jedoch häufig. Unser Ansatz berücksichtigt deshalb nicht nur die Kapitalmärkte, sondern auch das Verhalten der Anleger. Wir wollen Renditechancen nutzen und gleichzeitig größere Verlustphasen begrenzen. Nachhaltiger Vermögensaufbau gelingt nur, wenn Anleger auch in schwierigen Marktphasen investiert bleiben.
Sie sprechen von aktivem Risikomanagement und nicht von Markt-Timing. Wo liegt der Unterschied?
Andreas Langer: Wir versuchen nicht, Hoch- oder Tiefpunkte vorherzusagen. Unser Investmentprozess basiert auf objektiven, regelbasierten Marktsignalen. Ziel ist es, größere Abwärtsbewegungen frühzeitig zu erkennen und Risiken diszipliniert anzupassen – unabhängig von Emotionen.
Ihr Leitsatz lautet „Sicherheit vor Rendite“. Warum?
Andreas Langer: Weil Kapitalerhalt die Grundlage langfristigen Anlageerfolgs ist. Große Verluste wieder aufzuholen kostet überproportional viel Rendite. Deshalb fragen wir zuerst, welche Risiken wir verantwortungsvoll eingehen wollen – und erst danach, welche Rendite möglich ist.
Ist Risikomanagement wichtiger als die Auswahl einzelner Aktien?
Andreas Langer: Beides gehört zusammen. Gute Unternehmen sind entscheidend, langfristiger Anlageerfolg hängt aber ebenso davon ab, Risiken konsequent zu steuern. Vermögen wächst nicht nur durch gute Investments, sondern auch dadurch, größere Rückschläge zu begrenzen.
Was unterscheidet den RL&C Global Dynamic von klassischen Aktienfonds?
Andreas Langer: Der Fonds verbindet die Innovationskraft des Nasdaq-100 mit einem aktiven, regelbasierten Risikomanagement. Während viele Fonds dauerhaft nahezu vollständig investiert bleiben, können wir unsere Aktienquote abhängig von objektiven Marktsignalen flexibel steuern. So wollen wir langfristig attraktive Renditechancen mit kontrolliertem Risiko verbinden.
Warum haben Sie sich für den Nasdaq-100 entschieden?
Andreas Langer: Weil er viele Unternehmen vereint, die den technologischen und wirtschaftlichen Wandel prägen – von künstlicher Intelligenz über Halbleiter bis hin zu Cloud Computing und Medizintechnik. Wir investieren in innovative Marktführer mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen.
Kritiker verweisen auf die hohe Konzentration des Index.
Andreas Langer: Das ist richtig. Entscheidend ist für uns jedoch nicht allein der Index, sondern der Umgang mit Risiken. Genau deshalb kombinieren wir dieses Anlageuniversum mit unserem aktiven Risikomanagement.
Wie würden Sie Ihren Investmentansatz in einem Satz beschreiben?
Andreas Langer: Wir nutzen die Chancen innovativer Unternehmen und steuern Risiken konsequent, um Vermögen langfristig und nachhaltig aufzubauen.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei Ihnen?
Andreas Langer: Eine immer größere. KI hilft uns, Daten schneller auszuwerten, Zusammenhänge früher zu erkennen und unsere Research-Prozesse effizienter zu gestalten. Sie ist für uns ein intelligentes Werkzeug – kein Ersatz für menschliche Expertise.
Wird der Vermögensverwalter der Zukunft durch Algorithmen ersetzt?
Andreas Langer: Nein. Daten lassen sich automatisiert analysieren, Verantwortung nicht. Die finale Investmententscheidung bleibt deshalb bewusst beim Menschen.
Hans-Jürgen Langer: Kapitalmärkte bestehen nicht nur aus Zahlen, sondern auch aus Erwartungen und Emotionen. Erfahrung, Urteilsvermögen und Vertrauen lassen sich nicht automatisieren.
Welche Vorteile bringt KI Ihren Kunden?
Andreas Langer: Sie verbessert die Qualität unserer Analysen und schafft Freiräume für persönliche Beratung und individuelle Vermögensplanung. Technologie ersetzt den Menschen nicht – sie unterstützt ihn.
Was ist die größte Herausforderung der kommenden Jahre?
Andreas Langer: Die Geschwindigkeit des Wandels. Technologische, wirtschaftliche und geopolitische Veränderungen nehmen zu. Umso wichtiger werden ein klar strukturierter Investmentprozess, konsequentes Risikomanagement und die Fähigkeit, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen.
Welche Bedeutung wird persönliche Vermögensverwaltung in zehn Jahren haben?
Andreas Langer: Eine größere als heute. Standardisierte Lösungen werden zunehmend automatisiert. Der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo individuelle Lebenssituationen und langfristige Ziele berücksichtigt werden.
Wo sehen Sie Rosenberger, Langer & Cie. in zehn Jahren?
Hans-Jürgen Langer: Ich wünsche mir, dass unser Unternehmen weiterhin für Unabhängigkeit, Verantwortung und langfristiges Denken steht – und den Wandel mit einer neuen Generation erfolgreich gestaltet.
Andreas Langer: Unser Ziel ist es, zu den führenden unabhängigen Vermögensverwaltern im aktiven Risikomanagement zu gehören. Dafür investieren wir in Digitalisierung und KI, ohne unseren wichtigsten Anspruch aus den Augen zu verlieren: Kunden und Investoren beim langfristigen Vermögensaufbau, Vermögenserhalt und der Vermögensweitergabe zu begleiten.
Welche Botschaft möchten Sie Anlegern mitgeben?
Hans-Jürgen Langer: Denken Sie langfristig. Vermögensaufbau ist ein Marathon. Wer Risiken verantwortungsvoll steuert und seiner Strategie treu bleibt, schafft die Grundlage für finanzielle Unabhängigkeit.
Andreas Langer: Unsicherheit wird die Kapitalmärkte auch künftig begleiten. Entscheidend ist nicht, jede Entwicklung vorherzusagen, sondern mit einem klaren Plan darauf zu reagieren. Mit einem disziplinierten Investmentprozess, aktivem Risikomanagement und persönlicher Beratung begleiten wir unsere Kunden langfristig – vom Vermögensaufbau bis zur Vermögensweitergabe.
Interview: Frank O. Milewski, Cash.















