Private Vermieter bilden das Fundament des deutschen Mietwohnungsmarkts. Sie stellen fast zwei Drittel aller Mietwohnungen und agieren dabei überwiegend langfristig – ohne kurzfristige Preisimpulse. Das ist ein zentrales Ergebnis des Deutschland-Immobilien Vermieterreports 2026, den die DI Deutschland Immobilien AG gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht hat. Für die dritte Auflage befragte das IW im Februar 2026 rund 1.000 private Vermieter in Deutschland.
Das Bild, das die Öffentlichkeit von privaten Vermietern hat, dürfte verzerrt sein: 58 Prozent vermieten lediglich eine einzige Wohnung, weitere 19 Prozent zwei. Für die meisten ist Vermietung ein Zusatzverdienst – bei mehr als der Hälfte macht das Mieteinkommen nur einen geringen oder vernachlässigbaren Anteil am Gesamteinkommen aus. Dazu kommt eine ausgeprägte Kontinuität: 60 Prozent sind seit mindestens zehn Jahren am Mietmarkt aktiv.
Diese Langfristorientierung spiegelt sich auch in der Preispolitik wider. 43 Prozent verzichten bei Neuverträgen vollständig auf Mietsteigerungen, 55 Prozent erhöhen moderat. Bei Bestandsmieten ist die Zurückhaltung ähnlich ausgeprägt: 51 Prozent nahmen im vergangenen Jahr keine Anpassung vor. Wer die Miete erhöhte, nannte dafür in den meisten Fällen gestiegene Betriebskosten.
Sanierungsbereitschaft nimmt trotz Klimazielen ab
Der Gebäudesektor verursacht rund ein Drittel der deutschen Kohlendioxid-Emissionen und gilt als Schlüsselbereich auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität bis 2045. In den vergangenen Jahren hat bereits etwas mehr als die Hälfte der befragten Vermieter in energetische Maßnahmen investiert – vor allem in neue Heizungen (34 Prozent), neue Fenster (25 Prozent) und Dämmung (18 Prozent). Hauptmotive waren langfristige Energieeinsparungen (53 Prozent) sowie eine höhere Mieterzufriedenheit (41 Prozent).
Wer auf Maßnahmen verzichtete, nannte fehlende Dringlichkeit (64 Prozent), mangelnde Nachfrage seitens der Mieter (21 Prozent) oder den Kostenaufwand (17 Prozent). Besorgniserregend: 2026 stockt die Modernisierung deutlich stärker als noch im Vorjahr. 59 Prozent der Vermieter planen aktuell keine weiteren Investitionen – gegenüber 48 Prozent im Jahr 2025 ein merklicher Rückgang.
„Viele private Vermieter sind bereit, ihren Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten – doch die Rahmenbedingungen müssen verlässlich und nachvollziehbar sein. Ohne klare Orientierung, realistische Anforderungen und praktikable Förderstrukturen wird die Transformation des Gebäudebestands nicht gelingen“, sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft.
Vermieter konzentrieren sich auf gefragte Lagen
Private Vermieter bieten vor allem Etagenwohnungen in Mehrfamilienhäusern an (66 Prozent). Bemerkenswert ist die räumliche Konzentration: 62 Prozent der Wohnungen liegen in guten oder sehr guten Lagen – genau dort, wo die Nachfrage besonders hoch ist. Der Bestand stammt überwiegend aus den Bauperioden 1949 bis 1978 sowie 1979 bis 1994 und deckt damit einen wesentlichen Teil des gewachsenen deutschen Wohnungsangebots ab.
Die Vertragspraxis ist von Stabilität geprägt: In 77 Prozent der Fälle besteht ein unbefristeter Mietvertrag ohne automatische Anpassungsklausel. Möblierte Vermietung (29 Prozent) und die Vergabe an Wohngemeinschaften (neun Prozent) spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Trotz dieser stabilen Praxis ist die Stimmung gegenüber der Politik angespannt. 70 Prozent der Vermieter sind mit ihrer eigenen Tätigkeit zufrieden oder sehr zufrieden – das persönliche Barometer liegt bei plus 30 Punkten. Die Wohnungspolitik hingegen bewerten viele skeptisch: Das politische Barometer notiert bei minus 8 Punkten.
Wohnungspolitik steht unter Druck
„Dass die Mehrheit der privaten Vermieter trotz dieser Unsicherheiten mit ihrer Tätigkeit zufrieden ist, ist ein starkes Signal – und zeigt ein bemerkenswertes Verantwortungsbewusstsein“, sagt Marc-Philipp Unger, Vorstandsvorsitzender der DI Deutschland.Immobilien AG.
Den größten Nachholbedarf sehen die Befragten bei fehlenden Maßnahmen für Haushalte mit mittleren Einkommen (55 Prozent) – eine Gruppe, die zunehmend schwer Zugang zu bezahlbarem Wohnraum findet und gleichzeitig kaum von staatlicher Unterstützung profitiert. Gut die Hälfte wünscht sich ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Mieter- und Vermieterinteressen (53 Prozent). Altersgerechte und nachhaltige Wohnangebote gelten vielen als politisch zu wenig priorisiert.
„Diese Einschätzungen zeigen: Zentrale Bedarfe werden bislang nicht ausreichend adressiert. Es braucht spürbares politisches Umsteuern, um die Stabilität des Mietmarkts zu sichern und Investitionen zu ermöglichen“, sagt Voigtländer.















