Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland ab 50 Jahren sieht dem Ruhestand mit Zuversicht entgegen – doch das Bild trübt sich, sobald man genauer hinsieht. 53 Prozent der Befragten blicken „sehr optimistisch“ oder „eher optimistisch“ auf ihren Ruhestand, nur 18 Prozent beurteilen ihre Perspektive pessimistisch.
Gleichzeitig hält fast jeder Dritte (29 Prozent) die eigene finanzielle Absicherung im Alter für gefährdet. Das sind die zentralen Ergebnisse der diesjährigen Ruhestandsumfrage von Yougov im Auftrag von Standard Life, für die im März 2026 insgesamt 844 Personen ab 50 Jahren bundesweit befragt wurden.
Bei der Selbstbewertung der eigenen Vorsorge zeigt sich eine deutliche Spreizung. 15 Prozent der Befragten geben ihrer finanziellen Absicherung die Schulnote „mangelhaft“, 13 Prozent sogar „ungenügend“. Auf der anderen Seite bewertet gut ein Viertel (27 Prozent) die eigene Situation als „gut“ (20 Prozent) oder „sehr gut“ (sieben Prozent). Die Durchschnittsnote hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht auf 3,58 verbessert (2025: 3,66).
Besonders auffällig ist die Stimmung unter den 50- bis 60-Jährigen: In dieser Gruppe, die noch mitten im Berufsleben steht und theoretisch noch Gegenmaßnahmen ergreifen könnte, blickt nur jeder Dritte (33 Prozent) optimistisch auf den bevorstehenden Ruhestand. 40 Prozent sehen ihre finanzielle Absicherung im Alter als gefährdet an – deutlich mehr als im Gesamtdurchschnitt.
Zwei Drittel planen den Ruhestand ohne professionelle Hilfe
Trotz der verbreiteten Unsicherheit verlassen sich die meisten Über-50-Jährigen auf sich selbst: 66 Prozent sind überzeugt, die Ruhestandsplanung eigenständig bewältigen zu können. 19 Prozent planen gar nicht. Nur zehn Prozent suchen professionellen Rat. Zugleich haben 64 Prozent keinen konkreten Plan über ihre Einnahmen und Ausgaben im Ruhestand erstellt – wenngleich das ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist (2025: 69 Prozent). Immerhin 30 Prozent verfügen über einen solchen Plan, 2025 waren es erst 25 Prozent.
Was die Einkommensentwicklung betrifft, rechnen 58 Prozent der Befragten damit, im Ruhestand deutlich weniger zu verdienen als während des Erwerbslebens – ein Wert, der sich gegenüber 2025 (57 Prozent) kaum verändert hat. Bei den erwarteten Ausgaben zeigt sich ein gespaltenes Bild: 43 Prozent erwarten niedrigere Kosten als im Erwerbsleben, 38 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Ausgaben, und 16 Prozent – nach zwölf Prozent im Vorjahr – gehen sogar von höheren Ausgaben aus. Das Thema Pflegebedürftigkeit bleibt dabei ein konstanter Unsicherheitsfaktor: Für 59 Prozent der Befragten wäre die eigene Pflegebedürftigkeit oder jene eines Familienmitglieds eine ernsthafte finanzielle Belastung.
Rentenverzicht für jüngere Generationen? Klares Nein
Standard Life nutzte die Umfrage zudem, um Einstellungen zur Generationengerechtigkeit zu erheben. Die Frage, ob die Befragten bereit wären, für die Sicherung der Rente nachfolgender Generationen Einbußen bei der eigenen Rente zu akzeptieren, beantworteten mehr als drei Viertel (79 Prozent) mit einem klaren Nein. Nur neun Prozent zeigten sich dazu bereit. Wenig bekannt ist offenbar auch die seit Anfang 2026 geltende Aktivrente: Immerhin 55 Prozent der Befragten kennen das Modell nicht. Und selbst unter jenen, die davon wissen, hält die Mehrheit (57 Prozent) es für „eher uninteressant“ oder „sehr uninteressant“. Nur 35 Prozent zeigen Interesse, neun Prozent davon sogar ausgeprägtes.
Christian Nuschele, Head of Distribution bei Standard Life Deutschland und Österreich, sieht in den Ergebnissen einen klaren Handlungsauftrag an die Versicherer und Vermittler: „Auch die zweite Auflage unserer Umfrage zeigt eine große Unsicherheit bezüglich der Absicherung im Alter. Gerade die 50- bis 60-Jährigen machen sich offensichtlich große Sorgen um die finanzielle Ausgestaltung ihres Ruhestandes.“ Gleichzeitig betont er die verbleibenden Möglichkeiten: „Dies ist ein sehr guter Zeitpunkt, sich intensiv mit der finanziellen Planung des Ruhestands zu beschäftigen. Ich kann jeden in dieser Altersgruppe nur ermutigen, Entscheidungen nicht weiter aufzuschieben und sich Rat bei einem unabhängigen Experten für Ruhestandsplanung einzuholen“, so Nuschele.
















