Fast vier von fünf Deutschen hätten bei einem finanziellen Engpass keinen konkreten Handlungsplan. Das zeigt eine aktuelle Studie von Consors Finanz unter 1.005 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren. Demnach wüssten lediglich 21,4 Prozent der Befragten sofort, wie sie auf eine unerwartete Ausgabe von 2.000 Euro reagieren würden.
Zwar kennen 58 Prozent ihre monatlichen Fixkosten, doch weniger als die Hälfte (40,9 Prozent) verfügt über finanzielle Rücklagen. Zudem trauen sich nur 26,1 Prozent zu, finanzielle Entscheidungen eigenständig zu treffen.
Ein möglicher Grund liegt im kommunikativen Umgang mit Geld. Nur 30,2 Prozent sprechen im persönlichen Umfeld offen über Kredite oder finanzielle Schwierigkeiten. 28,3 Prozent empfinden Scham, wenn sie Ratenkäufe nutzen oder ihr Konto überziehen. Auch in Partnerschaften bleibt das Thema häufig ausgeklammert: Nur 34,9 Prozent treffen finanzielle Entscheidungen gemeinsam, während lediglich 36,2 Prozent offen über ihre finanzielle Situation sprechen.
Finanzthemen werden häufig aufgeschoben
Neben der mangelnden Offenheit zeigt die Studie eine ausgeprägte Tendenz, Finanzthemen zu vertagen. 13,7 Prozent der Befragten schieben Themen wie Altersvorsorge oder Geldanlage regelmäßig auf, weitere 25,8 Prozent tun dies gelegentlich. Damit fehlt fast jedem Zweiten nach eigenen Angaben ein konsequenter Überblick über das persönliche Finanzmanagement.
André Tintrop, Head of Business & Operations Steering bei Consors Finanz, sagt: „Viele Menschen wissen, dass sie handeln sollten, und tun es trotzdem nicht. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem: Finanzthemen fühlen sich komplex an, und wenn im Umfeld nicht offen darüber gesprochen wird, entsteht das Gefühl, allein damit zu sein. Um diesem Problem zu begegnen, müssen wir als Bank weiter Aufklärungsarbeit leisten.“
Die Auswertung zeigt zudem, dass dies nicht allein eine Frage des Einkommens ist. In Haushalten mit weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen verfügen lediglich 13,2 Prozent über einen Notgroschen. Überraschend ist jedoch der Blick auf höhere Einkommen: Bei Haushalten mit mehr als 5.000 Euro Nettoeinkommen hat fast die Hälfte (47,8 Prozent) keine finanziellen Rücklagen, während 71,3 Prozent keinen klaren Plan für finanzielle Engpässe haben.
Junge Erwachsene besonders belastet
Besonders hoch ist der Druck bei den 18- bis 29-Jährigen. Rund 31,6 Prozent dieser Altersgruppe fühlen sich durch ihre finanzielle Situation belastet. 27,4 Prozent verschieben finanzielle Entscheidungen regelmäßig. Gleichzeitig kennen nur 39,4 Prozent ihre monatlichen Fixkosten, und lediglich 28,1 Prozent haben Rücklagen für Notfälle aufgebaut.
Dabei nutzen junge Erwachsene digitale Hilfsmittel häufiger als andere Altersgruppen. 23 Prozent verwalten ihre Finanzen über Apps, im Bevölkerungsdurchschnitt sind es 16,2 Prozent. Dennoch scheint der Zugang zu digitalen Werkzeugen allein nicht auszureichen, um finanzielle Sicherheit zu schaffen.
Gleichzeitig zeigen sich junge Menschen offener für Investitionen in die eigene Zukunft. 21,3 Prozent würden einen Kredit für den Schritt in die Selbstständigkeit aufnehmen, 18 Prozent für Aus- oder Weiterbildung. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegen die Werte mit 11,7 beziehungsweise 8,7 Prozent deutlich niedriger.
André Tintrop sagt: „Junge Erwachsene setzen sich intensiver mit Investitionen und Vorsorge auseinander, als viele glauben – nicht zuletzt angesichts der Rentenlücke und einer unsicheren Arbeitswelt. Was ihnen in der Informationsflut fehlt, sind ein strukturierter Einstieg und die Sicherheit, die richtigen Schritte zu gehen.“
Dispokredit oft erste Wahl bei Engpässen
Fehlende Vorbereitung wirkt sich auch auf die Wahl von Finanzierungsformen aus. 7,7 Prozent der Bevölkerung nutzen nach Angaben der Studie regelmäßig ihren Dispokredit. Bei den 30- bis 39-Jährigen liegt dieser Anteil bei 12,9 Prozent.
Vielfach werden Kredite in Deutschland für Konsumausgaben eingesetzt. Am häufigsten dienen sie dem Autokauf (33,8 Prozent) oder der Finanzierung von Immobilien (32,6 Prozent). Kredite für Weiterbildung (8,7 Prozent) oder den Aufbau einer selbstständigen Tätigkeit (11,7 Prozent) spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle.
„Finanzierungen wie der Dispokredit sollten nur in Ausnahmefällen als Überbrückung dienen – die hohen Zinsen können rasch zur Falle werden. Wer Kredit ausschließlich als Konsumhilfe begreift, übersieht, dass er auch ein Werkzeug für die eigene Qualifikation und Unabhängigkeit sein kann“, erläutert André Tintrop.















