Wo Millionäre 2026 hinziehen und warum Deutschland zu den Verlierern zählt

Ein kaukasischer Geschäftsmann mit leichtem Bart steht vor einem teuren Auto in Dubai. Hochwertiges Foto, Vermögen, Geld, Millionär, Geldanlage,
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Steuerreformen und politische Unsicherheit bringen vermögende Privatpersonen weltweit zum Umdenken. Ein neuer Bericht zeigt, welche Länder 2026 von der Vermögensmigration profitieren und wer ins Hintertreffen gerät.

Singapur, Italien, die Schweiz, Griechenland, Hongkong und Neuseeland zählen 2026 zu den gefragtesten Zielen für international mobiles Vermögen. Das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich, Norwegen und Südkorea geraten dagegen zunehmend unter Druck. Steuerreformen, fiskalische Unsicherheit und politische Kurswechsel veranlassen vermögende Privatpersonen und Familien, ihre Standortentscheidungen neu zu überdenken.


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Zwei Entwicklungen dürften die Verteilung des globalen Wohlstands in diesem Jahr besonders prägen. Zum einen verzeichnen die Vereinigten Staaten als größter Markt für privates Vermögen eine Rekordnachfrage nach Wohnsitzmöglichkeiten und Staatsbürgerschaftsoptionen, da wohlhabende Amerikaner verstärkt nach internationaler Diversifizierung streben. Zum anderen stellen anhaltende Konflikte in der Golfregion die Widerstandsfähigkeit der dortigen Vermögenszentren auf die Probe – besonders in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem führenden Zielland für die Migration von Millionären in den vergangenen zwei Jahren. Dort löst die Lage eine neue Phase der Notfallplanung unter den international mobilen Bewohnern aus.

Diese Erkenntnisse stammen aus dem „Henley Private Wealth Migration Report 2026″, der eine Abkehr von der traditionellen Umzugsplanung feststellt. Die vermögendsten Menschen der Welt bauen demnach zunehmend sogenannte souveräne Portfolios auf – aus Aufenthaltsrechten, Staatsbürgerschaften, Investitionen und Geschäftsbeteiligungen in verschiedenen Rechtsräumen.

Anträge aus 86 Ländern binnen fünf Monaten

Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 gingen bei Henley & Partners Anträge von Personen aus 86 Ländern im Rahmen von 47 Investitionsmigrationsprogrammen ein. Mehr als 28 Prozent der Antragsteller leben bereits außerhalb ihres Herkunftslandes. Das verdeutlicht ein prägendes Merkmal der heutigen Vermögenslandschaft: Vermögende Privatpersonen und ihre Familien gestalten ihr Leben zunehmend über mehrere Länder hinweg, statt an einen einzigen Standort gebunden zu bleiben.

Juerg Steffen, CEO von Henley & Partners, bewertet diese Entwicklung als grundlegenden Wandel. Während eines Großteils des vergangenen Jahrhunderts hätten Regierungen ihre wohlhabendsten Einwohner weitgehend als relativ festes Kapital betrachten können, gebunden durch Unternehmen, familiäre Bindungen und begrenzte internationale Mobilität. „Diese Annahme ist zunehmend überholt“, sagt Steffen. „Infolgedessen konkurrieren die Regionen nicht nur um Kapital, sondern auch um die Unternehmer, Investoren, Geschäftsinhaber und Fachkräfte, die Wirtschaftswachstum, Innovation, Beschäftigung und Wohlstand vorantreiben.“

Die Ausgabe 2026 stellt nach Angaben von Henley & Partners die bedeutendste Weiterentwicklung des Berichts seit dessen Einführung dar. Während frühere Ausgaben sich vor allem auf Schätzungen zur Migration von Millionären und auf die Richtung von Vermögensströmen konzentrierten, führt der diesjährige Bericht das „Global Wealth Mobility Framework“ ein. Das Analysemodell bewertet die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit von Ländern bei der Anziehung, Bindung und Förderung international mobiler Vermögen.

Neues Bewertungsmodell vergleicht Länder im Detail

Das Rahmenwerk berücksichtigt Faktoren wie Besteuerung, Einwanderungsmöglichkeiten für Investoren, Lebensqualität, Rechtsstaatlichkeit, Einbeziehung der Familie, geopolitische Stabilität und Kapitalmobilität. Daraus ermittelt der Bericht für jeden Markt einen „Wealth Mobility Competitiveness Score“. Ergänzend enthält er mehrere „Policy-Spotlights“, die untersuchen, wie diese Faktoren die weltweite Verlagerung von Privatvermögen beeinflussen.

Parag Khanna, Gründer und CEO von AlphaGeo, vergleicht das Verhalten vermögender Privatpersonen mit dem von institutionellen Investoren: „Die weltweit mobilsten Vermögenswerte treffen Standortentscheidungen auf die gleiche Weise, wie Staatsfonds ihre Portfolios aufteilen – sie diversifizieren über verschiedene Klimazonen, Regierungssysteme und geopolitische Regionen hinweg, um sich vor Schocks zu schützen, die keiner von uns vollständig vorhersehen kann.“

Singapur erreicht mit einem Wert von 79,5 von 100 Punkten die Spitzenposition im Ranking, gefolgt von Neuseeland mit 75,8 Punkten. Eine zweite Gruppe wettbewerbsfähiger Standorte umfasst die Kaimaninseln (74,3), Zypern (73,5), die Niederlande (72,8), Portugal (72,5), Italien (72,3) und Bermuda (72,0). Der Bericht führt zudem Uruguay (71,8), Lettland (71,7), Panama (71,5), Hongkong (71,2), die Schweiz (70,8), Griechenland (70,5), Costa Rica (70,2) und Monaco (70,0) als besonders attraktive Standorte für Vermögensmobilität auf.

Deutschland und Großbritannien unter wachsendem Druck

Als „Wettbewerbsfähige Länder unter Druck“ stuft der Bericht Deutschland (69,7), Norwegen (69,0), das Vereinigte Königreich (68,3), Südkorea (66,2) und Frankreich (65,7) ein.

Douglas McWilliams, Gründer des Centre for Economics and Business Research im Vereinigten Königreich, ordnet diese Entwicklung als Frühwarnzeichen ein: „Die Abwanderung vermögender Personen ist der Kanarienvogel in der Kohlengrube der Wirtschaftspolitik. Wenn wohlhabende Menschen ein Land in Scharen verlassen, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass die Wirtschaftspolitik des Landes nicht funktioniert.“

Mit anhaltenden strukturellen Herausforderungen im Bereich der Vermögensmobilität kämpfen laut Bericht Brasilien (64,2), China (60,5), Russland (58,7), Indien (56,5), Iran (45,8), Libanon (45,5) und Nigeria (43,0).

USA und Vereinigte Arabische Emirate als Sonderfälle

Mit einem Wert von lediglich 62,3 Punkten nimmt die USA im Rahmenwerk eine Sonderstellung ein. Das Land bleibt der wichtigste Motor für Vermögensbildung, Unternehmertum und Kapitalbildung und zugleich der größte Einzelmarkt von Henley & Partners. Die Zahl der Anträge von US-Bürgern hat sich im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und bleibt auch 2026 auf hohem Niveau. Nur sieben Prozent der Anträge von US-Bürgern stammen von Amerikanern, die außerhalb des Landes leben – die Nachfrage wird also überwiegend von US-Einwohnern und nicht von im Ausland lebenden US-Bürgern getragen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erzielen trotz jüngster regionaler Spannungen einen Wert von 85,3 Punkten, einen der höchsten im gesamten Rahmenwerk. Dieser spiegelt die Stärke des Landes bei Steuerwettbewerbsfähigkeit, Zugang für Investoren, Einbeziehung von Familien, Sicherheit, Anbindung und Möglichkeiten für einen langfristigen Aufenthalt wider. Zugleich verzeichnete Henley & Partners zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 einen Anstieg der Anfragen von Personen mit Wohnsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten um 41 Prozent. Die Anträge auf eine alternative Aufenthaltsgenehmigung oder Staatsbürgerschaft stiegen im gleichen Zeitraum um 29 Prozent.


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