Vom Tief bei 0,99 USD am 17. August steigt XRP bis zum 22. August auf 1,69 USD – ein Plus von rund 72 Prozent in nur fünf Tagen. Bitcoin legt im selben Zeitraum rund 22 Prozent zu. Damit läuft XRP dem Marktführer deutlich davon.
Getrieben wird die Bewegung von einer ungewöhnlich starken Kombination aus Marktdynamik, Kapitalzuflüssen und hoher Handelsaktivität. Allein am 21. August wurden marktweit Short-Positionen im Volumen von rund 1,25 Milliarden USD zwangsliquidiert. Gleichzeitig verzeichneten XRP-ETFs in der Woche bis zum 28. August mit 110,5 Millionen USD ihren bislang stärksten wöchentlichen Zufluss des laufenden Jahres. Auch die Handelsaktivität zog kräftig an: An Südkoreas größter Kryptobörse Upbit stieg das Gesamtvolumen um 273 Prozent, wobei XRP dort zeitweise rund ein Drittel des Handels ausmachte.
Die Rally stand damit auf mehreren Beinen – allerdings hat die Geschwindigkeit des Anstiegs auch die Fallhöhe erhöht.
1,30 US-Dollar: der Stresstest
Nach dem steilen Anstieg setzen inzwischen spürbare Gewinnmitnahmen ein. Bis zum 30. August fällt XRP auf 1,36 USD zurück und gibt damit auch die zuvor verteidigte Marke von 1,40 USD auf.
Charttechnisch rückt nun die Zone um 1,30 USD in den Mittelpunkt. Sie liegt nahe am 200-Tage-Durchschnitt von 1,34 USD und bildet damit eine wichtige Unterstützung. Hält dieses Niveau, lässt sich der Rücksetzer weiterhin als Konsolidierung innerhalb des bestehenden Aufwärtstrends einordnen. Auf der Oberseite wartet dann zunächst die Zone zwischen 1,50 und 1,55 USD, bevor erneut das Rallyhoch bei 1,69 USD in den Blick rückt.
Ein nachhaltiger Bruch unter 1,30 USD würde das Bild dagegen deutlich eintrüben und das Risiko weiterer Abgaben in Richtung der Ausgangsniveaus erhöhen.
Die Rally hat gezeigt, wie schnell bei XRP neues Momentum entstehen kann. Jetzt muss sich zeigen, wie belastbar dieses Momentum tatsächlich ist. Die Marke von 1,30 Dollar wird damit zum Stresstest für die aktuelle Aufwärtsbewegung.
Alles wartet auf den 15. September
Der nächste wichtige Impuls dürfte allerdings weniger aus dem Chart als aus Washington kommen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der 15. September. Nachdem der Senat eine Abstimmung über den Digital Asset Market Clarity Act mehrfach verschoben hat, soll an diesem Tag im Plenum eine Verfahrensabstimmung durchgeführt werden.
Der Gesetzentwurf soll unter anderem die Zuständigkeiten zwischen der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) und der Terminmarktaufsicht CFTC (Commodity Futures Trading Commission) für Kryptowerte klarer regeln. Zunächst geht es um eine Verfahrensabstimmung, für die 60 Stimmen erforderlich sind. Die Republikaner sind damit auf Unterstützung aus den Reihen der Demokraten angewiesen.
Gelingt das, rückt die eigentliche Gesetzesabstimmung in greifbare Nähe. Viele Marktteilnehmer verbinden damit die Hoffnung auf einen regulatorischen Befreiungsschlag für den gesamten Kryptomarkt. Scheitert sie dagegen, dürfte die Verabschiedung des Clarity Act für 2026 kaum noch realistische Chancen haben – und die regulatorische Unsicherheit würde zunächst bestehen bleiben.
Der 15. September dürfte damit zum zentralen Katalysator für die weitere Richtung werden – nicht nur für XRP, sondern für den Kryptomarkt insgesamt.
Exkurs: Ripple oder XRP? Mehr als nur eine Kryptowährung
Für die Einordnung von XRP lohnt sich zunächst eine klare Trennung: XRP ist das Krypto-Asset, der XRP Ledger das zugrunde liegende Blockchain-Netzwerk und Ripple das Unternehmen, das rund um diese Infrastruktur verschiedene Anwendungen und Dienstleistungen entwickelt.
Ursprünglich lag der Schwerpunkt von Ripple auf einer schnellen und kostengünstigen Infrastruktur für grenzüberschreitende Zahlungen. XRP übernimmt dabei unter anderem die Funktion einer Brückenwährung in Ripples Liquiditätslösungen. Inzwischen ist das Unternehmen deutlich breiter aufgestellt und bietet Finanzinstituten unter anderem Custody-, Prime-Brokerage- und Zahlungslösungen sowie mit RLUSD einen eigenen Dollar-Stablecoin an.
Für die Einordnung von XRP ist diese Entwicklung relevant: Das Ökosystem rund um XRP und die digitale Zahlungsinfrastruktur werden breiter. Entscheidend für den langfristigen Investmentcase bleibt daher, ob daraus auch eine steigende Nutzung und Nachfrage nach XRP entsteht.
Vorbereitung auf die Quanten-Ära
Ripple arbeitet bereits aktiv an der langfristigen Absicherung gegen die potenzielle Gefährdung durch künftige Quantencomputer. Ein vierstufiger Fahrplan soll den XRP Ledger bis 2028 entsprechend widerstandsfähig machen. Aktuell läuft Phase 3: Auf einem Testnetz erproben Entwickler neue quantensichere Verschlüsselungsverfahren zunächst parallel zu den bestehenden Verfahren, damit der laufende Betrieb nicht beeinträchtigt wird.
Der lange Vorlauf hat einen konkreten technischen Grund: Quantensichere Signaturen sind deutlich größer als heutige Signaturen. Das wirkt sich unter anderem auf Bandbreite, Speicherbedarf der Node-Betreiber und die Gebührenstruktur aus. Diese Folgen müssen vor einer Einführung im Hauptnetz ausreichend getestet werden. Ab 2027 sollen Integratoren deshalb beide Signaturverfahren parallel unterstützen.
Quantencomputer sind für den Kryptomarkt noch kein akutes Problem. Aber bei Infrastruktur, die über Jahrzehnte funktionieren soll, beginnt technologische Resilienz schon jetzt und nicht erst dann, wenn die Bedrohung vor der Tür steht.
Autor Dirk Heß ist Geschäftsführer bei nxtAssets.













